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Lila, die Farbe der Buße: Peter Beer und Baureferentin Susanne Birk vor dem Eingang zum großen Konferenzraum.

Neue Zentrale im Erzbistum

Alte Akademie: So sieht es im neuen Ordinariat aus

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München - Das 145-Millionen-Euro-Projekt ist vollendet: Von Montag an werden 440 kirchliche Mitarbeiter in die neue Zentrale des Erzbischöflichen Ordinariats in der Alten Akademie einziehen. Die Kosten blieben bei der Mega-Sanierung nicht ganz im Rahmen.

Bunt geht es zu in der künftigen Schaltzentrale, die für 1,8 Millionen Katholiken im Erzbistum zuständig ist. Wer durch die hellen Gänge geht, wird am Ende von knalligen Farben empfangen: Rot, Violett, Blau, Gelb – die Knotenpunkte, die die Gebäudeflügel verbinden, leuchten in allen liturgischen Farben. Das solle die Orientierung in dem Komplex erleichtern, sagt Generalvikar Peter Beer, der Hausherr. Ein kräftiges Lila empfängt die Besucher zum Beispiel im Vorraum des großen Sitzungssaals. Drinnen dann dominiert, wie in allen Büros, Weiß. Möglichst viel Tageslicht, unterstützt durch ausgeklügelte Lichtsysteme, soll das Arbeiten angenehm machen.

Das Mobiliar ist nagelneu. Das sei billiger gewesen, als die alten Büromöbel mitzunehmen und anzupassen, erläutert Beer. Und außerdem überwindet es alte Hierarchie-Merkmale, die so gar nicht mehr zum Selbstverständnis des Arbeitgebers Kirche passen: „Jetzt haben alle die gleichen Möbel“, sagt Beer lächelnd.

Großraumbüros im vierten Stock: Hier werden Personal- und Bauabteilung einziehen.

Der historischen Raumaufteilung folgend sind die meisten Mitarbeiter in kleinen Büros untergebracht. Nur unterm Dach gibt es Großraumbüros mit mehr als 20 Arbeitsplätzen. Teeküchen, Besprechungs- und Ruheräume stehen den Mitarbeitern nahe am Arbeitsplatz zur Verfügung. Neu ist eine Arbeitsbibliothek, in die man sich für Recherchen zurückziehen kann, und eine kleine Kapelle. Hier will der Generalvikar künftig die neuen Pfarrer vereidigen. Der modern gestaltete Raum steht auch den Mitarbeitern offen.

Mutter-Kind-Büro und Radlkeller mit Duschen

Ein Mutter-Kind-Büro, in das Eltern ihren Nachwuchs mitbringen können, wenn Krippe oder Tagesmutter ausfallen, rundet das Angebot ebenso ab wie ein Radlkeller mit Duschen. Die Kantine öffnet sich zum begrünten Innenhof, wo man bei gutem Wetter unter freiem Himmel speisen kann. Betrieben wird das Bistro von der Firma „Social Sense“ des Sozialdienstes Katholischer Frauen.

Vorbildliches Projekt - aber nicht ganz billig

Naherholung: Im Innenhof kann man Luft schnappen und an der langen Tafel links unten sogar zu Mittag essen.

Die Architekten des Büros Fink + Jocher haben ein modernes, freundliches Ambiente geschaffen und sind dennoch behutsam mit der alten Bausubstanz umgegangen. Lediglich für den Eingang an der Ecke Kapellen-/Maxburgstraße gab es größere Eingriffe, und die Haus- und Sicherheitstechnik wurde komplett erneuert. Unter dem Innenhof entstand eine Tiefgarage. Fünf Wohnungen wurden erhalten, saniert und sollen nun laut Beer Gästen des Ordinariats und den Fahrern zur Verfügung stehen.

Das alles war nicht billig: 90,1 Millionen Euro hat das Ordinariat im Jahr 2006 allein für die Immobilie gezahlt. Inzwischen, so Beer, sei der Wert jedoch gestiegen. Die Sanierung, ursprünglich auf 37,5 Millionen Euro taxiert, kostete letztlich 55 Millionen. Das lag zum einen an nachträglichen Erweiterungen und Überraschungen bei der alten Bausubstanz, so Beer. Zum anderen habe es aber auch Defizite bei der Bauplanung und -überwachung und Bauverzögerungen gegeben. Ob deswegen der kirchliche Baureferent Hans-Jürgen Dennemarck abgelöst wurde und seine Nachfolgerin Susanne Birk gestern den Bau vorstellte? Beer will nicht direkt antworten. „Wir sind da in Klärungen“, sagt er.

Präsenz im Herzen der Stadt - andere Standorte werden frei

Trotz der Kostensteigerungen steht Beer zu dem Projekt. Es verschaffe der Kirche Präsenz im Herzen der Stadt und trage dazu bei, dass die 850 Mitarbeiter des Ordinariats künftig im Wesentlichen an nur noch drei Standorten – Kapellenstraße (Kernverwaltung, 442 Mitarbeiter), Rochusstraße 5 ( Seelsorge und Diözesanrat, 140) und Maxburgstraße 2 (Finanzverwaltung, 230) arbeiten werden. Mehr als ein Dutzend anderer Standorte werde frei und könne gewinnbringend vermietet werden.

Besichtigungstag für die Bürger

So wird der Komplex der Alten Akademie künftig aufgeteilt sein.

Das Ordinariat bezieht den Nordwestteil des Komplexes in dem bis 1773 ein Jesuitenkolleg, später die Bayerische Akademie der Wissenschaften und seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg die Bayerische Landesbodenkreditanstalt residierten (siehe Grafik). Den Südwestteil hat die Firma Signa des österreichischen Investors René Benko gekauft. Hier sollen Gewerbe und Gastronomie einziehen. Am Freitag soll der Sieger eines Architektenwettbewerbs gekürt werden.

Am Samstag, 30. April, lädt das Erzbischöfliche Ordinariat die Bevölkerung ein, das neue Dienstgebäude, Kapellenstraße von 9 bis 18 Uhr zu besichtigen.

Peter T. Schmidt

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