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In den Keller verbannt: Rainer Englert an seiner heimischen Funkstation in Sendling-Westpark. Er würde sich für seine Amateurfunkergruppe ein Clubheim wünschen. 

Im teuren München schwer zu finden

Was sich die Münchner Amateurfunker wünschen

Sie kommunizieren über alle Grenzen hinweg, haben Freunde auf der ganzen Welt: Die Münchner Amateurfunker können noch senden, wenn ringsum die Lichter ausgehen. Doch jetzt sind die Weltbürger heimatlos: Sie suchen ein Klubheim, das ihrem Dasein als Kellerkinder ein Ende macht.

München - Falls in München das Internet, Strom und Telefonleitungen ausfallen sollten, liegt die Rettung in der Wohnung von Rainer Englert: ein Koffer, etwas größer als eine Aktentasche, außen Metall, innen ein Gewirr von Kabeln, Rädchen und Knöpfen. Mit diesem „Notfunk-Koffer“ kann Englert kommunizieren, wenn niemand sonst es mehr kann. Der Koffer hat ein Stromaggregat, ein Mikrofon, eine Antenne.

Rainer Englert ist seit 40 Jahren Amateurfunker. Das klingt im 21. Jahrhundert ein wenig nach ewiggestriger Sammelleidenschaft. Nach dunklen Kellern, in denen verzweifelte alte Männer versuchen, mit Außerirdischen zu reden. Doch wer mit Rainer Englert spricht, versteht die Faszination. „Die Leute fragen mich, wozu man Funk braucht, wenn es das Internet gibt. Aber es gibt ja auch Leute, die selbst Musik machen, anstatt nur Radio zu hören“, sagt er.

Etwa 60.000 Menschen in Deutschland sind Amateurfunker. Von ihren eigenen Stationen aus können sie Ton, Bilder, Videos und Daten über Funkwellen verbreiten. Doch sie senden natürlich nicht einfach ins Nichts: Für die Hobby-Funker sind Frequenzen reserviert, die auf der ganzen Welt funktionieren. „Wir dürfen ja den Radiosendern nicht in die Quere kommen“, sagt Englert. Alles, was man zum Funken braucht, haben die Amateurfunker sich selbst gebaut. „Das ist sehr komplexe Technik, deshalb sind viele von uns Ingenieure.“ Manche schießen sogar selbst gebaute Satelliten ins All. Es gibt Gesetze darüber, was Amateurfunker dürfen. „Man muss für die Zulassung einer Funkstation eine Prüfung machen, wie Jäger oder Angler auch. Darauf sollte man sich mehrere Monate vorbereiten.“

Den Notfunk-Koffer hat Englert in 40 Jahren Hobby-Funk noch nie benutzen müssen. Heldengeschichten seiner Zunft erzählt er trotzdem gerne – und spricht dabei immer in der „Wir“-Form: „Wir haben nach dem Erdbeben in Nepal die Namen der Verletzten gefunkt, damit die Angehörigen wissen, was mit ihren Liebsten ist. Wir haben 2002 beim Hochwasser in Ostdeutschland, als es keinen Strom mehr gab, den Behörden geholfen, zu kommunizieren. Wir haben nach dem Erdbeben in Italien Kontakt vermittelt zwischen Italienern in Deutschland und Menschen in der Region.“

Funken verbindet also, im Notfall wie im Normalfall. Rainer Englert ist über Funk verbunden mit seinem Freund Lothar aus Kolumbien, mit Mitch aus Florida und Robert aus Namibia. „In der Antarktis habe ich auch einen Freund“, sagt Englert, obwohl er diesen Menschen noch nie gesehen hat. Man trifft sich auf den Frequenzen, ruft: „Allgemeiner Anruf, allgemeiner Anruf“ ins Mikrofon, und vielleicht antwortet jemand. Dann unterhält man sich: über die Familie, über das Hobby, über den Alltag – worüber Freunde eben reden.

Zum Glück seit 40 Jahren ungenutzt: der Notfunk-Koffer ungenutzt.  

Der kolumbianische Lothar kommt ursprünglich aus Deutschland, da ist die Sprache kein Problem. „Mit den anderen spreche ich Englisch, Französisch oder Russisch“, sagt Englert. Warum er so viele Sprachen spricht? „Das Funken war meine Motivation, nach der Schule weiterzulernen.“

Bis vor zehn Jahren hatten Englert und seine Münchner Funkerkollegen ein Klubheim in einem Nebenraum des Garmischer Hofs. Aber das Haus wurde abgerissen, und seitdem ist der Klub obdachlos. „In München ist es wie verhext, wir finden einfach keinen Raum“, sagt Englert. Wenn sie sich zum Basteln treffen, nutzen die Münchner Funker jetzt die Räume des TATZ in Sendling-Westpark. „Es wäre gut, wenn wir einen Raum hätten, in dem wir die teuren Geräte wegschließen können und wo gleichzeitig auch Treffen mit etwa 20 Leuten möglich sind“, sagt Englert. Denn der Ingenieurs-Klub lädt auch gerne die Nachbarschaft ein: Zu den „Repair-Cafés“ kann man kaputte Elektrogeräte mitbringen. „Wir haben schon viele Fernseher wieder fit gemacht“, sagt Englert. Bezahlen könnte der Klub allerdings kaum etwas – monatlich sind nur etwa 80 Euro Budget drin.

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Anna Mayr

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