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Eine 180 Quadratmeter große Luxuswohnung soll auf die Krumbacherstraße 6 und 6a aufgesattelt werden.

Mieter befürchten große Nachteile

Angst vor „Lärm und Dreck“: Luxus-Schock an der Krumbacherstraße

Die Wohnungsbaugesellschaft GBW will ihr Anwesen an der Krumbacherstraße 6 und 6a in Schwabing umfassend modernisieren – und das Dachgeschoss zu einer Wohnung von üppigen 180 Quadratmetern ausbauen. Die Mieter sind in Sorge. 

Die 17 Bestandswohnungen sollen laut Bauantrag eine neue Außenwanddämmung erhalten, es sollen Balkone angebaut und der Garagenkomplex erweitert werden. Wegen der geplanten Dachgeschoss-Wohnung mit einer Nutzfläche von exakt 176,86 Quadratmetern soll nach Informationen des Bezirksausschusses (BA) Schwabing-West ein Außenaufzug angebaut werden. Das Gremium ist sich einig: Die Wohnungsnot in München wird diese Riesenwohnung nicht lindern. Sie haben den Bauantrag einstimmig abgelehnt.

Dass die Mieter überhaupt erst durch den BA von den Bauplänen erfuhren und nicht vom Vermieter, empfinden diese als inakzeptabel. „Ich muss gerade noch meine Gedanken sortieren“, sagte eine junge Mieterin in der jüngsten BA-Sitzung. Sie hatte erst wenige Stunden zuvor davon erfahren, als sie einen Einwurf des Bezirksausschusses in ihrem Briefkasten fand. Vier Mieter des Hauses waren der BA-Einladung gefolgt und äußerten ihre Sorge über die geplanten Umbauten.

Den Mietparteien in dem Haus stünde einiges bevor

„Ein Schnäppchen wird die Dachwohnung sicher nicht werden“, sagt Albrecht Schmidt (SPD). „Und der Witz ist, dass sie, falls sie denn vermietet wird, auch noch in den Mietspiegel einfließt.“ Der 72-Jährige hat jahrelange Erfahrung im städtischen Mieterbeirat und empfiehlt den Betroffenen, eine Mietergemeinschaft zu bilden. Die Hausgemeinschaft will sich nun ausgiebig beratschlagen. Denn den aktuell 14 Mietparteien in dem Haus an der kleinen, ruhigen Krumbacherstraße stünde in ihren Wohnungen einiges bevor. Für die Ausbauten unter dem Dach des vierstöckigen Gebäudes wird Schmidt zufolge eine Versorgungs-Steigleitung gebraucht. Dafür müssten die Wände zwischen den bestehenden Küchen und Bädern versetzt werden – die Küchen würden kleiner. Die Mieter in der BA-Sitzung waren schockiert.

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Die GBW spricht auf Nachfrage lieber von „Grundrissveränderungen“ beziehungsweise „-optimierungen“. Und: „Sollte sich bei den Planungen ergeben, dass die Mieter während einzelner Maßnahmen in andere Wohnungen ausweichen müssen, stellen wir allen Mietern Ausweichwohnungen im Haus zur Verfügung“, schrieb die GBW. In dem Anwesen stehen ihr zufolge zur Zeit drei Wohnungen leer.

Im Herbst 2019 möchte das Wohnungsbauunternehmen mit den Umbauten beginnen. „Nur Lärm und Dreck“ werde dies für die jetzigen Mieter bedeuten, ist sich SPD-Mann Albrecht Schmidt sicher. Und Mieterhöhungen – für die nicht gewollte Luxus-Sanierung. Da man sich „noch in der Planungsphase“ befinde, wollte sich die GBW aktuell zur möglichen Mietentwicklung an der Krumbacherstraße 6 und 6a noch nicht äußern.

Franziska Schwarz

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