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Gut 15 Euro Miete zahlen die Händler.Fotos: Götzfried

Händler-Wegzug – oder doch teurer Umbau?

Der Streit um die Großmarktruine

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Seit über 100 Jahren verkaufen Händler ihre Blumen und Früchte mitten in Sendling. Doch damit könnte bald Schluss sein. Der große Streit um die Großmarktruine.

München - Seit 1912 werden in der Großmarkthalle mitten in Sendling Früchte und Blumen verkauft – aber ist damit bald Schluss? Exklusiv berichtete die tz über die Pläne des Verbands der Fruchthändler, das baufällige und heruntergekommene Areal zu verlassen. Die Stadt München wurde schon informiert, dass man längst ein neues Zuhause im Auge hätte – und zwar im Gemeindegebiet Vaterstetten. Ein Investor will, so der Verband, nämlich eine große Halle direkt bei Parsdorf errichten (gegenüber vom Möbelhaus Segmüller), um dort den vielen Händlern eine neue Verkaufsfläche zu bieten. Mit Autobahnanbindung. Dort müsste man dann auch nur 7 Euro Miete für den Quadratmeter zahlen – im Gegensatz zu den 15 Euro an der Schäftlarnstraße im Herzen der Stadt. Wie geht es also weiter mit dem Traditionsbau an der Isar? Was wird nun aus den Umbauplänen? Satte 180 Millionen Euro soll das Projekt kosten. Wir hörten uns bei Politikern und den Händlern in der Großmarkthalle um. 

Das sagen Politiker

Die Nachricht, dass zumindest ein Teil der Fruchthändler den Münchner Großmarkt Richtung Gewerbegebiet Parsdorf verlassen will, war gestern Thema Nummer eins im Rathaus, auch wenn die Wegzugspläne gar nicht auf der Tagesordnung des Stadtrates standen.

Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD), in dessen Verantwortung der Großmarkt fällt, sprach von einem „Nebenkriegsschauplatz“. Er verwies darauf, dass der Fruchthandelsverband nur rund 60 Prozent der 80 Betriebe auf dem Großmarktgelände vertrete. „Es ist noch unklar, was da passiert. Es gibt in Parsdorf noch gar kein Projekt, keinen Bebauungsplan, wir wissen nur, dass es Gespräche des Verbands mit dem dortigen Bürgermeister in diese Richtung gab.“ Dennoch will Markwardt bei den Plänen für den Neubau in München aufs Gas drücken: „Wir wollen die Beschlussvorlage spätestens im Herbst, vielleicht schon vor der Sommerpause in den Stadtrat bringen.“ Der Bau werde nicht so teuer wie kolportiert. „Eine schlichte Blechhalle, wie sie auf grüner Wiese möglich ist, kann es in der Stadt aber nicht geben.“

Die Händler sind unzufrieden: Wird bald das ganze Areal abgerissen?

OB Dieter Reiter (SPD) erklärte: „Wenn tatsächlich ein nennenswerter Teil der Händler rausgeht, stellt sich schon die Frage, ob es Sinn macht, das ganze Großmarktgelände zu sanieren.“ SPD-Fraktionschef Alexander Reissl denkt schon über mögliche Nachnutzungen der Fläche nach: „Sollte sie frei werden, könnte die Stadt dort die Grundstücke nach dem Münchner Mix im Erbbaurecht für den Wohnungsbau freigeben.“

Bürgermeister Josef Schmid (CSU) sieht Zeit zum Handeln: „Die Händler wollen Klarheit, wann umgebaut wird, wie der Umbau aussieht und wie viel Miete sie künftig bezahlen müssen.“

Das sagen Händler

Die Stimmung in der Großmarkthalle – wenig rosig: „Der geplante Umbau ist so was wie der Berliner Flughafen für München – viel zu teuer und wird nie fertig“, meint ein Obstverkäufer. Die Stadt lasse die Händler im Unklaren, wie die Mieten dann steigen würden. Bisher kostet ein Quadratmeter Verkaufsfläche 15 Euro. Mit dem Standort Vaterstetten wiederum ginge die zentrale Lage verloren. Andererseits hätten es Käufer aus Osteuropa oder Italien leichter, denn oft hätten sie Probleme, mit ihren LKW in den engen Straßen in der City zu rangieren.

Die Händler fürchten, das Projekt Großmarkthalle werde von der Stadt ganz hinten angestellt. „Wohnungsbau ist ja wichtiger.“ Derweil sei der „Bauch Münchens“ dringend renovierungsbedürftig: In der Gärtnerhalle wurde die einsturzgefährdete Decke mit Holzbalken provisorisch abgestützt. „Dass das Dach an einigen Stellen undicht ist, interessiert niemanden. Es regnet rein. Wir haben Ratten, dazu Moos und Schimmel an den Wänden. Mit EU-Lebensmittelrichtlinien geht das nicht zusammen. Über den Schimmel wurde Blech montiert. Sonst passiert nichts“, klagt ein Verkäufer. Im Winter herrschten in der Halle teils null Grad – „ein Unding für Obst- und Gemüselagerung“.

Kritik üben die Händler auch an den Umbauplänen: Im Erdgeschoss sei eine Parkanlage geplant, im 1. Stock die Verkaufsfläche. „Logistisch ist das ein völliger Schmarrn“, sind sich die Verkäufer in diesem Punkt einig.

T. Höpfl, J. Welte, A. Geier

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