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Mitarbeiter der PI 15.

Serie über Münchens Polizeireviere

PI 15 Sendling: Das Revier der PS-Polizei

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Der Münchner Merkur und die tz starten ihre große Serie über die Münchner Polizei. Brennpunkte, Schwerpunkte und kuriose Fälle: Wir haben das für jedes Viertel zusammengefasst. Heute: Sendling.

München - Der Verkehr beschäftigt die Beamten der Sendlinger Polizei. Im Viertel sind immer mehr Autos unterwegs, so wie in ganz München. Seit der Eröffnung des Luise-Kiesselbach-Tunnels hat sich die Lage aber etwas entspannt: Die Unfälle sind zurückgegangen, sagen die Polizisten. Wir begleiteten den Chef, Christian Wittstadt, und zwei seiner Kollegen durch ihr Revier.

Auf Streife in Sendling

Sechs Jahre lang wurde unter der Erde gebuddelt, im Sommer 2015 war die Großbaustelle endlich Geschichte: Seit 27. Juli fließt der Verkehr durch den Luise-Kiesselbach-Tunnel. Seitdem hat sich nicht nur die Wohnqualität für die Anwohner verbessert, die Polizei registrierte auch deutlich weniger Unfälle: 2580 waren es im Zuständigkeitsbereich der Sendlinger Beamten im vergangenen Jahr, 2015 waren es noch 2815 – ein Rückgang von 8,3 Prozent. „Das liegt hauptsächlich am Tunnel“, sagt Rolf Heitzer, in Sendling zuständig für den Verkehr. 332 Menschen wurden 2016 bei Unfällen leicht verletzt, 24 schwer. Tödliche Unfälle gab es nicht.

Doch der Tunnel in Mittersendling – von den Autofahrern, die jahrelang auf den kuriosesten Verkehrsführungen im Stau standen, herbeigesehnt – dürfte sich seit seiner Eröffnung nicht nur Freunde gemacht haben: Rund 90 000-mal wurden hier schon Temposünder geblitzt. Der Spitzenreiter: ein Raser, der im April 2016 mit 130 Sachen erwischt wurde.

Sie sorgen für Sicherheit: Tamara Angermaier und Robert Rieger.

Der Verkehr ist das beherrschende Thema

Mehr als 20 Tempofallen warten im Tunnel auf Raser. Es sind sogenannte Geisterblitzer: Man sieht kein rotes Licht, wenn man geknipst wird. Etwa 100.000 bis 120.000 Fahrzeuge fahren täglich durch den Untergrund.

Der Luise-Kiesselbach-Tunnel ist das Revier der PI 15.

Verkehr ist für die Beamten der PI Sendling eines der beherrschenden Themen. „Wir haben hier 40 bis 45 Einsätze am Tag, mindestens ein Viertel davon sind noch immer Unfälle“, sagt Polizeioberrat Christian Wittstadt (46), Chef der Sendlinger Inspektion. Auf den 10,71 Quadratkilometern der PI 15 liegt der verkehrsmäßig am stärksten belastete Teil des Mittleren Rings. Er beginnt am Trappentreu- und führt über den Luise-Kiesselbach- und Heckenstallertunnel bis zur Brudermühlbrücke.

In Sendling findet sich München einziger Linksverkehr

Auch die Polizisten in Sendling sind gut unterwegs: „Etwa 280 000 Kilometer legen wir hier im Jahr zurück“, sagt Polizeihauptkommissar Robert Rieger (55). Er ist seit 18 Jahren bei der PI Sendling und kennt das Revier wie seine Westentasche. Immer mal wieder schaut Rieger zusammen mit seiner Kollegin Tamara Angermaier (25) in der Großmarkthalle vorbei. Dort findet sich ein Kuriosum in Sachen Verkehr: Die Autofahrer müssen ein kleines Stück im Linksverkehr fahren. „Das ist der wahrscheinlich einzige Linksverkehr in ganz Deutschland“, sagt Wittstadt. Links rum heißt es auf der Einfahrtstraße auf das Gelände an der Schäftlarnstraße bis zur Kreuzung mit der ehemaligen Thalkirchner Straße. Der Linksverkehr wurde bei der Generalsanierung in den 80er-Jahren eingeführt, um den Verkehrsfluss durch den Lkw-Parkplatz nicht komplett zu blockieren. Bei Rechtsverkehr würden die Lkw rechts einfahren und nach links in den Parkplatz abbiegen, damit wäre die Ausfahrt aus dem Gelände praktisch immer blockiert. 

