Modern und offen: So präsentiert sich die neue 50 meter lange Halle an der Thalkirchner Straße in den Plänen von Ackermann Architekten BDA".

120-Millionen-Projekt in Sendling

Jetzt doch zu teuer? Stadt will bei Großmarkthalle sparen

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München - Vorigen Sommer beschloss der Stadtrat den Abriss und Neubau der Großmarkthalle in Sendling. Angesichts der angespannten Haushaltslage steht hinter dem 120-Millionen-Euro-Projekt inzwischen ein Fragezeichen. Die CSU möchte die Kosten massiv drücken und sieht vor allem bei der Architektur Einsparpotential.

Das Preisgericht war voll des Lobes. Der Entwurf von Ackermann Architekten für die neue Großmarkthalle überzeuge mit seinem „lichten, transparenten Dachtragwerk“ und seiner „Verglasung hin zur Thalkirchner Straße“, heißt es im Protokoll vom 30. Januar 2015. Im folgenden Juli schloss sich der Stadtrat dem Urteil der Jury an und beauftragte Ackermann Architekten mit der Planung der neuen, 500 Meter langen Großmarkthalle. 120 Millionen Euro soll das Projekt circa kosten.

Bei den Händlern und Mitarbeitern der Markthallen war die Freude im Sommer groß. Inzwischen ist sie der Sorge gewichen, dass das Projekt auf die lange Bank geschoben oder ganz gestrichen werden könnte. Denn seit der Stadt im vorigen Herbst aufgefallen ist, dass das Geld knapp wird, stehen alle teuren Bau- und Sanierungsprojekte auf dem Prüfstand, so auch die neue Großmarkthalle.

"Optische Anpassungen" um Kosten zu sparen

Hell und weiträumig stellen sich die Planer das Innere der Halle vor. Ob die Stadt mitspielt, ist angesichts der angespannten Haushaltslage aber unklar.

Im Rathaus wiegelt man ab, einen Rückzieher werde es nicht geben, heißt es aus der Koalition. Allerdings soll der Neubau abgespeckt werden, und dies „kräftig“, wie CSU-Fraktionschef Hans Podiuk sagt. 120 Millionen Euro, wie eine erste grobe Berechnung ergeben hatte, dürfe die neue Markthalle nicht kosten. „Wir müssen deutlich unter die 100-Millionen-Marke kommen“, sagt Podiuk. Dies soll nach seinem Dafürhalten möglich sein, indem man „optische“ Anpassungen am Entwurf vornehme. Explizit nennt der CSU-Fraktionschef die große Glasfassade und die Begrünungen. Derzeit liefen interne Verhandlungen mit den Architekten, Fraktionen und Verwaltung. In etwa zwei Monaten soll eine Einigung vorliegen, berichtet Podiuk. Auch beim Kooperationspartner sieht man die Notwendigkeit, die Kosten zu reduzieren. „Wir müssen prüfen, wo man sparen kann“, sagt SPD-Stadträtin Ulrike Boesser. Denkbar sei, zunächst einen Teil der neuen Halle zu realisieren, später dann den Rest. „Die Funktionsfähigkeit der Halle muss aber in jedem Fall gewahrt bleiben.“

Großmarkt hat enorme Bedeutung für die Stadt

Bei den Grünen sorgen die Überlegungen von Schwarz-Rot für Verärgerung. „Wir sind überhaupt nicht glücklich. Der Großmarkt hat eine enorme Bedeutung für die Stadt“, sagt Stadtrat Herbert Danner. Der Münchner Lebensmittelmarkt werde von Rewe, Edeka, Lidl und Aldi dominiert. „Diese vier Großen haben in München eine marktbeherrschende Stellung. Wenn kleinen Einzelhändlern die Möglichkeit entzogen wird, in der Großmarkthalle einzukaufen, bekommen wir erhebliche Probleme in der Stadt“, sagt Danner, der den Betrieb der Großmarkthalle als „unabdingbar“ bezeichnet. Das Projekt zu schieben oder zu splitten ist nach seinen Worten unsinnig, denn die Bestandsgebäude seien dringend sanierungsbedürftig und verursachten hohe Kosten. „Da müssten wir jetzt für kurze Zeit viel Geld investieren.“

Grundbekenntnis zur Großmarkthalle erwünscht

Boris Schwartz, Zweiter Werkleiter der Markthallen, würde sich ein „Grundbekenntnis“ der Politik wünschen, dass die neue Großmarkthalle tatsächlich realisiert wird. Er hat die leise Sorge, dass so mancher Stadtrat das Sendlinger Filet-Grundstück lieber mit Wohnungen bebauen würde. Für die Münchner Lebensmittel-Einzelhändler wäre dies jedoch „fatal“, sagt Schwartz.

Nach Paris und Barcelona ist die Sendlinger Großmarkthalle der drittgrößte Umschlagplatz für Obst und Gemüse in Europa. 270 Import- und Großhandelsfirmen schlagen hier pro Jahr Waren aus 83 Ländern im Wert von über 750 Millionen Euro um.

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