Alfred Küng heißt den Gasteig willkommen, „wenn wir bleiben dürfen“.

Ausweichquartier

Sendlinger uneins über Gasteig-Pläne

Der Stadtviertelpolitiker in Sendling halten sich zum möglichen Umzug des Gasteig auf das Gelände der Stadtwerke an der Schäftlarnstraße noch bedeckt. Mieter des möglichen Ausweichquartiers haben Angst – Lokalpolitiker wollen abwarten

München - Es gebe derzeit noch zu viele Spekulationen, begründete BA-Chef Markus Lutz (SPD) in der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA) die Zurückhaltung. Man wolle die für September erwartete Machbarkeitsstudie abwarten, in der überprüft werden soll, ob sich das Gelände überhaupt als Ausweichquartier für das Kulturzentrum eignet. „Wir bewerten erst, was schwarz und weiß auf dem Tisch liegt“, sagt Lutz.

In der Hoffnung, vom BA und den Sendlinger Bürgern Unterstützung zu erfahren, meldeten sich Geschäftsleute, die ihren Sitz auf dem Gelände an der Ecke Brudermühl- und Schäftlarnstraße haben, in der jüngsten BA-Sitzung zu Wort. Seitdem sie aus der Zeitung von dem möglichen Umzug des Gasteig auf das Areal erfahren hatten, grassiert unter den Mietern die Angst, dass sie ihr Geschäft für die Kulturstätte räumen müssen. „Es ist jeder Quadratmeter vermietet“, sagte Mirco Taliercio, der dort seit 14 Jahren ein kleines Fotostudio betreibt. 70 Hauptmieter müssten sich neue Werkstätten, Ateliers, Büros und Probenräume suchen. Die Existenz Hunderter Menschen steht auf dem Spiel. „Ich müsste dann schließen“, prognostizierte Dominik Senjak, der auf dem 27 000 Quadratmeter großen Areal mit Reifen handelt. Ein neues Lager mit ausreichend Platz für seine 600 Reifensätze sei in München nur schwer zu finden, sagte der dreifache Familienvater.

Eine Tendenz der einzelnen Fraktionen zu diesem Thema deutete sich dennoch an. SPD-Fraktionssprecher Ernst Dill wies die Mieter darauf hin, dass von Anfang an festgestanden habe, dass es sich nur um ein vorübergehendes Quartier handle. Unterstützung bekamen die Geschäftsleute von den Grünen und der CSU-Fraktion. „Es geht doch nicht, dass unsere Gewerbebetreibenden gehen müssen“, bekräftigte Margot Fürst (CSU).

Die „Hauruck-Idee von Bürgermeister Schmid“ würde auch den Geist des Arbeiterviertels und die Mietpreissituation in Sendling verändern, befürchten die Mieter. Mirko Taliercio prophezeite „eine schleichende Gentrifizierung“. „Das Viertel wird für einen späteren Investor aufgehübscht. Das ist bestimmt nicht im Sinne der Bürger.“

Die Hoffnungen der Gewerbebetreibenden liegen nun auf den in den kommenden Tagen stattfindenden Gesprächen mit Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner und Bürgermeister Josef Schmid (CSU).

Christina Seipel

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