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Schock am Freitagabend: Im Nachbarhaus von Steffen und Kathrin S. übte die Polizei.

Direkt in Sendlinger Wohngebiet

„Schreie und Schüsse“ - Polizei-Übung erschreckt Nachbar

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Eine Polizeiübung am Abend schreckt Anwohner in Sendling auf. Die Beamten haben für die Aufgeregtheit einer Familie allerdings wenig Verständnis.

München - Familienvater Steffen S. will am Freitag um 19 Uhr einen kleinen Rundgang im Garten seines Hauses in der Uttinger Straße in Sendling machen. Seine kleine Tochter braucht frische Luft. Plötzlich bricht auf dem Nachbargrundstück die Hölle los: „Ich hörte Schreie und Schüsse - keine 30 Meter von mir entfernt“, erzählt der Sendlinger.

Mit dem Baby im Arm rennt er ins Haus, lässt die Rollläden runter, zieht die Vorhänge zu. „Ich hatte totales Herzrasen, habe das Haus verrammelt.“ Was er nicht ahnte: Nebenan trainierte die Polizei.

Ton des Polizeisprechers verärgert Familienvater

Der selbstständige EDV-Berater hat kürzlich einen Schlaganfall erlitten, fühlt sich noch nicht ganz fit: Er wählt den Polizei-Notruf 110. Die Erklärung leuchtet dem Familienvater durchaus ein, der Ton des Beamten nicht: „Ich erfuhr, dass es sich um eine etwa halbstündige Übung der Polizei im Abrisshaus auf dem Nachbargrundstück handelt.“ Auf seine Frage, warum die Anwohner nicht vorher informiert wurden, habe der Beamte gesagt: „Wir können nicht jeden informieren. Regen Sie sich nicht auf!“

Steffen S. regt sich aber auf. „Es ist völlig klar, dass Polizisten üben müssen, und ich bin auch dankbar für ihren Einsatz. Ich verstehe aber nicht, dass man vorher nicht miteinander spricht. Das ist alles andere als bürgernah.“ Ein Kontaktversuch zu den Einsatzkräften am Gartenzaun sei gescheitert. „Ich bekam nur zur Antwort: Wir dürfen das. Gehen Sie ins Haus!“

Tatort: In diesem Abrisshaus übte die Polizei.

Übung „vor Hintergrund des Terrors“

Polizeisprecher Michael Riehlein erklärt am Sonntag: „Vor dem Hintergrund des Terrors übt die Münchner Polizei zurzeit sehr viel, allerdings meist abseits von Siedlungen, wo niemand etwas davon mitbekommt.“ Bei dieser Übung im Wohngebiet mussten junge Beamte in ein Haus eindringen und Wohnungen durchsuchen. Riehlein: „Es wurde nicht geschossen.“

Aber heftig mit Türen geschlagen. Geräusche, die Steffen S. offenbar für Schüsse hielt. „Wir haben eine halbe Stunde gebraucht, um uns und die Kleine wieder zu beruhigen“, sagte der Familienvater.

Dorita Plange

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