Letztes Geleit: (von oben links nach rechts unten) Andi Steinfatt, Wiesn-Wirt Peter Inselkammer mit Gattin, Roland und Doris Kuffler, Gabriele Weishäupl mit Stadtrat Helmut Schmid, Margot und Günter Steinberg, Asam-Schlössl-Wirtin Birgit Netzle-Piechotka mit Richard Süßmeier.

1500 nehmen Abschied von Markus Roiderer

München - Das eigene Kind zu Grabe zu tragen, zählt zum Schlimmsten, was Menschen passieren kann. Viele Freunde haben gestern die Wiesn-Wirts-Familie Roiderer bei dem schweren Gang begleitet: Ihr Sohn Markus starb am Samstag.

Straßlach: Beerdigung von Markus Roiderer

Als der Tannenholz-Sarg mit dem Leichnam von Markus Roiderer ins Erdreich des Straßlacher Friedhofs gelassen wird, bebt der Körper von Toni Roiderer. Die ganze Zeit hat der Hackerzelt-Wirt das Weinen unterdrückt: Gefasst begrüßte er die Trauergäste vor seinem Gasthof zum Wildpark. Auch als er später auf dem Friedhof hinter dem Sarg seines Sohnes schritt, blieb er tapfer. Aber als der 66-Jährige am Grab steht, ist es vorbei mit der Beherrschung: Ein Schluchzen schüttelt seinen Körper. Da hilft es wenig, dass er Arm in Arm steht mit seiner Frau Christl und seinem Sohn Thomas (34). Die weinen selbst. „Das ist die größte Tragik, die einer Familie passieren kann“, sagt Wirte-Napoleon Richard Süssmeier, der unter den Trauergästen ist. „Der Markus war so ein frischer, tatkräftiger Kerl mit Zukunftsperspektive.“

Das Herz aus roten Rosen vor Markus Roiderers Foto legte seine Lebensgefährtin Naima nieder. In der kleinen Kapelle wurde der Trauergottesdienst gefeiert. Fotos : Oliver Bodmer

Der Metzgermeister und Koch Markus Roiderer erlag im Alter von 33 Jahren mehreren Hirntumoren. Laut Bestatter waren etwa 1500 Gäste nach Straßlach im Süden Münchens gekommen. Darunter Michael und Gerd Käfer, Wirtschaftsreferent Dieter Reiter, die Wiesn-Wirts-Familien Reinbold und Glöckle sowie Sepp Krätz. In die winzige Kapelle, die gegenüber von Roiderers Gasthof zum Wildpark samt Metzgerei liegt, passen freilich nicht alle rein. Deshalb haben die Wirtsleute Bänke und Lautsprecher vor der Kapelle aufgestellt. So hört jeder, wie Markus’ Lieblingslied „Under the Bridge“ von den Red Hot Chilli Peppers gespielt wird. Und wie Peter Kreuzpaintner, Ex-Paulaner-Chef und Freund der Familie, an Markus erinnert: „Als er die Metzgerei übernommen hat, war das die Chance, aus dem Schatten seines Vaters herauszutreten. Der Erfolg machte ihn glücklich.“ Auch sei es für Markus ein Glück gewesen, daheim zu sterben: „Die Familie hat in den letzten Wochen Übermenschliches geleistet.“

Nach dem Gottesdienst fahren drei Reisebusse die Gäste zum Friedhof. Auch Hofbräuzelt-Wirt Günter Steinberg ist da: „Gleich am Samstag hab’ ich die Roiderers besucht. Der Toni sagte ,komm rein, kannst dir noch ein letztes Mal mein Buam anschaun‘. Da lag der Markus ganz friedlich auf dem Sofa, wo er im Kreis seiner Familie gestorben ist“, sagt Steinberg. Tourismus-Chefin Gabriele Weishäupl sagt: „Ich wusste seit Ostern, wie ernst es ist. Da hab’ ich mit dem Toni telefoniert und er hat gesagt: ,Jetzt muss ich meinen Buam heimholen. Zum Sterben.‘ Die Familie trägt es mit großer Würde und Kraft.“ Am Grab spricht Paulaner-Boss Andi Steinfatt, Freund der Familie. Er würdigt die Arbeit von „Marki“, der in Straßlach dafür sorgte, dass das Fleisch rechtzeitig auf die Wiesn kam. Er erinnert daran, wie Markus als kleiner Bub zu seinen Eltern ins Bett krabbelte und wie er mit seinem Bruder gerauft hat: „Er konnte ein bissiger Deifi sein. Aber er hatte einen weichen Kern und großes Herz. Servus, mein lieber Freund.“

Bettina Stuhlweissenburg

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