+
Der Olympiapark ist durch seine unverwechselbare Silhouette weltweit berühmt geworden.

Gutachten veröffentlicht

Olympiapark als Weltkulturerbe? Es gibt einige Risiken

  • schließen

Soll sich der Stadtrat dafür einsetzen, dass der Olympiapark zum Weltkulturerbe erklärt wird? Ein Gutachten des skizziert nun die Risiken, die mit dem Titel verbunden wären.

München - Chance oder Last? Das ist derzeit die zentrale Frage bei der Diskussion, ob die Stadt den Olympiapark für die Liste der Welterbestätten anmelden soll. Der ehemalige Olympiapark-Chef Arno Hartung hatte schon Ende vergangenen Jahres gewarnt: Es dürfe keinesfalls passieren, dass eine Art Käseglocke über den Olympiapark gestülpt werde und nur mehr eingeschränkt Veranstaltungen möglich seien. Ein Experten-Gutachten des Bundestages, das unserer Zeitung vorliegt, bestätigt nun diese Bedenken. Darin heißt es unter anderem: „Weitgehend unklar ist, wie sich eine Antragstellung auf die Gestaltungsmöglichkeiten auf dem Olympiagelände auswirken würde. Vergleichbare Fälle zeigen, dass bereits ein Antragsverfahren erhebliche Restriktionen für die künftige Gestaltung des Olympiaparks mit sich bringen könnte.“

Eine Passage, die für die Entscheidung der Stadträte eine Rolle spielen könnte. Denn bisher ist Konsens, dass der Olympiapark als Sportstätte, Veranstaltungsort und Erholungsgelände genutzt wird. Vor allem die Olympiapark München GmbH (OMG) hat kein Interesse, daran grundsätzlich etwas zu ändern. Mit Konzerten in der Olympiahalle oder dem Action-Sport-Festival Munich Mash und vielem mehr wird schließlich Geld verdient.

Alt-OB Vogel ist dafür, die CSU wägt noch ab

Im Vorjahr hatte sich der Verein „Aktion Welterbe Olympiapark“ gegründet. Ein prominenter Fürsprecher ist Alt-OB Hans-Jochen Vogel (SPD). Dies könnte den Ausschlag dafür geben, dass die Sozialdemokraten im Stadtrat der Idee aufgeschlossen gegenüberstehen. Eine endgültige Meinung gibt es aber noch nicht bei der SPD.

Die CSU wägt ebenfalls noch Vor- und Nachteile ab. Derzeit betrachte man die Angelegenheit „vorsichtig ablehnend“, lässt Fraktionssprecherin Birgit Unterhuber verlauten. Der stellvertretende OMG-Aufsichtsratsvorsitzende und planungspolitische Sprecher der CSU, Walter Zöller, ist strikt dagegen aufgrund der Unwägbarkeiten: „Der Olympiapark ist bereits jetzt ein Weltkulturerbe – egal ob mit oder ohne Titel.“ Die Grünen sind auch skeptisch.

Das Planungsreferat lotet derzeit Chancen und Risiken einer Antragstellung aus. Wann das Thema im Stadtrat behandelt wird, ist unklar. Zuständig ist der Wirtschaftsausschuss unter Einbeziehung der Stellungnahmen des Planungsreferats. Derzeit werde eine Beschlussempfehlung erarbeitet, sagt Wolfgang Nickl, Sprecher des Wirtschaftsreferats. Ein Termin für die Behandlung des Antrags – er stammt von der Ausschussgemeinschaft Linke/ÖDP – stehe noch nicht fest.

Gutachten: Das spricht gegen den Oly-Park als Weltkulturerbe

Aus dem Gutachten des Bundestages geht auch hervor, dass eine Bewerbung so einfach nicht ist. Dies betreffe die seit 1972 eingetretenen baulichen und landschaftlichen Veränderungen des Olympiaparks. So sei etwa das vormalige Olympische Dorf der Frauen mit Ausnahme von zwölf Bungalows vollständig durch Neubauten ersetzt. Außerdem wurde die Hochschulsportanlage großteils abgebrochen. Gleichzeitig seien mit der BMW-Welt, dem Sea Life, der kleinen Olympiahalle und anderen Gebäuden teilweise störende Neubauten in die Gesamtanlage eingefügt worden. Zwar werde im Eintrag der Denkmalliste darauf verwiesen, dass der Olympiapark nichts von seiner herausragenden Bedeutung verloren habe. Trotzdem könnten sich diese Veränderungen am Ensemble bei einer künftigen Bewerbung für die Aufnahme in die Welterbeliste der Unesco als Hürde erweisen.

Wie schwierig der Balance-Akt zwischen Bewahren und Erneuern sei, würden die Debatten über aktuelle Bauvorhaben zeigen, heißt es weiter. Bekanntlich plant Red Bull den Bau einer Multifunktionshalle. Außerdem ist die Umgestaltung des ehemaligen Busbahnhofs über dem U-Bahnhof Olympiazentrum ein Thema. Die zentrale Frage laut Gutachten: „Inwieweit wird es gelingen, die prägenden Qualitäten des Parks langfristig zu erhalten?“

Ein Wettbewerbsvorteil für München: Im Gegensatz zu vielen anderen olympischen Sportstätten sei der Münchner Olympiapark gut in das Stadtleben Münchens integriert. Darüber hinaus könnte der Aspekt des Gedenkens bei einem Bewerbungsverfahren eine Rolle spielen: Der Olympiapark ist untrennbar mit dem Attentat während der Olympischen Spiele 1972 verbunden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Tag 5 auf dem Oktoberfest: Eklig oder witzig? Das sind die Wiesn-Food-Trends
Tag 5. Wir befinden uns in der ersten Woche des Oktoberfests 2017. Unsere Wiesn-Reporter sind für unseren Live-Ticker auf der Theresienwiese. 
Tag 5 auf dem Oktoberfest: Eklig oder witzig? Das sind die Wiesn-Food-Trends
Von Fischwurst zum bayerischen Krafttrunk - witzige Wiesn-Schmankerl
Die Wiesn wird immer exotischer. Auch die Köstlichkeiten auf der Theresienwiese werden von Jahr zu Jahr ausgefallener. Wir stellen die witzigsten Schmankerl vor.
Von Fischwurst zum bayerischen Krafttrunk - witzige Wiesn-Schmankerl
Bauplan für Stadtsparkasse beschlossen: Das kritisieren die Politiker
Der neue Elisabethmarkt nimmt weiter Gestalt an. Der Planungsausschuss hat einen Bebauungsplan für das alte Umspannwerk der Stadtwerke beschlossen. Die Sanierung ist …
Bauplan für Stadtsparkasse beschlossen: Das kritisieren die Politiker
Mann suchte Kontakt zu Pädophilen - „Abartiges Material“ schockiert Ermittler
Weil er das dringende Bedürfnis nach Kontakt verspürte, ist Oliver R. in einem Pädophilenring gelandet. Nun stand der junge Mann vor Gericht - und schockierte selbst …
Mann suchte Kontakt zu Pädophilen - „Abartiges Material“ schockiert Ermittler

Kommentare