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Das „Casa mia“ in Sendling, wo sich Pegida traf, musste schließen – die Brauerei kündigte den Vertrag.

Im September

„Casa mia“ hat neuen Pächter – und München kennt ihn 

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Ins frühere „Casa mia“ in Sendling zieht neues Leben: An der Ecke Impler-/Oberländerstraße eröffnet im September eine griechische Taverne.

München - Noch immer wird über die Schließung des „Casa mia“ diskutiert, so auch kürzlich beim Sommerfest der Sendlinger SPD. Ende Juli hat Wirt Giovanni Costa an der Ecke Impler- und Oberländerstraße seinen Schlüssel ein letztes Mal gegen den Uhrzeigersinn gedreht, dann war Schluss mit Steinofenpizza für die Stammgäste. Doch schon bald soll neues Leben einziehen: Georgios Papazof, Fischhändler und Inhaber eines Restaurants an der Zenettistraße, will hier im September eine griechische Taverne eröffnen. Mit der Großbrauerei Anheuser-Busch InBev hat er sich bereits geeinigt.

„Vergangenheit ist Vergangenheit“, sagt Papazof knapp auf die Frage, wie er mit der schwierigen Vorgeschichte des „Casa mia“ umgehen wolle. „Wer frischen Fisch oder gutes Fleisch essen möchte, wer offene Dialoge bevorzugt und sich nicht abschottet, ist in meinem künftigen Lokal herzlich willkommen.“ Wer sich hingegen geschlossen politisch gebe, habe keinen Platz. „Wer einen politischen Stammtisch organisieren will, kann gerne irgendeine Gaststätte im Umkreis wählen, wo es abgeschlossene Räume gibt“, sagt Papazof. „Auch Demokratie braucht ihre Grenzen.“ Diesbezügliche Vorgaben von der Brauerei habe er keine: „Wir haben nur einen Vertrag.“ Ein Name und ein Eröffnungstermin für das neue Lokal stünden noch nicht fest. Die Brauerei war am Mittwoch nicht zu erreichen.

Das „Casa mia“ musste schließen, nachdem Anheuser-Busch InBev den Pachtvertrag gekündigt hatte – wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Costa sagt, seine Umsätze hätten gelitten, seit sein Ruf im Viertel Schaden genommen habe. Im „Casa mia“ trafen sich im vergangenen Jahr lose, aber regelmäßig montagabends Anhänger von Pegida. Markus Lutz, Vorsitzender des Bezirksausschusses (BA), und BA-Rechtsextremismus-Beauftragter Ernst Dill (beide SPD) forderten Costa auf, diese Leute nicht zu bewirten. Dill zufolge wird Pegida „zu Recht vom Verfassungsschutz beobachtet“. Costa jedoch sagt, er habe „kein Spion“ sein wollen. Dill wiederum verwehrt sich gegen Vorwürfe, er habe Leute auf der Straße vor dem Lokal gewarnt. Und tatsächlich scheint es um Costas Finanzen bereits seit Jahren nicht gut bestellt gewesen zu sein.

Was auch immer genau passiert ist und wie kontrovers es diskutiert wird – viele Sendlinger vermissen ihren Italiener an der Ecke. Ein blinder Stammgast schätzte seine Nähe zur U-Bahn, seine Barrierefreiheit und Ungezwungenheit. Ein anderer sagt, er habe die günstige Pasta geliebt.

Papazof verrät über sein Konzept noch nicht viel, nur das: „Ich werde angemessene Preise verlangen.“ So wolle er etwa eine Dorade für 14,90 Euro anbieten. Als Fischhändler habe er einen deutlichen Kostenvorteil.

Lesen Sie hier: Nach dem Aus für das „Casa mia“ stellt sich die Frage: Wie sehr geht Politik die Wirte an?

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Von Christine Ulrich und Hüseyin Ince

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