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Gegen Intoleranz stemmt sich der Verein „München ist bunt“ – darunter auch einige Münchner Stadträte.

Bündnis „München ist bunt“

Protest und Gegenprotest an der Bayernkaserne

München - Einige der Demonstranten haben Transparente bei sich. „Lieber Grün-Bunt als Braun-Dumpf“ steht auf einem geschrieben, „Flüchtlinge bleiben – Nazis vertreiben“ auf einem anderen.

Ihnen gegenüber auf der anderen Straßenseite stehen Neonazi Karl Richter und drei andere Mitglieder der rechtsextremen BIA. Einer von ihnen hält eine Deutschlandflagge hoch.

Als Karl Richter anfängt zu sprechen, pfeifen die Gegendemonstranten. „Der lügt, sobald er den Mund aufmacht“, sagt Grünen-Stadträtin Jutta Koller. Etwa hundert Demonstranten von „München ist Bunt“ haben sich am Samstagmittag am Werner-Egk-Bogen in der Nähe der Bayernkaserne getroffen, um gegen die Kundgebung der „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ (BIA) zu protestieren.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist der noch immer ungeklärte Konflikt um die Bayernkaserne. In den letzten Wochen sind immer wieder Beschwerden der Anwohner über die Flüchtlinge bei der Stadt eingegangen, zwei Facebook-Gruppen haben sich gegen die Asylbewerber formiert (wir berichteten). Derzeit leben knapp 2000 Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung, seit am Donnerstagabend noch einmal 260 Flüchtlinge angekommen sind. Geschichten über betrunkene Männer auf Spielplätzen machten die Runde, Anwohner berichteten von zugemüllten Grünflächen.

BA-Vize Patric Wolf (CSU) ist seit Wochen in den Vierteln um die Bayernkaserne unterwegs und versucht, zu vermitteln. „Die Situation beruhigt sich wieder“, so Wolf. „Die Grünflächen sind wieder sauber. Aber dass sich Flüchtlinge draußen bewegen, müssen die Anwohner akzeptieren.“

Anwohner sind auch am Samstag auf der Kundgebung anwesend. Was sie über die derzeitige Situation denken? Einige möchten nicht mit der Presse reden. „Was ich denke, wäre Ihnen sowieso zu rechts“, sagt ein Mann und wendet sich ab. Ein anderer zeigt Karl Richter den erhobenen Daumen. „Es ist traurig, dass es in jedem Stadtteil solche Leute gibt“, sagt Wolf. Er selbst habe in Diskussionen bislang aber nur positive Erfahrungen gemacht.

Ein Passant beobachtet abseits der Kundgebung, wie sich BIA und Gegendemonstranten gegenüberstehen, zwischen ihnen und um sie herum viel Polizei. „Ich finde einfach, es sind zu viele Menschen in der Bayernkaserne“, sagt er. „Gestört hat mich vor allem der Müll, was sich aber schon leicht gebessert hat.“ Er fände es interessant zu sehen, wie es innerhalb der Bayernkaserne zugeht, so der Anwohner. „Man erfährt schließlich nur, was draußen passiert und das hinterlässt kein gutes Bild“, sagt er. „Wir haben keine Ahnung, unter welchen Bedingungen die Menschen dort leben.“

„Die Bürger sollten über ihre Nöte und Ängste reden können“, sagt Bürgermeisterin Christine Strobl. „Mir haben viele gesagt, dass sie vor allem die große Anzahl an Asylbewerbern derzeit problematisch finden.“ Hierfür müsse die Stadt schnellstmöglich eine Lösung finden, so die Bürgermeisterin. „Wir hoffen immer noch auf die McGraw-Kaserne. Insgesamt hätte man die Anwohner im Voraus einfach viel intensiver informieren müssen.“

Ein Familienvater, der das Geschehen mit seinem Sohn auf den Schultern verfolgt, kann die Aufregung nicht verstehen. „Warum sollte ich Angst haben, auf den Spielplatz zu gehen?“, sagt er. „Es ist doch klar, dass die Menschen raus wollen. Ich würde ihnen gerne helfen.“

In Zukunft, so das Fazit der Teilnehmer, müssen die Bürger rund um die Bayernkaserne besser eingebunden werden. BA-Vize Patric Wolf ist seit gestern in den Wohnanlagen unterwegs und verteilt Flyer, die über die Situation der Flüchtlinge aufklären und Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement aufzeigen. „Wir möchten baldmöglichst einen Rundgang durch die Bayernkaserne organisieren“, sagt er. Anmeldungen habe er schon.

Laura Worsch

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