Dem langjährigen Filialleiter Manfred Hofmann (oben) fällt der Abschied schwer – und auch vielen Stammkunden.

Nach 61 Jahren

Münchner Traditionsgeschäft schließt seine Ladentüren für immer

Das Münchner Traditionsgeschäft „Sport Lang“ muss schließen. Als einer der Gründe wird die Online-Konkurrenz genannt - und sogenannter „Beratungsklau“. 

München - „Total Räumungsverkauf“ und „Wir schließen!“ steht dieser Tage in großen Lettern über dem Traditionssportgeschäft Lang an der Herzogstraße 1. Drinnen ist einiges los, auch an diesem Nachmittag unter der Woche. Stammkunden möchten noch ein letztes Mal mit dem Lieblingsverkäufer quatschen und sich für die nächsten Saisons eindecken. Passanten, die zufällig vorbeikommen, ein Schnäppchen machen.

„Schrecklich ist das“, sagt eine ältere Stammkundin aufgewühlt. „Ich komme seit 20 Jahren hierher und kaufe hier alles: Von Bergschuhen bis Skiern. Ich weiß nicht, wo ich jetzt hin soll.“ So werde es bestimmt vielen Kunden gehen, ist sich Filialleiter Manfred Hofmann sicher: „Hier in der Ecke gibt es zum Beispiel nichts Vergleichbares mehr.“ Viele andere Sportgeschäfte haben bereits zugemacht, weitere werden 2018 schließen: „Allein in Süddeutschland an die 300 heißt es in Branchenkreisen“, sagt Hofmann. „Das muss man sich mal vorstellen!“

Bald 61 Jahre ist es her, dass die Familie Lang in München ihren ersten Sportladen in Schwabing eröffnet hat. Zuerst an der Siegfriedstraße, damals noch mit Schwerpunkt auf Wassersport. Später vergrößerte sich der Betrieb, bezog das heutige Geschäft an der Ecke Herzog-/Leopoldstraße.

Das Geschäft an der Ecke Herzog-/Leopoldstraße.

Als Hauptgrund für die Schließung nun nennt der langjährige Filialleiter den Online-Handel. Hofmann: „Die meisten Leute kaufen inzwischen alles direkt online ein. Besonders Dinge, die man nicht anprobieren muss, wie Taschen oder Stöcke.“ Viel schlimmer findet er aber den sogenannten Beratungsklau: „Neulich hatte ich einen jungen Mann hier. Dem habe ich zwei Stunden lang die perfekten Skischuhe rausgesucht und sogar angepasst. Am Ende ging er mit den Worten, dass die online ja 20 Euro günstiger wären.“

Doch neben dem veränderten Einkaufsverhalten schaden auch die hohen Erwartungen der Kunden dem kleinen Laden: „Viele Leute erwarten riesige Erlebniswelten mit Kletterwand, Laufband und 300 Parkplätzen. Das können wir natürlich nicht bieten“, erklärt Hofmann. „Bei uns gehen die Einnahmen deshalb schon seit Jahren runter. Wie bei allen kleinen Einzelhändlern.“ Darum fiel letztlich die Entscheidung, den Vertrag auslaufen zu lassen.

Bis zum letzten Tag wird Hofmann im Laden stehen

Bis Ende Januar hat der Sport Lang nun noch geöffnet. Das Wintergeschäft samt neuer Kollektion wollen sie noch mitnehmen. Und bis zum letzten Tag wird auch Manfred Hofmann im Laden stehen. Wie seit 2001. „Ich war nie krank. Keinen einzigen Tag.“

Der baldige Abschied fällt ihm sichtlich schwer. 17 Jahre war er hier nun Filialleiter. Für ihn geht mit dem Laden auch eine Epoche zu Ende. „Ich liebe diesen Job einfach. Habe ja quasi mein Hobby zum Beruf gemacht – wer kann das schon?“, sagt der heute 59-Jährige nachdenklich. „Mir wird das schon sehr abgehen. Besonders die Kunden, die sind mir sehr ans Herz gewachsen.“ Es sind sogar Freundschaften entstanden, erzählt Hofmann begeistert. Die bleiben natürlich. „Die nächsten Bergtouren und Skiausflüge sind schon geplant“, sagt Hofmann.

Mitarbeiter kommen in einer neuen Intersport-Filiale unter

Nach Schwabing wird er trotzdem nicht mehr so häufig kommen, obwohl er, wie er sagt, hier seine zweite Heimat gefunden hat. Der Rosenheimer wird nach Schließung für 20 Stunden pro Woche in einem Rosenheimer Sport- und Bike-Shop anfangen. Wie das wohl wird? „Das kann ich mir noch gar nicht vorstellen – eigentlich wäre ich hier gerne bis zur Rente geblieben.“ Aber auch für die anderen Mitarbeiter ist gesorgt: „Die kommen alle in einer neuen Intersport-Filiale in den Riem Arcaden unter“, sagt Hofmann.

Für die Schwabinger bleibt indes die spannende Frage, was nach der Sport-Lang-Zeit in den Laden an der Herzogstraße einzieht. „Das ist noch nicht ganz klar“, sagt der Vermieter Rudolf Fürmaier auf Anfrage unserer Zeitung. In der Nachbarschaft hört man, irgendwas mit Wellness, Nagelstudio und Sonnenbänken. So etwas hat auch Hofmann gehört. „Das schien ziemlich sicher.“ Und ist nicht im Internet zu kaufen.

Andrea Lindner

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