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In Schwabing-West ist es derzeit schwierig, eine Toilette zu finden.

Keine öffentliche Toilette in Schwabing-West

Der lange Weg zum stillen Örtchen

In Schwabing-West funktioniert derzeit keine einzige öffentliche Toilette. Wer „mal muss“, muss lange aushalten, die Ausweichmöglichkeiten liegen nämlich weit weg. 

München - Walter Klein liebt es, durch seinen Stadtteil zu spazieren. Der Vorsitzende des Bezirksausschusses (BA) Schwabing-West macht sich gern vor Ort ein Bild von den Gegebenheiten, über die die Mitglieder seines Gremiums entscheiden. Dabei erlebte er zuletzt etwas Kurioses.

Grund für seinen jüngsten Spaziergang war, dass die Stadt die öffentliche Toilette am Elisabethmarkt geschlossen hat. Das hatte sie vor drei Jahren schon vor, damals schaltete sich der BA erfolgreich ein. Diesmal hat die Stadt die Toilette der Berufsschule übergeben – die sie laut Klein gar nicht braucht. „Wir sind von erbosten Bürgern informiert worden“, sagte er bei der jüngsten Bürgerversammlung. Bis jetzt gab es nur Achselzucken bei den angesprochenen Beamten der Stadt. „Was machen die Menschen, wenn sie am Elisabethplatz auf die Toilette müssen?“, fragt sich Klein. „Ihnen bleibt oft nichts übrig, als die Toilette des Gisela-Gymnasiums zu benutzen, was dort einen erhöhten Putzaufwand auslöst.“

Für den BA-Vorsitzenden war das ein Anlass, sich den Zustand der anderen öffentlichen Toiletten im Stadtteil anzuschauen. Am Kurfürstenplatz angekommen, fand er ein Schild vor, dass die Toilette bis zum 29. Dezember modernisiert werde und man die Toilette an der Münchner Freiheit oder am Scheidplatz benutzen solle. „Ein interessierter Bürger wie ich freut sich natürlich über den Weg zum Scheidplatz“, sagt Klein. „Menschen mit einem Bedürfnis werden darüber eher fluchen.“ Es gehe auch um die Achtung vor Menschen, die sich – vielleicht aus Scham - nicht mehr weit weg von zu Hause trauten.

Doch es kam noch härter: An der Toilette am Scheidplatz stand ebenfalls, dass sie bis Ende Dezember renoviert werde. Man solle auf die Toiletten am Josephsplatz oder in Milbertshofen ausweichen. Für Menschen, die tatsächlich auf die Toilette müssen, könnte es bis dahin schon zu spät sein. „Das bedeutet, dass derzeit in unserem Stadtviertel mit 70 000 Bewohnern keine städtische Toilette zur Verfügung steht“, schimpft Klein.

Der Stadtrat hatte 2015 beschlossen, 23 öffentliche Toiletten zu schließen. Es bleiben noch 51 übrig – wenn sie nicht gerade modernisiert werden. Dem BA-Vorsitzenden zufolge prüft das Kommunalreferat, ob es in die ehemalige Suppenküche am Elisabethmarkt eine Toilette einbauen kann. „Wenn, dann dürfte dies eine recht kurzfristige Lösung sein“, sagt Klein. Sobald der Elisabethmarkt umgebaut werde, würden diese Gebäude als erste abgerissen. 

Ssören Götz

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