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An der Mandlstraße formiert sich Widerstand: Eltern gehen jetzt gegen Raser auf die Straße.

Bei der Polizei abgeblitzt

„Was muss passieren?“ - Anwohner in Mandlstraße schlagen Raser-Alarm

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Stoppt die Raser! Die Anwohner in der Mandlstraße fordern eine Reaktion auf die eiligen Autofahrer. Von der Polizei ist so schnell keine Hilfe zu erwarten.

Schwabing - Es waren Zentimeter, die zwischen dem Kotflügel des Autos und der neun Jahre alten Johanna lagen. Um ein Haar wäre es an der Mandlstraße in Altschwabing zur Katastrophe gekommen. Immer wieder rasen Autofahrer durch die enge Einbahnstraße, beklagen genervte Anwohner. Dazu kämen Radfahrer in beiden Richtungen. Und so mancher meine, er könne sich in falscher Richtung durchschleichen. Junge Familien mit kleinen Kindern versuchen seit Jahren, die Polizei zum Durchgreifen zu bewegen. Passiert sei aber nichts. Doch an der Mandlstraße formiert sich Gegenwehr. Auch Stadtrat Wolfgang Heubisch (72, FDP) will sich einsetzen. Jetzt mandelt sich eine ganze Straße auf!

Seit dem Beginn der Sommerferien ist die Angst um die Kinder wieder da. Und Corinna Bintz hat allen Grund dazu. Vor zwei Wochen hatte ein Autofahrer, der viel zu schnell unterwegs war, beinahe ihre geistig behinderte Tochter gerammt. „Ein Glück, dass ihr Betreuer sie gerade noch zu fassen bekam und zurück auf die Straße zog“, erzählt die Mutter.

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Mit Hilfsanliegen bei Polizei abgeblitzt

Die 46-Jährige beobachtet das rücksichtslose Verhalten der Verkehrsteilnehmer schon seit zwei Jahren, hat die Polizei mehrmals um Hilfe gebeten und ist mit ihrem Anliegen immer wieder abgeblitzt. „Es ist immer das Gleiche“, sagt Corinna Bintz resigniert. Bei der Polizeiinspektion an der Johann-Fichte-Straße bekomme sie stets zu hören, dass es für Kontrollen am Personal mangeln würde. Ein Blitzer könne zudem nur von der Stadt aufgestellt werden. Corinna Bintz ist verzweifelt und fragt sich: „Was muss passieren, damit hier endlich durchgegriffen wird?“

Die zweifache Mutter ist mit ihren Sorgen nicht alleine. Miriam Winkler kann nicht auf die Straße gehen, ohne ihre Tochter Josephina (7) auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Sie sagt: „Wir müssen die Kinder immer festhalten.“ Und auch Veronika Siebertz findet es für ihre drei Töchter (2, 4, 6) zu gefährlich. Die 35-Jährige wohnt mit ihrer Familie am Standesamt. Gleich davor schießen die Autos in einem ungeheuren Tempo in eine schlecht einsehbare Kurve und danach in die Mandlstraße, erzählt sie.

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Mandlstraße wird als zeitsparende Umfahrung genutzt

Jetzt will sich FDP-Stadtrat Wolfgang Heubisch (72) für die Anwohner einsetzen. Bei einem Treffen machte er sich ein Bild von der Lage. Er sagt: „Hier muss dringend etwas getan werden. Man muss die Sorgen der Eltern ernst nehmen.“ Heubisch will Kontakt mit dem Bezirksausschuss aufnehmen und die Idee einer Fahrradstraße, in der Autos nur im Schritttempo fahren dürfen, vorbringen. Das Problem sei, dass die Mandlstraße parallel zur viel befahrenen und oft verstopften Leopoldstraße liege. Viele ortskundige Autofahrer würden die Mandlstraße deshalb als zeitsparende Umfahrung nehmen. Heubisch fordert: „Diesen Durchgangsverkehr muss man beseitigen.“

Die Polizei will von der Problematik nichts gewusst haben. Auf eine tz-Anfrage heißt es aus dem Präsidium: „Bei der PI 13 liegen keine Erkenntnisse über die beschriebenen Verhältnisse in der Mandlstraße vor.“ Es gebe keine Beschwerden, auch im Bezirksausschuss seien Raser nie ein Thema gewesen. Und auch als Unfallschwerpunkt sei die Mandlstraße nicht bekannt. Zudem seien Geschwindigkeitskontrollen primär Aufgabe der Stadt. Diese Aussagen machen Corinna Bintz fassungslos: „Ich denke sehr wohl, dass die Polizei kontrollieren könnte - wenn sie nur wollte.“

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Johannes Heininger

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