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Hannelore Kiethe auf dem Areal der Großmarkthalle. Sie ist in Sorge, dass die Tafel das Areal verlassen muss.

Sendlinger Großmarkthalle

Muss die Münchner Tafel weichen?

Am Donnerstag entscheidet der Stadtrat, ob ein privater Investor die Großmarkthalle inSendling sanieren soll. Die Münchner Tafel befürchtet, dann vom Areal weichen zu müssen. Das Kommunalreferat aber beschwichtigt.

München - Seit 1994 ist die Münchner Tafel eine soziale Institution, die nicht mehr wegzudenken ist – eine Art Gewissen der Landeshauptstadt, mitten auf dem Gelände der Sendlinger Großmarkthalle. Was einst mit der kleinen Eigeninitiative von sieben Münchnerinnen begann, ist zur wichtigsten städtischen Anlaufstelle für Bedürftige geworden, die teilweise abseits der Gesellschaft in Armut leben. „Wir versorgen derzeit 20.000 Münchner pro Woche“, sagt Hannelore Kiethe, Vorsitzende der Münchner Tafel.

Kiethe fürchtet aber, dass die Tafel ihren wichtigsten Umschlagplatz und ihre Zentrale verlieren könnte, weil im Stadtrat zur Debatte steht, dass ein Investor in die Geschäfte der Großmarkthalle einbezogen wird. „Seit über einem Jahr spukt das jetzt herum. Ständig diese Debatte um die Zukunft des Areals. Das beschäftigt uns schon sehr“, sagt Kiethe. Denn eines ist klar: Die Gebäude dort sind marode und müssen irgendwann saniert werden. Doch wer die Kosten übernimmt, ist momentan unklar.

Neue Großmarkthalle würde bis zu 160 Millionen Euro kosten

Der Stadt ist es wohl zu teuer. Bis zu 160 Millionen Euro würde eine neue Großmarkthalle kosten. Daher entscheidet der Stadtrat am Donnerstag über die Vorlage einzelner Stadträte: Ein Investor soll die Kosten für den Wiederaufbau übernehmen, der die neue Halle an die Stadt zurückvermietet. Die Stadt wiederum würde wieder als Vermieter des Areals auftreten. Alles liefe also nach einem Neubau weiter wie bisher. Aber zu welchem Preis?

Büros, Kühllager, Essensausgabe, An- und Abfahrtsplätze für 17 Lkw: Etwa 1500 Quadratmeter nutzt die Tafel derzeit auf dem Areal der Großmarkthalle, das insgesamt 45.000 Quadratmeter groß ist. Die Sorge um eine deutlich höhere Pacht treibt die Tafel um. „Wir zahlen derzeit 3500 Euro pro Monat, abgesehen von allen anderen Betriebskosten. Eine leichte Erhöhung der Platzmiete könnten wir uns noch leisten. Aber was, wenn sie deutlich steigt?“, sagt Kiethe, die mit den Ausgaben der Tafel stets knapp kalkulieren muss. Sie finanziert sich ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge.

„Die Großmarkthalle ist zu unserer Heimat geworden“

Zeitweise wurde auch debattiert, ob man die Großmarkthalle verlegen sollte. „Wenn das passiert, kenne ich derzeit keine Alternative. Die Großmarkthalle ist zu unserer Heimat geworden. Ein ähnlich großes Areal in Stadtnähe zu einem bezahlbaren Preis zu finden, wäre so gut wie unmöglich“, sagt Kiethe. Das wäre für die Tafel also das schlimmste Szenario, auch wenn es nach derzeitigem Informationsstand ausgeschlossen scheint.

Kommunalreferent Axel Markwardt kennt natürlich die Debatten um die Großmarkthalle. Markwardt ist ein großer Unterstützer der Tafel: „Es wäre eine Katastrophe, wenn die Tafel nicht mehr in München wäre.“ Auf das Szenario eines Investors hat er sich vorbereitet. „Das Kommunalreferat wäre dafür zuständig, den Ausschreibungstext zu verfassen. Und in diesem Text wäre sicher eine Passage vorzufinden, die der Tafel garantiert, zu ähnlichen Konditionen wie bisher auf dem Großmarktareal zu bleiben“, bekräftigt Markwardt. Einen derartigen Ausschreibungstext müsste natürlich der Stadtrat bestätigen. Doch was wäre, wenn das Gremium die Passage ablehnt? „Das übersteigt meine Vorstellungskraft“, so Markwardt. „Warum sollte die Stadt die Münchner Tafel einschränken, eine Institution, die für den Stadtfrieden sorgt?“

Hüseyin Ince

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