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Noch stehen auf dem Areal an der Schleißheimer Straße 278 die Gebäude des ehemaligen Klosters.

„Das mindert dann die Lebensqualität“

Anwohner gegen Investor: Dieses alte Kloster soll einem neuen 60-Meter-Wohnturm weichen

Der Abriss des ehemaligen Karmelitenklosters an der Schleißheimer Straße in Schwabing verzögert sich weiter. Auf dem Areal soll ein 60 Meter hoher Wohnturm entstehen. Das Vorhaben aber steht und fällt mit der Zustimmung von 77 Wohnungseigentümern auf dem Grundstück.

Die Klostermauern an der Schleißheimer Straße 278 haben schon vieles erlebt. Bereits 1921 wurde das Kloster erbaut, doch inzwischen leben dort schon lange keine Nonnen mehr. Die Schwestern vom Orden der Karmelitinnen gaben das Kloster 2013 auf. Der Gebäudekomplex soll abgerissen werden, denn die Schweizer Investmentfirma SSN Group plant dort ein Wohnquartier, den sogenannten „Covent Garden Munich“.

Die Bruttogeschossfläche soll knapp 30.000 Quadratmeter betragen, bis zu 300 Wohnungen sollen für 196 Millionen Euro entstehen. Ursprünglich sollte schon in diesem Jahr gebaut werden, nun ist der Baubeginn für 2019 anvisiert. Derzeit ist jedoch nicht einmal sicher, ob dieser Termin zu halten ist, da das Grundstück auch den 77 Wohnungsbesitzern an der Schleißheimer Straße 280 und 280a gehört. „Es gibt eine Bebauungsbeschränkung zugunsten der Stadt München“, sagt Silvia Mittermaier, die in der Schleißheimer Straße 280a lebt. Das fünfstöckige Haus befindet sich zwischen den Klostermauern und dem ehemaligen Nonnenfriedhof. Nur eine Realteilung in zwei getrennte Grundstücke könnte die Bebauungsbeschränkung aufheben.

Alle 77 Eigentümer müssen dem Turmbau zustimmen

Der Stadtrat hatte den Abriss des Klosters 2007 unter der Voraussetzung abgesegnet, dass die neuen Wohnungen gemäß den Regeln für die sozialgerechte Bodennutzung (Sobon) gebaut werden. Investoren müssen damit als Ausgleich für ihre Profite einen sozialen Beitrag leisten, beispielsweise für neue Straßen, Schulen oder Kitas. „Bei der sozialgerechten Bodennutzung ist die Mitwirkungsbereitschaft der betroffenen Eigentümer wichtig“, sagt Ingo Trömer, der Sprecher des städtischen Planungsreferats. „Erst dann kann ein Bebauungsplan aufgestellt werden.“

In diesem Fall müssten alle 77 Eigentümer notariell zustimmen, wären damit aber auch gezwungen, sich an den Kosten für den sozialen Ausgleich zu beteiligen. In der derzeitigen Form lehnt auch Silvia Mittermaier die Baupläne ab: „Viele Eigentümer haben sich hier vor Jahren eine Wohnung wegen der Lage und der grünen Umgebung gekauft. Wenn dort jetzt direkt vor dem Fenster ein riesiger Wohnturm entsteht, dann mindert das die Lebensqualität.“

„Eine sinnvolle Bebauung lehnen die meisten nicht ab, aber ...“

Laut der Sprecherin der SSN Group, Edith Müller, ist tatsächlich ein rund 60 Meter hoher Wohnturm im Norden des Grundstücks geplant. Die weiteren Häuser sollen von der Höhe her an die bereits bestehenden Gebäude in der Nachbarschaft angepasst werden. Silvia Mittermaier betont, dass sie und die Miteigentümer nicht generell gegen den Abriss des Klosters und gegen neue Wohnungen in der Nachbarschaft sind. „Eine sinnvolle Bebauung lehnen die meisten nicht ab. Wir hatten jedoch mit einer Bebauung in der derzeitigen Bestandsgröße gerechnet.“

So soll das Wohnquartier „Covent Garden Munich“ inklusive Wohnturm einmal aussehen.

Wichtig sei den Eigentümern vor allem, dass die grüne Ader in Richtung des Englischen Gartens erhalten bleibt und es auch weiterhin eine Kita gibt. Der Integrationskindergarten St. Joseph war nach dem Auszug der Nonnen in einem Teil des ehemaligen Klosters verblieben. Dann zog jedoch eine Privatschule in die Klostermauern und die Kita musste in Container ausweichen. Dieses Provisorium existiert bis heute.

Baubeginn 2019 unwahrscheinlich

Laut Edith Müller soll der Kindergarten mit dem Neubau auf die doppelte Größe aufgestockt werden. Die Eigentümer haben den Sachverhalt auch dem Bezirksausschuss (BA) Schwabing-West geschildert. Dieser will zunächst abwarten, bis ihm vonseiten des Investors konkrete Pläne für den Bau vorliegen.

Zudem hatte das Stadtteilgremium vorgeschlagen, dass Mediatoren zwischen Eigentümern und dem Investor vermitteln könnten. „Mich ärgert vor allem, dass der Investor mit uns Anwohnern nicht auf Augenhöhe kommuniziert und auf unsere Anmerkungen zu den Plänen bislang nicht reagiert hat“, sagt Silvia Mittermaier. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass unter diesen Voraussetzungen bereits 2019 gebaut wird.“

Von Michael Hellstern

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