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So soll die Tram durch den Englischen Garten einmal aussehen, in rund zehn Jahren könnte sie fahren.

Seehofer überstimmt Söder

Englischer Garten: Stadt darf Tram bauen - jetzt droht Streit

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Der Weg ist frei für die Tram durch den Englischen Garten. Horst Seehofer überstimmte Markus Söder, der Freistaat wird das Projekt nicht mehr blockieren.

München - Überraschende Wende im Streit um eine Tram durch den Englischen Garten: Der Freistaat wird das Projekt nicht mehr blockieren. Dies erklärte OB Reiter (SPD) am Freitag. Er habe eine Zusage von Ministerpräsident Seehofer (CSU). Pikant: Finanzminister Söder ließ die Stadt stets abblitzen, die Rathaus-CSU und Bezirkschef Spaenle teilen diese Skepsis.

Eigentlich ging es am Donnerstag bei dem Treffen von Horst Seehofer mit den Oberbürgermeistern der sechs größten bayerischen Städte um mögliche Fahrverbote und darum, mit welchen Maßnahmen diese vermieden werden können. Doch am Rande der Zusammenkunft sprachen OB Dieter Reiter und Horst Seehofer auch über die Tram durch den Englischen Garten. Rainer Riedl, Sprecher der Staatskanzlei, bestätigte unserer Zeitung: „Horst Seehofer hat seine Sympathie für das Projekt ausgedrückt.“ Die Planungshoheit liege bei der Stadt.

Das ist neu, und es ist vor allem ein Affront gegenüber Finanzminister Markus Söder. Der hatte die Garten-Tram immer abgelehnt und zuletzt auch einen Brief Reiters in dieser Angelegenheit unbeantwortet gelassen. Noch vergangene Woche hatte Söder süffisant erklärt: „Warum ruft er mich nicht einfach an? Ich rede immer gerne mit dem Münchner OB.“ Ob die überraschende Wende mit dem für den Englischen Garten zuständigen Finanzministerium abgestimmt wurde, blieb am Freitag offen. Söders Pressestab wollte sich nicht äußern. Zuletzt hatte der Finanzminister vorgeschlagen, die durch den Englischen Garten verlaufende Busspur zu verschmälern – zugunsten von mehr Grün. SPD und Grüne bezeichneten diesen Vorschlag als Luftnummer. Sinnvoller wäre es, die Busse durch eine Tramlinie zu ersetzen.

Reiter: „Eine sehr gute Nachricht für die Münchner“

Klingelingeling, hier kommt der Trambahn-Mann! OB Dieter Reiter freut sich über die Entscheidung des Ministerpräsidenten.

Nun spricht der OB von einem „Durchbruch im jahrelangen Ringen um dieses wichtige Projekt“ und einer „sehr guten Nachricht für die Münchner“. Er freue sich, dass sich der Ministerpräsident der Sache angenommen habe. Reiter: „Die ablehnende Haltung des Finanzministeriums gegen eine batteriebetriebene und umweltfreundliche Tram konnte ich nie nachvollziehen.“

OB, Stadtrats-SPD, Grüne und der MVG wollen die Planungen nun forcieren. Reiter beauftragte die Verwaltung noch am Freitag, möglichst schnell eine Beschlussvorlage für den Stadtrat zu erarbeiten.

Nun droht in zweierlei Hinsicht Krach: Koalitionsintern zwischen SPD und CSU, und innerhalb der CSU, weil die Rathaus-CSU in dieser Frage auf Söders Linie und nicht auf Seehofer-Kurs liegt. Fraktionschef Manuel Pretzl ließ ausrichten: „Wir lehnen die Garten-Tram ab. Wir heilen derzeit mit dem Tunnel am Mittleren Ring eine Wunde im Englischen Garten – und würden mit der Tram an anderer Stelle eine Wunde aufreißen.“ Ähnlich äußerte sich CSU-Bezirkschef und Kultusminister Ludwig Spaenle, der eine Durchschneidung des Englischen Gartens mit Tram-Gleisen ebenfalls ablehnt. Bürgermeister Josef Schmid (CSU) sagte: „Eine Tram widerspricht dem Vorhaben, die bedeutendste Grünfläche Münchens endlich wieder ganz zu vereinen.“

Rathaus-CSU ist Söders Meinung, nicht Seehofers

Ministerpräsident Horst Seehofer (l.) hat sich für die Tram durch den E-Garten ausgesprochen, Parteifreund und ­Finanzminister Markus Söder war immer gegen das Projekt.

SPD-Fraktionschef Alexander Reissl erklärte hingegen: „Mit dem Abschnitt ist der Weg frei für die Tram-Nordtangente, die auf neun Kilometern von Neuhausen über Schwabing nach Bogenhausen verlaufen und sowohl die U-Bahnlinien als auch die Umsteige-Knotenpunkte in der Innenstadt entlasten soll.“ Auch im Zuge der Debatte um die Luftreinhaltung sei der Tram-Ausbau der richtige Weg.

Die Pläne für den Lückenschluss liegen bei der MVG schon lange in der Schublade, mussten dort aber aufgrund der ablehnenden Haltung des Freistaats schmoren. Bei der MVG war die Freude groß. Laut Sprecher Matthias Korte wurden schon am Freitag intern die Projektstrukturen festgelegt. „Wir wollen keine Zeit verlieren.“ Man wolle auch rasch mit dem Freistaat als Eigentümer des Englischen Gartens Kontakt aufnehmen. Korte bezeichnete die Garten-Tram als „attraktiven Lückenschluss“. Die Notwendigkeit sei unbestritten „in einer Stadt, die aus allen Nähten platzt“. Grobes Ziel der MVG sei, die Tram-Nordtangente in etwa zeitgleich mit der Westtangente zu eröffnen – also ungefähr 2025.

Die Stadtwerke hatten bereits 1998 bei der Regierung von Oberbayern die Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens für die Straßenbahnstrecke durch den Englischen Garten beantragt. Dieser Antrag wurde 2001 abgelehnt. Grund: Die Oberleitung würde das Gartendenkmal beeinträchtigen. Inzwischen ist diese Begründung hinfällig, da die Tram per Akkubetrieb fahren würde und somit keine Oberleitung erforderlich ist.

Klaus Vick

Das Münchner Tram-Netz: Früher, heute, künftig

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