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Der Bunker an der Thalkirchner Straße, hier ein Bild vom Juni. 

Doch keine kulturelle Nutzung? 

Hochbunker in Sendling: Was will die Stadt? 

München - Irritationen um den Hochbunker an der Thalkirchner Straße: Eine Ausschreibung lässt Zweifel aufkommen, ob die Stadt an einer kulturellen Nutzung noch interessiert ist. 

Das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg könnte ein Manko beseitigen. Denn Räume für Kultur und soziale Treffpunkte sind rar im Viertel. Der Verein „Sendlinger Bunker“ möchte das ändern. Er will in dem Bunker dauerhaft soziale und kulturelle Angebote schaffen. Ob der Traum wahr wird, hat nun die Stadt in der Hand. Das Kommunalreferat bietet das Gebäude seit kurzem als „Gewerbeobjekt zur Miete“ an. Für Irritationen sorgt nun, dass in der Ausschreibung von kultureller Nutzung keine Rede ist.

Bereits 2015 gab es einen positiven Testlauf. Der Verein öffnete den Bunker mit viel ehrenamtlichem Engagement temporär für die Bürger. Einige Monate lang gab es dort ein Café, kleine Konzerte, Theater und Lesungen, Ausstellungen und Filmvorführungen. Die Resonanz war gut. Dann die vorzeitige Zwangspause – unter anderem, weil die Lokalbaukommission plötzlich auf Details der Genehmigung pochte.

Der Bezirksausschuss Sendling ist erbost, weil es vor der Ausschreibung keine Anhörung gab. „Wir wurden überhaupt nicht informiert“, kritisiert der Chef des Stadtteilgremiums, Markus Lutz (SPD). Außerdem ist nach Ansicht von Rene Kaiser, Fraktionssprecher der Grünen, nicht nachvollziehbar, dass die vom BA befürwortete kulturelle Nutzung nicht erwähnt wird. Zudem würden „symbolische Mietzahlungen“ ausgeschlossen. Schlecht für kleine Vereine: Sie seien kaum in der Lage, hohe Mieten zu zahlen.

Die Stadtratsfraktion der Grünen hatte bereits 2013 in ihrem Antrag „Öffnet die Bunker!“ die Stadt beauftragt, die kulturellen Nutzungsmöglichkeiten der ehemaligen Luftschutzgebäude in München zu prüfen. In der Vorlage, die das Kommunalreferat daraufhin erarbeitete, heißt es: „Der Hochbunker an der Thalkirchner Straße 158 soll wieder vermietet oder einer kulturellen Nutzung zugeführt werden.“ Nicht ausgeschlossen ist damit, dass ein finanzkräftiger Investor den Bunker mietet, um dort etwa Büros zu schaffen. Für Kaiser keine wünschenswerte Variante: „Das Denkmal wäre für die Bürger nicht mehr erlebbar“.

In der Ausschreibung, die bis Ende März läuft, weist das Kommunalreferat darauf hin, dass der künftige Mieter die aus der Nutzungsänderungsgenehmigung resultierenden öffentlich-rechtlichen Auflagen auf eigene Kosten erfüllen muss. Zum Beispiel muss er einen zweiten Rettungsweg schaffen.

In dem Bunker sei nicht jede Nutzung möglich, erläutert Bernd Plank, Sprecher des Kommunalreferats. Es handle sich um ein sehr spezielles Bauwerk, das noch dazu unter Denkmalschutz stehe. „Ganz wichtig ist, dass die Bewerber ihr Konzept zunächst mit der Lokalbaukomission abklären.“

Genau das hat der Verein nun vor. „Wir wollen uns in jedem Fall bewerben“, sagt Vorstandsmitglied Svenja Hofmann. „Momentan prüft ein Architekt ehrenamtlich, welche Genehmigungen wir brauchen.“ Die finanziellen Mittel des Vereins seien begrenzt. „Vielleicht sind wir deshalb für das Kommunalreferat nicht so attraktiv. Aber wir haben viele Ideen und bemühen uns, ein schlüssiges Konzept vorzulegen.“

Der Bezirksausschuss ist willens, den Verein zu unterstützen, will aber zunächst einen Blick auf das Konzept werfen. Das gelte genauso für alle anderen Bewerber, so der Fraktionssprecher der SPD, Ernst Dill. „Sie müssen dem BA erklären, was sie vorhaben.“ 

Brigitta Wenninger

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