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Franziska S. (84) gestern am Gericht: Der Schreck sitzt ihr immer noch ein bisserl in den Knochen, deswegen möchte sie nicht völlig ungeblendet in der Zeitung gezeigt werden. Aber dass die Täter sich nun verantworten müssen, macht sie zufrieden, wie ihr Lächeln zeigt.

Betrugsopfer als Zeugin vor Gericht

So trickste diese Seniorin falsche Polizisten aus

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Franziska S. (84, Name geändert) ist nicht nur sehr nett, sondern auch sehr clever: Als Betrüger sie anrufen und falsche Polizisten ihre Wertsachen abholen wollen, reagiert sie genau richtig und holt sich Hilfe.

München - Gerichtsflure können mitunter trostlose Orte sein. Umso mehr fallen Menschen wie Franziska S. (84) auf: Die Seniorin ist unentwegt fröhlich, sie erzählt wie ein Springbrunnen, hüpft auf und ab. Dabei war die Schwabingerin gestern als Opfer in einem Betrugsprozess geladen: Trickbetrüger hatten im vergangenen Juli versucht, an ihr Geld und ihren Schmuck zu kommen. Doch Franziska S. war schlauer – und brachte nun vier Männer vor Gericht.

Die fiese Masche der Betrüger

Im Juli 2017 erhält die Schwabinger Seniorin einen seltsamen Anruf. „Eine Frau war dran, die sich als Polizistin ausgab. Sie sagte, ich solle mal aus dem Fenster schauen. Da seien vier Betrüger unterwegs, einen hätten sie festgenommen.“ Angeblich, so teilt es ihr die Anruferin mit, handelt es sich um einen Mitarbeiter von Franziska S.’ Bank. „Zur Sicherheit sollte ich schnell mein Geld aus dem Schließfach holen und zu Hause in meinen Tresor stecken, sonst wäre es nicht mehr sicher.“ Doch das sind nur dreiste Lügen. Denn tatsächlich ist eine Trickbetrügerin am Telefon.

Ihre Masche: Sie macht Senioren Angst und gewinnt ihr Vertrauen. Damit die Rentner im guten Glauben ihre Wertsachen herausgeben. „Die Frau sagte, ich solle mein Geld und meinen Schmuck in einen Beutel packen. Ein Kollege hole es dann ab. Aber ich solle mich nicht wundern: Er kommt in Zivil.“ Doch da wird Franziska S. stutzig. „Ich sagte erst zu, aber schlief dann schlecht. Am nächsten Morgen klingelte ich bei meinem Nachbarn, einem Anwalt, und bat ihn um Hilfe.“

Das ist genau der richtige Weg. Denn der Jurist erkennt den Betrugsfall. Gemeinsam wählen beide den Notruf, anschließend setzt das Polizeipräsidium München sofort vier Beamte auf den Fall an. Sie warten mit Franziska S. in ihrer Wohnung, bis die Betrüger sich wieder melden: „Das ging recht schnell“, erzählt die Seniorin. „Die Anruferin verlangte, dass ich ihr die Nummer meiner Geldscheine durchgebe. Danach klingelte es schon an meiner Tür.“

Nichtsahnend stapft Edison O. (21) die Treppen hoch und will das Geld der Seniorin abholen, als die Beamten den Kurier sofort festnehmen. Seine drei Komplizen schnappt die Polizei in der Nähe des Hauses. Kurz darauf meldet sich die Anruferin erneut. „Was ist denn bei Ihnen los?“, will sie wissen. „Ich sagte: Die Polizei steht neben mir. Aber die richtige. Da legte sie schnell auf.“

Eine halbe Stunde lang sagte Franziska S. gestern am Landgericht über den Betrugsfall aus. „Ich bin erleichtert, dass alles vorbei ist. Zum Glück ist mir nichts passiert.“ Den Hauptangeklagten erkannte sie sofort wieder. „Der Mann tut mir leid, er ist ja noch so jung.“ Und er hatte Schulden: Deswegen, sagte Edison O. aus, ließ er sich zur Tat überreden. „Es tut mir wirklich leid“, beteuert er. „Ich wusste nicht, was ich da abholen sollte.“ Mit drei Komplizen ist O. nun wegen Bandenbetrugs angeklagt. Wer die Hintermänner sind, ist noch unklar. Laut Gericht sitzen sie womöglich in der Türkei.

2500 Euro sollte Edison O. (re.) bekommen. Sein Komplize daneben saß laut Verteidiger Tom Heindl „unwissend im Auto“. Auch die beiden anderen gehören zur Bande.

Das droht dem Betrüger und seinen Komplizen

2500 Euro wurden Edison O. von ihnen versprochen. Auch die Komplizen sollten entlohnt werden. Nun droht ihnen eine Gefängnisstrafe.

„Die haben sich ihr Leben ruiniert“, sagt Franziska S. Rund 35 000 Euro hatte sie zu Hause. „Aber ganz blöd bin ich ja nun auch nicht.“ Nach dem Vorfall vermittelte ihr die Polizei sofort einen Psychologen. „Aber für den hatte ich keine Zeit. Ich war nämlich noch zum Kaffee verabredet.“

Falsche Polizisten treiben in München ihr Unwesen. Eine Seniorin auf die miese Masche eines Betrügers rein und wurde so um eine ganze Stange Geld erleichtert.

Die Polizei rät zu besonderer Vorsicht und gibt Tipps, wie man sich vor den Betrügern schützen kann.

Andreas Thieme

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