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Schüler-Registratur: Vor den Kammerspielen parkt am Montagabend der Bus des Zentrums für politische Schönheit, das Schüler zur politischen Diskussion bringen will.

Kammerspiele in der Kritik

Krach um Kunst-Aktion vor Sophie-Scholl-Gymnasium: Schüler manipuliert?

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Sie sind gekommen, um zu provozieren: Aktivisten und Schauspieler haben am Montag das Münchner Sophie-Scholl-Gymnasium mit einer Überraschungsaktion überfallen.

München - Ist das Kunst oder kann das weg? Aktivisten und Schauspieler haben am Dienstag das Sophie-Scholl-Gymnasium mit einer Überraschungsaktion überfallen. Beim Direktor kam das nicht gut an - und der Ärger reicht bis in die Ministerien. Krach um Kunst-Aktion! „Die Schule fühlt sich wirklich hintergangen“, sagt Direktor Bernhard Vonbrunn. „Auch von den Kammerspielen.“ Das Theater nämlich hatte der Schulleitung eine Aktion zur Erinnerungskultur angekündigt, die sich auch um die Widerstandskämpfer der Weißen Rose drehen sollte. Das zumindest stimmte auch. 

Das „Scholl-Jahr 2017“ heißt das Projekt. Kammerspiele-Chef Matthias Lilienthal hatte aber für die Aktion das „Zentrum für politische Schönheit“ eingeladen. Ein umstrittenes Künstlerkollektiv, das schon öfter bundesweit und international Aufmerksamkeit bekam für provokante Aktionen. Diesmal hat sich das ZPS die bayerischen Autoritäten vorgenommen. Genau genommen das „Bayerische Staatsministerium für Bildung, Kultur und Demokratie“. Das gibt es nicht. Doch es existiert eine Webseite, versehen mit dem offiziellen bayerischen Wappen, ganz in der Aufmachung der echten Ministerien. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) haben, so scheint es, die Aktion des ZPS initiiert und getragen. Ein großer Fake! Inklusive Porträts, ausgedachter Worte und Unterschriften der Minister - von denen die Herren nichts wussten.

Flyer sollen Satire sein

Sie prangen auf den Webseiten, auf Flyern und einem im Internet verfügbaren Schulbuch. Das Kultusministerium prüft nun rechtliche Schritte. „Wir verurteilen die Verbreitung von Fake News, über die Menschen manipuliert werden“, sagt eine Sprecherin zur tz. „Verteile dein Flugblatt in einer Diktatur!“, heißt die Aufforderung auf der Fake-Webseite. Die Kinder und Jugendlichen sollen Flugblätter entwerfen und in Diktaturen verteilen. In einem Wettbewerb können Bewerber eine Reise in eine Diktatur gewinnen; Syrien, Sudan oder Türkei. Das ist freilich Satire. 

„Aber Schüler können das nicht unbedingt erkennen“, sagt Vonbrunn. Auch im Stadtrat kommt die Aktion nicht gut an. „Ich finde das katastrophal“, sagt Richard Quaas, kulturpolitischer Sprecher der CSU. „Das ist kein verantwortungsvoller Umgang mit Jugendlichen und Kindern.“ Die könnten sich tatsächlich animiert fühlen, in einer Diktatur oder einem autokratischen Staat im Urlaub Flugblätter zu verteilen… Kammerspiele-Intendant Lilienthal dagegen verteidigt die Aktion: „Jugendliche haben heute eine sehr eigenständige Meinung. Für mich ist das Ganze eine Aktion zur Erinnerungskultur.“ Am Dienstag hatte die Aktion einen Stand vor dem Audimax der LMU - also dort, wo die Weiße Rose tatsächlich ihre Flugblätter in den Lichthof warf. „Ich bin gespannt, wie die Ministerien und die Stadt reagieren.“ 

S. Rohrmeier, S. Karowski

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