Die Großmarkthalle ist nach den Märkten in Paris und Barcelona der drittgrößte Umschlagplatz für Obst und Gemüse in Europa und einer der größten Arbeitgeber in Sendling. Der Polizei macht der Markt nicht viel Arbeit: Gelegentlich wird mal was geklaut, gelegentlich beschwert sich jemand wegen des Lieferverkehrlärms.

Chef Christian Wittstadt ist glücklich bei der PI Sendling.

Der wohl schlimmste Fall - der Westparkmord

Sendling ist als Innenstadtrandgebiet eine beliebte Wohngegend. Viele Einfamilien- und Reihenhäuser stehen im Dienstbereich der Polizeiinspektion 15. Wie in ganz München wird die Polizei zu Nachbarschaftsstreitigkeiten (671 im Jahr 2016), Behinderungen (1039) und Betrugsdelikten (440) gerufen. 5989-mal hängten die Beamten Falschparkern Knöllchen an den Scheibenwischer.

32 Sittlichkeitsdelikte registrierten die Polizisten im vergangenen Jahr. Dazu zählen Exhibitionisten und Grapscher. Tötungsdelikt gab es 2016 keines. In schrecklicher Erinnerung ist vielen in der Gegend noch der sogenannte Westparkmörder: Der damals 18-jährige Gorazd B. erstach 1993 aus reiner Mordlust und Frust einen Jogger. Er wurde zu einer zehnjährigen Jugendstrafe verurteilt und später nach Slowenien abgeschoben.

Auch im Westpark sorgen die Beamten für Sicherheit.

771 Ruhestörungen im Jahr 2016

Wegen Lärm- und Geruchsbelästigungen wurden die Polizisten vor allem im Sommer immer wieder in die Erholungsgebiete des Viertels geholt: Vor allem der Flaucher, der Süd- und Westpark sind beliebte Orte zum Grillen. 771-mal registrierte die Polizei im Jahr 2016 Ruhestörungen.

Wegen Lärm- und Geruchsbelästigungen werden die Polizisten vor allem im Sommer immer wieder in die Erholungsgebiete des Viertels geholt: Der Flaucher, Süd- und Westpark sind beliebte Orte zum Grillen bei Jugendlichen und Familien. 2016 riefen 771 Bürger die Polizei wegen Ruhestörungen.

Die Arbeit von Robert Rieger und Tamara Angermaier ist abwechslungsreich.

Beim Basketball passiert so gut wie nie etwas

Beliebt bei den Sendlinger Beamten sind die Einsätze bei den Spielen der FC-Bayern-Basketballer im Audi Dome. Er wurde 1972 als olympische Basketballhalle eröffnet und trug von 1974 bis 2011 den Namen Rudi-Sedlmayer-Halle. „Wir unterstützen den Veranstalter bei den Kontrollen“, sagt Wittstadt. Während der Spiele, die mindestens alle zwei Wochen stattfinden, sitzen ganz oben im Audi Dome in einem kleinen, abgeschlossenen Raum Beamte von Polizei und Feuerwehr und sorgen für ein sicheres Spiel. „Aber da passiert so gut wie nie was. Die Basketball-Fans sind vernünftig“, sagt Wittstadt.

Einsatzgebiet ist auch der Audi Dome.

