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Heilfrohe Hebammen: Das Geburtshaus zieht von Neuhausen in ein Gebäude an der Fäustlestraße (Westend) um.

„Rettung in letzter Sekunde“

Geburtshaus München findet doch noch neuen Standort

München - nach langer Suche hat das Münchner Geburtshaus hat im Westend eine neue Immobilie gefunden – paradoxerweise in einer ehemaligen Abtreibungsklinik.

Lange Zeit hing die Zukunft des einzigen Münchner Geburtshauses am seidenen Faden. Der Mietvertrag des Standorts an der Nymphenburger Straße 147 wurde nicht verlängert. Als die Hebammen schon fast aufgeben wollten, bekamen sie einen Tipp, dass eine Immobilie im Westend frei wäre. Am 1. Juli oder spätestens 1. August sollen die neuen Räume nun bezogen werden.

Seit Freitag wird umgebaut in der Fäustlestraße 5. Dort praktizierte zuvor der Abtreibungsarzt Friedrich Stapf. Die paradoxe Vorgeschichte des Gebäudes stellt für die Beteiligten jedoch kein Problem dar: „Das ist kein Thema für uns“, sagt Christine Zinsler, Vorsitzende des Vereins zur Förderung der selbstbestimmten Geburt, dem Träger des Geburtshauses. „Wir sind keine Abtreibungsgegner. Gerade in einer Stadt wie München sollte Platz für die Wahlfreiheit der Frauen sein.“ Dieselbe Ansicht vertritt die Geschäftsführerin des Geburtshauses, Susanne Braun: „Den Weg einer Abtreibung zu gehen, ist für jede Frau schwer. Da ist es wichtig, dass es mit erfahrenen Ärzten wie Herrn Stapf gute medizinische Möglichkeiten gibt.“

Die Hebammen sind heilfroh, endlich eine geeignete Immobilie für ihr Geburtshaus gefunden zu haben. Der seit 1994 laufende Mietvertrag war bereits 2014 ausgelaufen. Seitdem habe sich der Vermieter jedoch sehr kulant gezeigt und stets neuen Aufschub gewährt, sagt Braun. Dennoch: „Wenn wir bis Juli diesen Jahres nichts gefunden hätten, hätten wir schließen müssen.“ Die Suche hat sich laut Braun aufgrund der hohen Preise, der kleinen Gewinnmarge der Hebammen und der strengen Auflagen als sehr schwierig erwiesen. Zwischenzeitliche Optionen wie im Stemmerhof in Sendling oder im Schwabinger Klinikum klappten nicht. Ein Wäschelieferant gab den Hebammen im Dezember schließlich den Tipp, dass die Praxisräume im Westend frei werden würden. „Das war Rettung in letzter Sekunde“, erklärt Susanne Braun.

In dem Gebäude kann das Geburtshaus sogar wachsen. Die Fläche verdoppelt sich auf 340 Quadratmeter. Das Beratungs- und Kursangebot soll erweitert werden. Auch die Kapazitäten für Geburten können steigen. Aktuell kommen 220 Babys im Geburtshaus auf die Welt. Diese Zahl könnte bald auf 250 anwachsen. Klingt nach gar nicht so viel. Doch das Geburtshaus verfolgt eine eigene Philosophie: „Wir bieten eine Eins-zu-Eins-Betreuung an. Während der Geburt ist bei uns jede Hebamme nur für genau eine schwangere Frau zuständig, die sie auch schon länger kennt. Im Krankenhaus ist das anders“, sagt Braun.

Um die Geburtenzahl zu steigern, soll das aktuell neunköpfige Hebammen-Team auf bis zu 14 Geburtshelferinnen vergrößert werden. Laut Braun ist es allerdings gar nicht so leicht, neues Personal zu finden. Grund: Die Kosten für die Haftpflichtversicherung würden immer teurer, erklärt Zinsler. „Teilweise müssen Hebammen jährlich 6000 Euro Versicherungsprämie bezahlen.“ Das sei Wahnsinn. Und die wenigen Hebammen, die es gibt, seien bis ins Mark ausgelastet. „Erstmals in der Geschichte der Stadt bleiben dieses Jahr tausende Frauen ohne Nachsorge“, sagt Zinsler. „Im Moment muss man sich mindestens acht Monate vorher darum kümmern, um überhaupt eine Chance zu haben.“ Die Wartelisten sind zum Bersten gefüllt. Vielleicht kann die Erweiterung des Geburtshauses für etwas Entlastung sorgen.

Die Umbaukosten werden auf 350 000 Euro geschätzt. Das kann aus den Kassen des Geburtshauses alleine nicht bezahlt werden. Die Hebammen müssen also Kredite aufnehmen, um den Umbau stemmen zu können. Daher haben sie die Stadt um Mithilfe gebeten. Bürgermeister Josef Schmid (CSU) habe dem Geburtshaus eine mündliche Zusage zur Unterstützung gegeben. „Ich denke, dass wir von der Stadt etwas bekommen werden. Die Frage ist nur, wie viel“, sagt Braun. Neben der Stadt hofft das Geburtshaus auf Spenden von Privatpersonen. Vereinschefin Christine Zinsler zeigt sich optimistisch: „Irgendwie schaffen wir das schon.“

Fabian Weberstetter

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