Verwirrung nach Explosion im New Yorker Stadtteil Manhattan

Verwirrung nach Explosion im New Yorker Stadtteil Manhattan

Zwei Jahre danach

In Schwabing erinnert nichts mehr an die Bombe 

München - Vor zwei Jahren riss die Sprengung einer alten Fliegerbombe die Feilitzschstraße aus dem Alltag. Erst jetzt herrscht dort wieder etwas, was die Bewohner wegen „Schwabinger 7“-Abriss, Bombe und Baustelle lange nicht erlebt haben: Normalität.

Feilitzschstraße 7 bis 9 gestern: Die ersten Wohnungen sind schon bezogen.

Ohne die Bombe und die „Schwabinger 7“ würde wohl kaum jemand das neue Gebäude in der Feilitzschstraße beachten. Es könnte problemlos auf jedem anderen Grundstück in Deutschland stehen. Eine graue Fassade und rechteckige Fenster – mehr nicht. Der Neubau mit dem Namen „Monaco Schwabing“ schließt die Lücke, die die abgerissene Kult-Kneipe „Schwabinger 7“ in der Häuserreihe hinterlassen hat. 34 Wohnungen und eine 500 Quadratmeter große Ladenfläche sind entstanden. Seit Juni ist das Gebäude fertig und die ersten Bewohner sind bereits eingezogen.

Feilitzschstraße 7 bis 9 am 29. August 2012 – dem Tag nach der Bombensprengung.

Wo heute Ruhe eingekehrt ist, herrschte vor zwei Jahren helle Aufregung. Arbeiter fanden am 27. August 2012 die 250 Kilogramm schwere Bombe auf dem Baugrund. Bewohner im Umkreis von 300 Metern mussten ihre Wohnungen verlassen, innerhalb von einem Kilometer durfte sich niemand im Freien aufhalten. Einen Tag später wurde die Bombe gesprengt. Ein ohrenbetäubender Knall hallte durch die Stadt und ein Feuerball stieg über die Hausdächer. Was folgte, waren Bilder der Verwüstung. Die Druckwelle zersprengte Scheiben und riss die Fensterrahmen aus ihrer Verankerung. Die Einrichtung mehrerer Wohnungen und Geschäfte wurde zerstört, Splitter bohrten sich in Wände. Brennendes Stroh, das die Sprengmeister als Dämm-Material verwendeten, flog umher. Ein Modeladen brannte vollständig aus.

Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Eine  ältere Dame mit einem kleinen, weißen Hund zieht es in den Innenhof der neuen Immobilie. „Das sieht ja langweilig aus, total nullachtfünfzehn“, sagt sie.

Feuerball über München: Bombe in Schwabing gesprengt

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Ein vorbeigehendes Ehepaar hat kein Verständnis für all den Wirbel, der damals um den Abriss der „Schwabinger 7“ gemacht wurde: „Kneipenschließungen und der Neubau gehobener Immobilien sind doch ein deutschlandweiter Trend. Immerhin stand hier vorher kein Wohnhaus, aus dem die Mieter vertrieben wurden“, sagt das Ehepaar.

Während die Passanten weiterlaufen, blicken die Geschäftsleute den ganzen Tag auf das neue Haus. Dessen Fertigstellung ist der Abschluss einer harten Zeit für die Einzelhändler. Damla Sahin vom Friseursalon Dilek erzählt: „Wir konnten schon drei Wochen nach der Sprengung wieder öffnen, allerdings hatten wir neun Monate lang Bleche in unserem Fenstern.“ Als die neuen Scheiben kamen, sanierten sie den kompletten Salon für zweieinhalb Monate. „Wir hatten Glück, dass die Versicherungen und der Hauseigentümer die meisten Schäden übernommen haben“, sagt Sahin. Sie musste keinen ihrer Mitarbeiter wegen der schwierigen Situation entlassen.

Die beiden am stärksten betroffenen Versicherungen haben in den vergangenen zwei Jahren einen Großteil der Schadensfälle abgeschlossen. Die Allianz-Versicherung beziffert die bisher beglichenen Beträge auf 2,5 Millionen Euro, die Versicherungskammer Bayern zahlte rund 2,3 Millionen Euro. Nach der Sprengung richtete das Sozialreferat der Stadt einen Hilfsfonds für Härtefälle ein. Laut Pressesprecher Frank Boos sind von den 33 erstattungsfähigen Anträgen bisher 28 abgeschlossen. Insgesamt zahlte die Stadt eine Summe von rund 55 000 Euro aus. Den größten Anteil erhielten Geschäftsleute mit etwa 28 000 Euro.

Die Modeboutique „Flip“ kam ohne eine finanzielle Hilfe der Stadt aus. „Seit 25 Jahren besitze ich meinen Laden und die letzten zwei musste ich dafür kämpfen wie eine Löwin“, sagt die Inhaberin Gabriele Bohlen. Kaum waren ihr Geschäft und die Hausfassade saniert, sorgten die Bauarbeiten am gegenüber liegenden „Monaco Schwabing“ für Lärm, Dreck und vorübergehende Straßensperrungen. Eine wirtschaftliche Belastung, denn ein Teil der Kunden sei ihrem Laden deshalb fern geblieben, sagt Bohlen. Dem italienischen Restaurant „La Riva“ ging es ähnlich: „Wer will denn schon auf einer Baustelle essen?“, sagt Betriebsleiter Andreas Salger. Er schätzt die Verdienstausfälle im vergangenen Jahr auf 30 Prozent.

Seitdem das Haus fertiggestellt ist, kann Salger wieder aufatmen: „Das neue Gebäude wertet das Viertel auf und wir haben sogar schon einen Stammkunden aus dem ,Monaco Schwabing’ gewinnen können“, sagt er. Auch „Flip“-Inhaberin Gabriele Bohlen freut sich: „Seit dem Ende der Bauarbeiten sind unsere Kundenzahlen wieder gestiegen.“ Ganz verschont vor Baustellen bleiben die Menschen in der Feilitzschstraße allerdings nicht: Der Stadtrat beschloss die Erneuerung der Fahrbahn und des Gehweges. Die Arbeiten beginnen laut Baureferat Mitte September und sollen 16 Monate dauern.

Und die Bewohner des Hauses selbst? Die können die Aufregung um ihr neues Zuhause nicht verstehen. Ein Bewohner sagt, auch ohne die „Schwabinger 7“ gebe es im Stadtteil ein breites Angebot an Bars und Kneipen. Er resümiert: „Wir fühlen uns sauwohl hier.“ Ablehnung oder Neid sei ihm auf der Straße noch nie entgegnet worden.

Eine kleine Hommage an die Vergangenheit haben die Architekten im „Monaco Schwabing“ übrigens angebracht: Auf dem Weg ins Innere leuchten große schwarz-weiße Aufnahmen. Ein Bild zeigt die „Schwabinger 7“.

Von Julian Freitag und Johannes Lohmaier

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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