Im Zentrum: Der Harras

Zentrum im Zuständigkeitsbereich der PI 15 ist der Harras. Dort begrüßen die Geschäftsleute die Polizisten herzlich. Die Ladeninhaber plaudern mit den Beamten und lassen sich Tipps geben. So wie Thomas Glaisner, der seit 14 Jahren „Tommys Lotto“-Laden betreibt. „Rundherum in den Geschäften wurde viel eingebrochen, die Diebe wollten vor allem Tabak“, berichtet der 36-Jährige. 191 Einbrüche registrierte die Polizei 2016, 57 davon in Wohnungen. Damit bei ihm nicht eingebrochen wird, hat sich Glaisner eine Alarmanlage und Videoüberwachung zugelegt. Er ist froh, wenn die Polizei am Harras Präsenz zeigt.

Im Gespräch mit den Geschäftsleuten am Harras: Robert Rieger (l). und Tamara Angermaier schauen bei Thomas Glaisner vorbei.

Polizeihauptkommissar Robert Rieger schaut zusammen mit seiner Kollegin Tamara Angermaier bei den Ladenbesitzern ebenso gerne und oft vorbei wie in den 26 Schulen und fünf Moscheen im Viertel. Christian Wittstadt schwärmt von seiner Arbeit in Sendling. „Ich wollte zu einer Inspektion, die mit der Wiesn zu tun hat“, sagt der Chef, der die PI seit knapp zwei Jahren leitet. Zwölf seiner Leute und er sind während des Oktoberfestes auf der „Wiesnwache“, der Polizeiinspektion 17, die es nur während des Oktoberfestes gibt. Wittstadt freut sich schon jetzt darauf: „Diese Zeit ist immer etwas Besonderes. Ich bin froh, bei dieser Inspektion zu arbeiten.“

14.000 Einsätze pro Jahr: Zahlen zur PI 15

Die Vorgänger der PI Sendling waren die PI 20 Mitter­sendling und PI 21 Unter­sendling. Die beiden Reviere wurden am 1. April 1984 zusammengelegt und zogen in die Treffauerstraße. 2007 wurde die Inspektion dem Abschnitt Mitte zugeordnet und führt seitdem die Bezeichnung PI 15. Etwa 98 000 Einwohner leben im Zuständigkeitsbereich der Inspektion in Sendling und Sendling-Westpark auf 10,71 Quadratkilometern. Die 94 Beamten – darunter 20 Frauen – rücken pro Jahr zu etwa 14 000 Einsätzen aus (2016 waren es 13.714). Zudem gibt es fünf Tarif­beschäftigte in Sendling.

Bilder: Mit der Polizeiinspektion Sendling auf Streife 

Das sind die weiteren Folgen:

Pasing: Einbrecher und der Verkehr prägen die Polizeiarbeit.

Maxvorstadt: Das Studentenviertel kämpft mit Dieben und Rasern.

Bogenhausen: Einbrüche machen einen Löwenanteil der Straftaten im Nobelviertel aus

Au & Haidhausen: Tag und Nacht Einsätze in Haidhausen, am Ostbahnhof und in der Kultfabrik

Perlach: Streitereien, Ruhestörungen und Ladendiebstähle kommen hier oft vor.

Trudering-Riem: In der Messestadt trifft sich die Welt. Auch ein Ort sozialer Spannungen.

Westend & Ludwigsvorstadt: Das Südliche Bahnhofsviertel und der Gärtnerplatz halten die Beethoven-Wache auf Trab.

Giesing: Das Viertel der Geschichte und Geschichten. Fußball ist allgegenwärtig – auch bei der Polizei.

Altstadt: Touristen, Taschendiebe und die Feierbanane machen der Polizei Arbeit.

Olympiapark: Hier sind die Schwerpunkte die vielen Veranstaltungen.

Neuhausen:  Einbrüche, Trickdiebstähle und das Strafjustizzentrum sind hier Schwerpunkte.

Planegg: Grüne Idylle mit schwarzen Fleckchen. Einbrüche sind hier das Problem.

Grünwald: Die Isar und ihre zahlreichen Sport- und Freizeitmöglichkeiten bestimmen den Arbeitsalltag der Polizei.

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