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Aschenbecher sucht man am U-Bahnhof Partnachplatz vergeblich. Die Folge: Kippen-Massen vor der Station.

Keine Aschenbecher an U-Bahnhöfen

Nach 10 Jahren: Wird der Streit um Kippen an Bahnhöfen beigelegt?

Wohin mit Zigarettenkippen am U-Bahn-Abgang? Darum schwelt seit zehn Jahren ein Streit zwischen MVG und Baureferat. Die Folge: Kippen-Teppiche vor den Abgängen. Ein Pilotprojekt könnte jetzt eine Lösung aufzeigen.

München - Überall Zigarettenstummel, und niemand fühlt sich verantwortlich. An der U-Bahn-Station Partnachplatz in Sendling-Westpark zeugt ein Teppich aus Kippen und Asche von dem nicht ganz neuen Problem. Vor zehn Jahren führte die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) das Rauchverbot in den U-Bahnhöfen ein. Die Aschenbecher an den Gleisen wurden damit unnötig – die MVG entfernte sie. Raucher, die mit glimmender Zigarette an der U-Bahn ankamen, mussten den Glimmstängel vor der Treppe ausmachen. Nur wie? Aschenbecher gibt es dort bis heute nicht. Und da die Raucher es eilig haben oder schlicht zu faul sind, zum nächsten Mülleimer zu laufen, werfen sie die Kippen auf den Boden.

Die MVG weigerte sich, Aschenbecher aufzustellen

Die Stadt hatte die MVG und die Stadtwerke schon vor zehn Jahren aufgefordert, Aschenbecher vor die U-Bahn-Eingänge zu stellen. Die MVG sieht das aber nicht ein: Der Boden, auf dem die Kippen liegen, gehört schließlich der Stadt. Die Stadt sieht ihrerseits die MVG in der Pflicht: Hätte die das Rauchverbot nicht eingeführt, gäbe es das Kippenproblem nicht.

Hinter dem kleinlich anmutenden Streit stecken handfeste wirtschaftliche Überlegungen: Es kostet Geld, Aschenbecher anzuschaffen und – mögliche Vandalismusschäden inklusive – zu unterhalten. Und es kostet Geld, sie zu leeren. Weder die Stadt noch die MVG möchten dieses Geld gerne ausgeben. Ein Streit, der bis jetzt kein Ende genommen hat.

Ein Rentner sammelte ehrenamtlich Kippen auf

Alfred Nagel ist genervt davon. Er ist Fraktionssprecher der CSU in Sendling-Westpark. Der dortige Bezirksausschuss hat nun einen Antrag gestellt: Die Stadt soll endlich Aschenbecher am Partnachplatz aufstellen. „Wir hatten hier noch Glück, denn es gab jahrelang einen Kippensammler am Partnachplatz“, sagt Nagel. Ein Rentner, der die Verschmutzung des Platzes nicht ertragen konnte und deshalb ehrenamtlich die Zigarettenstummel einsammelte. „Aber der macht das jetzt nicht mehr jeden Tag. Ich glaube, der ist auch alt geworden. Und müde.“

Ob der Antrag des Bezirksausschusses Wirkung zeigt, steht in den Sternen. Doch immerhin gibt es nun einen Lösungsansatz: Man teilt sich – zumindest versuchsweise – die Verantwortung für die Kippen gerecht auf.

Stadtwerke und Stadt wollen jetzt zusammenarbeiten

„Das Baureferat hat im Auftrag der Stadt an sechs U-Bahnhöfen Aschenbecher aufgestellt. Die Stadtwerke sind fürs Entleeren zuständig“, sagt Christian Müller vom Baureferat. So tragen beide Parteien einen Teil der Kosten. Allerdings ist diese Lösung nur als Pilotprojekt definiert. Stadtwerke und Stadt wollen zuerst sehen, ob sich der Aufwand lohnt, bevor sie an allen U-Bahnhöfen Aschenbecher aufstellen.

„Der Versuch läuft seit September und soll ein Jahr dauern. Wir schauen aber erst, ob es dadurch vor den U-Bahnhöfen wirklich sauberer wird. Dann kann man darüber nachdenken, mehr Aschenbecher aufzustellen“, sagt Matthias Korte von der Münchner Verkehrsgesellschaft. Die Versuchs-Aschenbecher stehen übrigens an den Stationen Marienplatz, Arabellapark, Fürstenried West, Harthof, Moosach und Laimer Platz.

Anna Mayr

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