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Sektenführer San Myung Mun und seine Ehefrau Han bei einer Massenhochzeit in Südkorea im Jahr 2009.

Panne im Ordinariat

Sekte darf in Schloss Fürstenried tagen

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Aufregung im Erzbischöflichen Ordinariat: Ausgerecht in Schloss Fürstenried, das der Kirche gehört, beginnt heute eine Tagung, hinter der die von Sektenexperten kritisch beäugte Moon-Bewegung steht. Eine Panne, gesteht man im Ordinariat.

Der Titel klingt unverdächtig: „Verwirrung im westlichen Wertesystem und die Bedeutung der Familie für die Gesellschaft“ ist das Thema der „3-Länder-Fachtagung“, die heute um 20 Uhr mit einem Abendessen beginnen soll. Unter den Referenten sind Europaparlamentarier, ein Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung und die konservative Publizistin Gabriele Kuby. Die Verträge mit Schloss Fürstenried waren längst geschlossen, als man genauer hinschaute und entdeckte: Der Veranstalter, die „Universal Peace Federation“ (UPF), gilt in Fachkreisen als Tarnorganisation der Mun- oder Moon-Bewegung.

Diese Organisation, die heute als „Vereinigungskirche“ firmiert, wurde 1954 von dem Koreaner Sun Myung Moon (gestorben 2012) gegründet, der von seinen Anhängern als Messias verehrt wird. Nach Erkenntnissen von Matthias Pöhlmann, dem Sektenbeauftragten der Evangelischen Landeskirche, wirbt die Bewegung mit Themen wie Weltfrieden und Familie. Sie sei eine nichtchristliche Neureligion und wegen vieler Tarnorganisationen „sehr schwer zu durchschauen“. Kritiker sprächen „von Indoktrination bei Schulungskursen, die zum Teil mit Persönlichkeitsveränderungen einhergehen“. Auch die katholische Kirche sehe das Moon-Imperium kritisch, sagt Christoph Kappes vom Erzbischöflichen Ordinariat. Massenhochzeiten mit „arrangierten Beziehungen“, so Kappes, „widersprechen unseren Vorstellungen von Ehe und Familie“. Zudem gebe es Hinweise, dass die Bewegung verstärkt Einfluss in Wirtschaft und Politik suche und an Waffenproduktion beteiligt sei. Hätte man das vorher gewusst, so Kappes, „dann hätten wir die Räume nach aller Wahrscheinlichkeit nicht zur Verfügung gestellt“. Immerhin gehe man davon aus, dass „nicht alle Referenten“ im Tagungsprogramm eine Verbindung zur Moon-Bewegung hätten.

Das Exerzitienhaus Schloss Fürstenried gehört zu den Juwelen im Ordinariat. Von 1947 bis 1949 studierte sogar der spätere Papst Joseph Ratzinger in diesen Mauern. Nun also dient das Schloss für ein Wochenende einer Veranstaltung mit Sekten-Beigeschmack. Man werde die Tagung beobachten und auf jeden Fall die Qualitäts-Kriterien und Handlungsrichtlinien für die Vermietung von kirchlichen Räumen im Dialog mit den örtlich Verantwortlichen „präzisieren“, sagt Kappes.

Schwierig wäre es für die Vermieter nicht gewesen, die Verbindung zur Moon-Sekte zu erkennen: Auf der Internetseite der UPF steht ganz klar: „Gründer: Ref. Dr. Sun Myung Moon“. Der Leiter des „Familienforums Österreich“, das als Mitveranstalter auftritt, gibt auf Nachfrage offen zu, dass er persönlich seit Jahrzehnten der Moon-Bewegung angehöre. Auch mehrere der 13 Referenten, die das Programm aufführt, haben Verbindungen zu Moon, etwa Hildegard Piepenburg von der „Familienföderation Deutschland“ und Carolyn Handschin von „Womens Federation für Word Peace International“. Karl-Christian Hausmann, Beisitzer im Kreisvorstand der CDU Stuttgart, will am Samstag über „das ideologische Vakuum“ referieren“. Womit er dieses Vakuum füllen will, lässt das Tagungsprogramm ahnen. Hausmann firmiert dort als „Vorsitzender UPF Deutschland“.

Der Europaabgeordnete Arne Gericke (Familien-Partei) beteuerte gestern auf Nachfrage, Hausmann habe ihn nach einer „vagen Absprache“ ohne sein Wissen auf die Referentenliste gesetzt. Erst am 1. November habe er per Mail davon erfahren und das Programm gesehen. Gerickes Referent hat Hausmann nun mitgeteilt, der Abgeordnete werde nicht kommen. Zum einen aus Termingründen, und zum anderen, weil „uns die im Gespräch vorher nie erwähnte Organisation „Universal Peace Federation“ nach nur einem Google-Klick suspekt erschien – und dies trotz der eindeutig verlässlich katholischen Adresse.“

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