Mit diesem Aufkleber wirbt die „nette Toilette“.

Trotz Mangel an öffentlichen Örtchen

Skepsis gegenüber „netter Toilette“

München - Auch auf der Schwanthalerhöhe ist der Mangel an öffentlichen Toiletten eklatant. Trotzdem stellt sich der BA, wie viele andere Bezirksausschüsse, gegen das Konzept der „netten Toilette“, über deren Einführung die Verwaltung nachdenkt.

Das sagte die Vorsitzende des Bezirksausschusses (BA) Sybille Stöhr während der jüngsten Sitzung. „Wir begrüßen die Idee grundsätzlich, sehen aber nicht ein, dass wir alleine die Kosten und den Organisationsaufwand tragen sollen“, sagte Stöhr. Der BA wünscht sich ein „Machtwort“ des Oberbürgermeisters Reiter.

Auf 13.000 Einwohner kommt in München nur eine öffentliche Toilette. Die „nette Toilette“ könnte helfen, diesen Mangel zu beheben. Dabei stellen Restaurantbetreiber ihre stillen Orte für die Öffentlichkeit zur Verfügung. Sie bekommen eine Aufwandsentschädigung von der Stadt. Experten aus dem Kommunalreferat rechnen mit Kosten von monatlich 30 Euro pro Wirtshaus.

Die Stadtteil-Vertreter irritiert besonders, dass die Verwaltung ihnen aufbürden will, alle Verhandlungen mit den Wirten zu führen und deren Aufwandsentschädigung aus dem BA-Budget zu leisten. Zu den Kosten für die „nette Toilette“ gehören nicht nur die Kompensation der Wirte, hinzu kommt eine einmalige Lizenz, die München wohl 2580 Euro kosten würde. Einem Angebot des Lizenzgebers vom Dezember 2015 zufolge, müssten zudem noch etwa 600 Euro für den Druck von Flugblättern und Plakaten ausgegeben werden.

Die Idee wurde im Jahr 2000 in der Stadt Aalen umgesetzt. Inzwischen machen 210 deutsche Städte und Gemeinden bei dem Programm mit. In Würzburg und Regensburg, wo die „nette Toilette“ bereits installiert ist, sind die Zuschüsse mit 50 Euro höher als die geplanten 30 Euro für München. Kleinere Städte wie Ingolstadt oder Olching bezahlen zwischen 25 und 30 Euro Aufwandsentschädigung. Bremen lässt sich den Service der Wirtshäuser 100 Euro pro Betrieb und Monat kosten.

Dass in München Handlungsbedarf besteht, steht für alle Beteiligten außer Frage. Das Kommunalreferat hatte im Jahr 2015 alle Bezirksausschüsse um Vorschläge für Standorte für die „nette Toilette“ gebeten. Die BAs haben trotz ihrer Bedenken 120 Lokale vorgeschlagen. Etwa 48 000 Euro soll die Umsetzung des Projekts mit diesen 120 Betrieben kosten. 

Sophia Bogner

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