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Das Altenheim St. Josef am Luise-Kiesselbach-Platz. Der Seniorenbeirat kritisiert die Situation. 

Seniorenbeirat kritisiert 

Altenheim St. Josef: Sterben im Doppelzimmer

Der Seniorenbeirat kritisiert die hohe emotionale Belastung für Mitbewohner im Altenheim St. Josef, denn wenn jemand im Sterben liegt, bleibt er im Mehrbettzimmer. Das Problem: In München gibt es nur 28 richtige Sterbebetten. 

München - Wer stirbt, darf in seinem Zimmer bleiben. Das ist die Regel in den Doppelzimmern des Altenheims St. Josef. Denn wer stirbt, braucht das vertraute Umfeld, die eigene Einrichtung, die bekannten Gesichter. „Das ist uns ein Anliegen. 75 Prozent unserer Bewohner sterben bei uns im Pflegeheim, wo sie sich wohler fühlen als im Krankenhaus“, sagt Siegfried Benker, der Geschäftsführer der städtischen „Münchenstift“, dem Betreiber des Altenheims am Luise-Kiesselbach-Platz.

Seniorenbeirat: Es braucht eine Palliativstation

Richard Stahnsdorf macht das jedoch Sorgen. Er ist Mitglied im Seniorenbeirat und kritisiert, dass der Zimmer-Mitbewohner so direkt mit dem Tod konfrontiert wird. „Es geht doch nicht, dass da in einem Zimmer Pflege und Sterbebegleitung gleichzeitig stattfinden“, sagt er. Für den Mitbewohner sei das eine Zumutung. Stahnsdorf findet deshalb, dass das Altenheim eine Palliativstation haben sollte. Auf so einer Station würden die Sterbenden gesondert gepflegt – „Symptomkontrolle“ sagen Ärzte dazu.

„Das dürfen wir leider nicht“, sagt Münchenstift-Chef Siegfried Benker. Das Altenheim St. Josef sei eine vollstationäre Einrichtung. Und solche Einrichtungen könnten keine Palliativstation haben – so stehe es im Gesetz. Das heiße aber nicht, dass Menschen sich ihr Zimmer zwangsweise mit Sterbenden teilen müssen: „Wir haben ein Ausweichzimmer im Haus, in das die Bewohner für eine kurze Zeit ziehen können. Das ist ihre Entscheidung.“

Siegfried Benker ist Chef der städtischen Münchenstift GmbH, die auch das Altenheim Sankt Josef am Luise-Kiesselbach-Platz unterhält. In München gebe es zu wenig Sterbebetten, sagt Benker. Grundsätzlich hält er es aber für wichtig, dass Menschen in ihrem gewohnten Umfeld auf den letzten Weg gehen können. Dazu zähle auch das eigene Zimmer im Altenheim.

Jeder soll in vertrauter Umgebung sterben können

Das Ausweichzimmer reicht aber nicht immer aus. „Wenn mehrere Menschen gleichzeitig sterben, müssen wir manchmal umbelegen“, erklärt Ute Becker. Sie arbeitet als Expertin für Palliativ-Versorgung im Altenheim St. Josef. Sie kümmert sich um die Schmerzen, um die psychischen Bedürfnisse der Sterbenden und um die Angehörigen – „die gehören auch dazu, das ist ganz wichtig“. Ihrer Meinung nach sollte jeder Mensch die Möglichkeit haben, zu Hause zu sterben. Oder eben im Pflegeheim, in bekannter Umgebung. Menschen auf eine Palliativ-Station zu verlegen, findet sie wenig sinnvoll. „Wir versuchen in unserem Haus, gut vorbereitet zu sein, damit nicht zu viele Menschen in ihren letzten Tagen ins Krankenhaus müssen.“ Dazu gehört, dass jeder Bewohner eine Patientenverfügung unterschreibt. Darin steht dann zum Beispiel, dass man keine künstliche Beatmung oder Ähnliches möchte. „Sonst kann es passieren, dass am Ende die Angehörigen etwas entscheiden, was der Bewohner sich nicht gewünscht hätte.“

München hat zwei Hospize mit 28 Betten

Es gibt in München zwei Hospize, das Christophorus- und das Johannes-Hospiz. „Dort sterben nur Menschen, die sehr schwere Symptome haben und für die die Pflege im Heim oder zu Hause nicht reicht“, sagt Becker. Die meisten Patienten sterben nach wenigen Wochen im Hospiz. Die zwei Münchner Sterbehäuser haben allerdings insgesamt nur 28 Betten. „Das ist zu wenig“, sagt Benker. Bei der Palliativ-Versorgung sieht es ähnlich aus. Auf Palliativ-Stationen sterben die Patienten normalerweise nicht, sie werden nur behandelt, damit sie wieder nach Hause oder ins Heim können. Zählt man alle Betten auf Münchner Palliativ-Stationen zusammen, kommt man auf 58 Plätze – bei 1,5 Millionen Einwohnern in der Landeshauptstadt.

Die Stadt verweist auf Anfrage auf zwei Dienste, die diese Lücken füllen sollen. Einerseits ein Beratungsdienst für Palliativ-Medizin, der die Krankenhäuser unterstützt. Und andererseits ein ambulanter Versorgungsdienst, der auch in die Pflegeheime kommt, um dort für Menschen in ihren letzten Wochen und Tagen zu sorgen. Am Problem des Lebens und Sterbens im Doppelzimmer ändert das freilich nichts.

Anna Mayr

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