Den einen schmeckt’s, den anderen stinkt’s: Grillen im Westpark ist ein beliebtes Wochenendvergnügen. ArchivFoto: Sigi Jantz

Viel Qualm rund um die Grünanlage

Anwohner-Aufstand gegen Griller im Westpark

München - Qualm, Müll und laute Musik: Dieter Meyer ist es leid. Jahr für Jahr befasst sich der Stadtviertelpolitiker (CSU) im Bezirk Sendling-Westpark mit grillenden Besuchern des Westparks. Könnte ein Grillverbot an einem Wochenende pro Monat das Problem lösen?

Besonders schlimm sei es an den Wochenenden und beischönem Wetter, sagt Meyer. Dann verschwinde der Park regelmäßig unter einer Glocke aus Dunst und Fettgeruch. „Es ist ein Dilemma.“ Das Grillen habe derart zugenommen, dass „Nichtqualmer“ den Park mieden, wie Westpark-Planer und Landschaftsarchitekt Peter Kluska in seinem Parkpflege- und Entwicklungswerk von 2005 schreibt.

In der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Sendling-Westpark sprach Kluska gar von einer Übernutzung, „unter der die einen leiden, die anderen ihr Vergnügen ausleben.“ Die soziale Balance im Park gerate in Schieflage. Der einzige Ausweg sei ein generelles Grillverbot. Doch ist es wirklich so einfach?

Die Park-Nutzung wurde eingehend erforscht

Ideen, wie man den Konflikt im Park lösen kann, gibt es viele. Doch haperte es bislang an der Umsetzung. Im vergangenen Jahr hatte die Abteilung Gartenbau der Stadt die zentrale Stelle für Allparteiliches Konfliktmanagement in München, kurz AKIM, beauftragt, das Nutzerverhalten der Westpark-Besucher zu erforschen und Konfliktlösungen vorzuschlagen. Der Schwerpunkt lag auf den grillenden Parkbesuchern beim Rosengarten. Von Mai bis August 2015 haben AKIM-Teams an allen Wochentagen und zu unterschiedlichen Tageszeiten Besucher nach ihren Interessen und Bedürfnissen befragt. Ergebnis: Westparkbesucher sind klassischerweise Dauergäste. Da der soziale Aspekt vor allem für das Grillen bedeutend ist, habe man hier auch große Gruppen mit bis zu 40 Personen angetroffen, wie Konfliktmanagerin Elisabeth Raschke berichtet.

„Aufgefallen ist auch, dass Leute bereit sind, weite Wege in Kauf zu nehmen“, ergänzt Koordinatorin Brigitte Gans. Viele Parkbesucher kommen nicht aus dem unmittelbaren Umfeld. Vor allem der Westteil des Parks sei durch seine gute Verkehrsanbindung und die große Grillzone am See sehr belebt. Wie Konfliktmanagerin Elisabeth Raschke feststellen konnte, „kommen sich die Parkbesucher mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen schon mal ins Gehege.“ Konflikte entstünden zum Beispiel in Konkurrenz um beliebte Tageszeiten oder die attraktive Fläche um den Westsee.

Weiterer Konfliktherd: Mangelnde Sauberkeit

Mangelnde Sauberkeit sei ein weiterer Konfliktherd. Es werden Unmengen von Abfall erzeugt, die den Park verschmutzen, klagt auch Westpark-Schöpfer Peter Kluska. Seine Idee war es, die ehemals brache Fläche in eine hügelige Voralpenlandschaft zu verwandeln, um Abgase und Lärm von der Lindauer Autobahn und dem Mittleren Ring abzufangen. Nun sei der umgekehrte Fall eingetreten. Schlechte Luft würde durch das übermäßige Grillen im Park selbst erzeugt und in die angrenzenden Wohngebiete drängen. Im Rahmen ihrer Studie entwickelten die Mitarbeiter von AKIM Lösungsansätze, um die Belastung des Ökosystems durch die Grillnutzung zu reduzieren. Ein Vorschlag sei, einen Grillkalender einzuführen, der das Brutzeln an einem Wochenende im Monat verbiete, berichtet Elisabeth Raschke. Die grillfreie Zeit könnte für gemeinschaftliche Aktivitäten, wie zum Beispiel Picknicks oder Sport genutzt werden. Eine weitere Möglichkeit, die Grillsituation zu entspannen, sieht Brigitte Gans von AKIM darin, die marode Grillmöblierung, die vor allem von Brutzlern gerne reserviert werde, eine Saison lang nicht zu ersetzen.

Forderung nach einem Grillverbot

Dieter Meyer aber zweifelt an der Umsetzung eines Grillens nach Zeitplan und fordert eine politische Entscheidung. Die Erfahrung habe gezeigt: „Wenn mal gegrillt wird, ist das nicht mehr in den Griff zu bekommen.“ Um den Brutzlern an grillfreien Tagen Einhalt zu gebieten, sei die Grünanlagenaufsicht zu gering, wie der Vorsitzende des Ausschusses für Parks und Grünanlagen weiß. Sein Antrag, ein generelles Grillverbot einzuführen, wurde jedoch von der überwiegenden Mehrheit im BA 7 abgelehnt.

Sabrina Böcking (FDP) plädierte dafür, mit der Zeit zu gehen. „Mit einem Grillverbot vertreibt man gänzlich die junge Generation aus dem Park“ – so lautet ihre Befürchtung. Dafür spreche zudem, „dass Grillen auch immer eine soziale Funktion habe“, sagt Günter Keller (SPD), der Vorsitzende im BA Sendling-Westpark. Das Qualmproblem bleibt vorerst bestehen.

Christina Seipel

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