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Münchenstift-Chef Sigi Benker vor Gericht.

Nachbarn fühlten sich von Andacht gestört

Krawall nach stillem Gedenken an verstorbene Ehefrau: Münchenstift-Chef vor Gericht

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Sie war seine große Liebe – und die Stadt hat einen Weg nach ihr benannt: Angelika Lex, die berühmte verstorbene Münchner Anwältin und Bürgerrechtlerin. Ihr Mann Siegfried Benker (61) steht seit Freitag vor Gericht.

München - Siegfried Benker (61) ist ein gebildeter Mann. Seit 1984 war der Diplom-Sozialpädagoge in der Kommunalpolitik tätig, jahrelang fungierte er als Fraktionsvorsitzender der Münchner Grünen und ist heute Geschäftsführer von Münchenstift. Am Freitagvormittag aber steht Benker mit dunklem Anzug im Amtsgericht, er berichtet von dem Tag, den er nicht vergessen kann, und sein Gesicht glüht – vor Wut. „Ich bin empört“, sagt Benker. „So etwas habe ich noch nicht erlebt. Und so etwas werde ich auch nicht auf mir sitzen lassen.“

Es geht um den 14. August 2018: Damals hatte Benker eine Andacht für seine verstorbene Ehefrau Angelika Lex (57) gefeiert. Auch Freunde kamen im Westend dazu, nur die Nachbarn fühlten sich gestört – und riefen abends die Polizei. Doch der anschließende Einsatz geriet völlig außer Kontrolle – und beschäftigt nun das Amtsgericht. Dort muss sich Benker seit Freitag wegen einer Ordnungswidrigkeit verantworten: Ein Polizist beschuldigt den Geschäftsführer von Münchenstift, dieser habe sich nicht ausweisen wollen. Zudem habe die Gruppe gegen die Polizei gepöbelt und den Platz rund um den Angelika-Lex-Weg verdreckt zurückgelassen. „Die Stadtreinigung musste später alles aufräumen“, sagt der Polizist vor dem Amtsgericht aus.

Polizeieinsatz bei Andacht: „Wir wurden eingekesselt. Es war völlig überzogen“

Benker hingegen erzählt eine andere Version. „Es war eine friedliche Andacht ohne Musik. Wir waren etwa 30 Leute.“ Der Polizeieinsatz habe ihn deshalb überrascht. Noch mehr aber das Verhalten der Polizisten: „Die Beamten waren von Beginn an hoch aggressiv und standen mit erhobenem Schlagstock vor uns.“ Deshalb habe er bei der Personenkontrolle gezögert. „Als ich mich umdrehte, stieß mich einer der Beamten um“, schildert Benker. In der Folge kam es zu Gerangel, die Polizisten riefen Verstärkung, insgesamt 50 Beamte waren schließlich mit mehreren Streifenwagen vor Ort, um die Situation zu schlichten, und erteilten einen Platzverweis. Viel Lärm also um ein stilles Gedenken.

Im Angelika-Lex-Weg hatte Siegfried Benker eine Andacht für seine tote Frau gefeiert.

„Wir wurden eingekesselt. Es war ein völlig überzogener Einsatz“, schimpft Benker, der sofort im Anschluss eine Dienstaufsichtsbeschwerde beim Polizei-Präsidenten eingereicht hat. Viereinhalb Seiten umfasst das Schreiben. Im Prozess wird es Siegfried Benker nicht unbedingt helfen, aber es dokumentiert seine Empörung. Schlimmstenfalls droht dem Münchenstift-Chef für die Ordnungswidrigkeit eine Geldstrafe, aber darum geht es ihm nicht. „Ich finde, so darf sich die Polizei einfach nicht verhalten“, sagt Benker. Er selbst ist zwar angeklagt – aber er will, dass das Amtsgericht prüft, ob das Einschreiten der Beamten unverhältnismäßig war.

Brisant: Per Bodycam hatten Beamte den Einsatz im Westend aufgezeichnet, die Aufnahmen später aber gelöscht und damit „das einzige objektive Beweismittel“ vernichtet, kritisiert Benkers Verteidiger Marco Noli. Jetzt steht Aussage gegen Aussage. Am 24. Juli wird der Prozess fortgesetzt.

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