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Links Englischer Garten, rechts Privatgrund: Auf dem Bild sieht man den Zaun der Parkverwaltung, gegenüber die Plexiglaswand des Anwohners. Die Surfer kommen nun über den schmalen Betongrad zur Dianabad-Schwelle.

Streit um Dianabad-Schwelle

Surfer-Zoff im Englischen Garten: Anwohner haben schlimme Befürchtung

Seit Jahren schwelt ein Streit zwischen Anwohnern der Dianabad-Schwelle an der Oettingenstraße und der dortigen Surfer-Szene. Nun eskaliert der Streit - aus rechtlichen Gründen.

München - Münchner Surfer haben an der Dianabad-Schwelle seit etwa 2012 eine Anfängerwelle für sich entdeckt. Einigen Anwohnern ist das schon länger unangenehm. Nun nahm einer der anliegenden Eigentümer bei der vergangenen Sitzung des zuständigen Bezirksausschusses (BA) Altstadt-Lehel teil. Er klagte sein Leid und seine Bedenken - vor allem rechtlicher Natur.

„Man hat das Gefühl, dass dort 24 Stunden Surfer auf der Welle reiten“, sagte der Mann, „auch nachts. Da haben sie Scheinwerfer dabei und beleuchten das Wasser, um überhaupt irgendetwas sehen zu können.“ Der Lärm sei mittlerweile so extrem, dass man kaum einmal abends in Ruhe ein Glas Bier auf dem Balkon trinken könne. Doch viel wichtiger: „Ich spreche hier im Namen von etwa 70 Anwohnern. Wir haben uns rechtlich beraten lassen. Offenbar wären wir Eigentümer haftungspflichtig, wenn einem Surfer dort etwas passieren sollte!“, sagte der Mann verzweifelt.

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Surfer weichen der Umzäunung aus

Die Situation vor Ort ist unübersichtlich. Fest steht: Die Verwaltung des Englischen Gartens hat Zäune aufgestellt, um die Surfer daran zu hindern, auf dieser Welle zu reiten. Daraufhin haben sich die Surfer offenbar angewöhnt, auf die andere Seite des Ufers zu schwimmen, um von dort mit ihrem Surfbrett auf die Welle zu springen. Dort liegt Privatgrund. Weil die Anwohner befürchten, daher grundsätzlich haftungspflichtig zu sein, haben sie einen Zaun bauen lassen, offenbar aus Plexiglas. Aber auch das hindert die Surfer aktuell nicht daran, an diesem Zaun entlang auf einen etwa 40 Zentimeter schmalen Streifen zu klettern: Die Seitenwand des Eisbachs. Und ab dieser Seitenwand scheiden sich die Geister.

Für den Anwohner, der zu Gast im BA gewesen ist, steht außer Zweifel: Das ist Teil seines Grundstücks, weswegen er eben rechtliche Konsequenzen befürchtet. Für die Surfer ist klar: Diese Seitenwand ist Teil des Englischen Gartens. „Nach unseren Informationen wäre der Anwohner keinesfalls haftungspflichtig“, sagt Wolfrik Fischer, Vorstand der Interessengemeinschaft Surfen in München e.V. (IGSM). Außerdem sieht er kaum eine Gefahr in der Eisbach-Welle an der Dianabad-Schwelle. Im Gegenteil: „In den vergangenen sechs Jahren haben dort Surfer etwa 20 ertrinkende Menschen gerettet - und zwar mit ihrem Surfbrett. Das ist also auch ein Rettungsgerät!“

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Lockt die Massen an: Die Surfer auf der Eisbachwelle können sich ihrer Zuschauer sicher sein.

„Surfer gröhlen nicht“

Die Klage über den Lärmpegel kann Fischer nicht ganz nachvollziehen. „Der ganze Englische Garten ist eine Art Feiermeile. Vielleicht verwechseln die Anwohner den allgemeinen Lärm mit plärrenden Surfern. Surfer gröhlen aber nicht, sie müssen sich auf das Surfen konzentrieren“, sagt Fischer. Auch habe er noch nie erlebt, dass dort 24 Stunden gesurft, geschweige denn die Nacht hindurch das Wasser bestrahlt werde. Fischer sagt: „Dass der Grundstückseigentümer im Namen von 70 Anwohnern spricht, kann ich mir kaum vorstellen. Wir sind ebenfalls in regelmäßigem Kontakt mit einigen Anwohnern. Die meisten unterstützen unseren Sport.“

Dennoch möchte die IGSM auch mit unzufriedenen Anwohnern den Dialog suchen. Das ist auch das Ziel des Bezirksausschusses. Er beschloss, die Verwaltung des Englischen Gartens aufzufordern, baldmöglichst einen runden Tisch mit allen Beteiligten zu organisieren. Dort sollen alle Streitigkeiten besprochen und - wenn möglich - geklärt werden.

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Hüseyin Ince

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