Einige Beispiele für möblierte Wohnungen beim Internet-Anbieter property4you. Flächen und Preise haben wir rot hervorgehoben.

1299 Euro für 28 Quadratmeter

Mega-Mieten: Der Trick mit den Möbeln

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Irrsinn im Quadrat! Dass man bei den Münchner Mieten auf einiges gefasst sein muss, ist zwar bekannt – aber 46 Euro für einen Quadratmeter sind dann doch erstaunlich. Durch welchen Trick so etwas möglich ist:

München - Diese Summe wird zum Beispiel für eine Bleibe in Schwabing aufgerufen: 1299 Euro Monatsmiete für 28 Quadratmeter! Man fragt sich: Wie ist das mit Mietspiegel und Mietpreisbremse? Ist das überhaupt erlaubt? Die Antwort: juristisch jein, praktisch ja! Denn das Zimmer ist möbliert – wie auch viele andere, die derzeit im Internet angeboten werden. Zu ähnlich irren Preisen, bis zum Dreifachen des eh schon gesalzenen München Durchschnitts. 

Trotz Mietpreisbremse und Co.

Dabei klingt die Objektbeschreibung nach Studentenzimmer. Möbliert und in der Nähe der Uni, Warmwasser, kombiniertes Wohn-/Schlafzimmer, Bett, Schlafsofa, Kommode, Kleiderschrank, Essplatz für zwei, etc.. Aber der Preis macht schnell klar: Hier kann kein normaler Student einziehen. Wer hier wohnen will, muss ordentlich zahlen können – und dennoch bescheiden sein in Sachen Platz. 

Manche Portale im Netz haben sich auf solche Angebote spezialisiert. Wenn man zum Beispiel bei property4you.de nach Ein-Zimmer-Appartements in Schwabing suchte, ploppten zuletzt 21 Objekte auf, davon 20 für mehr als 1100 Euro. Auf eine Anfrage der tz, wieso die möblierten Wohnungen derart teuer sind, antwortete die Firma uns bisher nicht. Als Mieter schüttelt man den Kopf.

Diese Angebote nehmen überhand 

Maximilian Heisler (29) vom Bündnis bezahlbares Wohnen schimpft: „Überteuerte möblierte Wohngelegenheiten nehmen überhand. Das ufert aus!“ Eine Handhabe dagegen gebe es nicht. Anbieter bewegten sich in der rechtlichen Grauzone. Das Vorgehen sei zulässig, da die Mietpreisbremse für möblierte Wohnungen nicht gilt. Auch die Experten des Mietervereins sehen die Lage kritisch: Vermieter könnten in der Praxis für möblierten Wohnraum quasi verlangen, was sie wollen. 

Theoretisch könnte man als Mieter zwar nachrechnen, wie teuer die Möbel sind und welche Zusatz-Miete deshalb möglich ist. Aber: Das ist kompliziert und erfordert in der Regel die Hilfe eines Rechtsanwalts. Eine Sprecherin des Mietervereins sagt: „Das macht natürlich keiner, dass er rechnet, was das Mobiliar gekostet hat und wie viel der Vermieter deshalb mehr verlangen kann.“ Und:Bei einer Mietdauer unter drei Monaten gilt die Bremse eh nicht. 

Im Internet finden sich weitere Anbieter, die ähnlich teure möblierte Zimmer anbieten. Ob das alles legal ist, haben Gewerbeamt und Kreisverwaltungsreferat (KVR) zu prüfen. Die Firma property4-you weist im Internet ausdrücklich darauf hin, dass sie vom Gewerbeamt zugelassen ist und beaufsichtigt wird. Das bestätigt ein KVR-Sprecher gegenüber der tz. Kontrolliert worden sei die Firma in den vergangenen sechs Jahren nach der Zulassung aber nicht. Das geschehe nur bei Beschwerden – und solche liegen nicht vor. 

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