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Ismail Sahin leitet seit 20 Jahren das Jugendzentrum im Westend.

Stadtteil-Serie

Viertelbewohner erzählen: So verwandelt sich das Westend

Wie sich München wandelt, welche Traditionen Bestand haben und welche Großprojekte anstehen - das erzählen uns Viertelbewohner in unserer großen Stadtteil-Serie.

München - Bunt, bunter, Westend! Kinder und Jugendliche aus mehr als 25 Nationen besuchen regelmäßig das Multikulturelle Jugendzentrum im Stadtteil. Auch der Leiter selbst trägt zu dieser Vielfalt bei: Ismail Sahin hat türkische Wurzeln. „Gleichzeitig bin ich ein Allgäuer“, sagt der 59-Jährige. Dass man im Westend heute dazugehört, egal wo man herkommt, ist eines der großen Verdienste der Einrichtung.

Seit 1964 gibt es das Multikulturelle Jugendzentrum im Westend. In dieser Zeit schloss die Bundesrepublik Anwerbeabkommen mit Ländern wie Italien, Griechenland und der Türkei, um den Mangel an Arbeitskräften zu beheben. „In unserem Stadtteil trafen schon in den 60er- und 70er-Jahren viele unterschiedliche Nationalitäten aufeinander. Eine Freizeitstätte sollte diese Herausforderungen meistern. Denn noch hatten die Jugendlichen keinen Anlaufpunkt. „Es gab Probleme mit Motorradgangs im Viertel.“ Das habe der Bezirksausschuss zum Anlass genommen, ein Jugendzentrum zu gründen. „Damals gab es noch sehr wenige Jugendtreffs in der Stadt“, erzählt Sahin, der die Einrichtung seit fast 20 Jahren leitet.

Heute ist das Jugendzentrum im Westend ein fester Anlaufpunkt für 50 bis 60 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 18 Jahren. Die Freizeitgestaltung habe sich verändert. „Früher hat man sich spontan getroffen. Die Kinder hatten mehr Zeit. Seit es die Ganztagsschulen gibt, sind sie ganz schön eingespannt.“ Auch durch Internet, Smartphone und Co. sei das Leben der Teenies schnelllebiger geworden. Neues Angebot deshalb: nichts tun! „Es geht um Entschleunigung. Die Kinder sollen Stress abbauen und entspannen.“ Beim gemeinsamem Kochen, Kickern oder Musik hören werden Barrieren abgebaut und Freundschaften geschlossen.

Seit dem Umzug der Messe von der Schwanthalerhöhe nach Riem 1998 hat sich das einstige Arbeiterviertel stark verändert. „Der Stadtteil hat sich verbessert. Auf dem ehemaligen Messegelände ist ein ganz neues Viertel mit einem großen Spielplatz auf dem Bahndeckel entstanden. Wohnanlagen sind saniert worden und neue gebaut worden.“

Skate-Halle fehlt noch

„Ich wohne eigentlich in Pasing, aber auf der Theresienwiese ist einer der besten Skateplätze der Stadt. Deswegen komme ich mit Freunden oft hierher. Früher war es ein Fertigteileplatz. Die einzelnen Rampen und Elemente wurden ab- und wieder aufgebaut. Wegen der Wiesn. Aber die feste Anlage ist besser. München ist eigentlich ganz gut aufgestellt, was Skate-Spots betrifft. In Aubing gibt es noch einen am Gleisdreieck. Etwas schade ist, dass am Georg-Freundorfer-Platz nicht mehr geskatet werden darf – wegen Anwohnerbeschwerden. Und wir bräuchten auch dringend eine überdachte Halle!“

Tim Grösser (26), Student.

Licht für den Fußballplatz

„Wir treffen uns im Sommer fast jeden Tag am Georg-Freundofer-Platz zum Kicken. Als wir vor zwei Jahren aus unserem Heimatland Syrien nach Deutschland gekommen sind, haben wir hier sofort mit dem Fußball angefangen. Ich war erst beim SC Landshut-Berg, da war ich der Schnellste in der Mannschaft. Die deutschen Jugendlichen haben uns sehr nett aufgenommen. Leider wird es jetzt am Abend früher dunkel. Wenn es Licht am Platz gäbe, könnten wir länger spielen. Das wäre toll.“

Ahmad Alturki (16, li.), Schüler, mit seinem Cousin Samih Kalid (14), Schüler.

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Daniela Schmitt

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