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Eigentlich sollte der Bahnsteig der neuen Stammstrecke (orange) unter der U1/U2-Strecke (grün) verlaufen. Das will man nun vermeiden - indem man den Bahnsteig um 80 Meter nach Westen rückt. Das umliegende Bauwerk - der Nukleus - soll aber gleich bleiben.

Der 80-Meter-Gau

2. Stammstrecke: So schlimm ist die Fehlplanung der Bahn

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Vor zwei Wochen berichteten wir erstmals über die Planungs-Panne für die 2. S-Bahn-Stammstrecke. Jetzt ist klar, welche Konsequenzen das Malheur haben wird: Der Bahnhof muss verschoben werden.

München - Kürzlich berichteten wir über die Riesen-Panne bezüglich des umfangreichen Hauptbahnhof-Unterbaus. Jetzt ist klar: Die geplante unterirdische Haltestelle am Hauptbahnhof muss um satte 80 Meter nach Westen verschoben werden. Das ergab eine Landtags-Anfrage der Grünen. Und die Auswirkungen dieser Änderung könnten enorm sein...

Es war der Grünen-Abgeordnete Martin Runge (60), der mehr über den möglichen Bau-Gau wissen wollte. Und die Antwort des bayerische Verkehrsministerium ist deutlich: Der Haltepunkt Hauptbahnhof der zweiten Stammstrecke soll „um rund 80 Meter in Richtung Westen“ verschoben werden. Das geschehe, um „ein technisch einfacheres Bauverfahren bei der Unterfahrung der U1/U2-Röhre anwenden zu können“.

Eine Skizze des neuen Bahnhofs in 41 Metern Tiefe.

Was die Bahn hier erläutert, ist für Runge ein „krachender Planungsfehler“, der „kaschiert“ werden solle. Bisher war geplant, dass der ­U-Bahnhof und die darunter liegende Haltestelle sich gekreuzt hätten (siehe Grafik). So erhielt die zweite Röhre auch nach einem Planfeststellungsverfahren Baurecht. Erst danach stellte sich heraus, dass die Planung aus statischen Gründen Makulatur ist. Simpel ausgedrückt: die Überdeckung zwischen beiden Bauwerken ist zu gering.

Beim Wiederauftauen des Erdreiches können Absackprozessen entstehen

Die Bahn und die beauftragte Bietergemeinschaft (darunter das renommierte Planungsbüro Obermeyer) hatten vor, die neue Haltestelle unterirdisch auszubaggern. Um zu verhindern, dass der darüber liegende U-Bahnhof dann absackt, sollte das Gestein mittels injizierter Kühlstäbe vereist werden – ein beim Tunnelbau übliches Verfahren. Doch offenbar kann es beim Wiederauftauen des Erdreiches zu Absackprozessen kommen – was wegen des darüber liegenden U-Bahnhofs fatal wäre. Daher werden nun die 210 Meter langen Bahnsteige der Hauptbahnhof-Haltestelle unter das bestehende Gleisfeld des Bahnhofs geschoben – sozusagen außer Reichweite des U-Bahnhofs. Das unterirdische Hauptbauwerk, der sogenannte Nukleus mit all seinen Rolltreppen und Zwischengeschossen – so die Sprecherin der Bahn – bleibe aber an Ort und Stelle.

Herbe Kritik an zweiter Stammstrecke: Vergleiche mit Nordkorea und Stuttgart 21

Martin Runge nimmt an, dass die Umplanung über eine Änderung des Planfeststellungsverfahrens extra genehmigt werden muss. Das könne dauern. Daher werde wohl das Bauverfahren geändert, die beiden getrennt verlaufenden Röhren mit Tunnelvortriebsmaschinen zunächst bis zur Station Marienhof durchgegraben und später wieder aufgebrochen, um die Haltestelle Hauptbahnhof zu bauen. Die Bahn dementiert. Sie bestätigt aber ein „leicht überarbeitetes Brandschutzkonzept“ für die Station, das mit der Branddirektion bereits abgestimmt sei. Die Genehmigung durch das Eisenbahnbundesamt steht freilich noch aus. Was das alles für Zeitplan und Baukosten bedeutet, ist unklar. Bis jetzt heißt es, Ziel sei es, den Bau „sowohl zeitlich als auch finanziell zu optimieren“. Die Stammstrecke soll 2026 fertig sein und maximal 3,84 Milliarden Euro kosten.

Chronisch überlastet: die S-Bahn-Stammstrecke.

In Bahnkreisen wird übrigens gemunkelt, dass auch am Ostbahnhof Umplanungen im Gange seien. Demnach könnte die Haltestelle für die 2. Stammstrecke nicht unter dem Orleansplatz entstehen, sondern auf der anderen Seite des Bahnhofs unter dem Gleisfeld, an dem bisher die Autoreisezüge abgefertigt werden. Am Mittwoch gab es hier wohl Erkundungsbohrungen. Die Bahn erklärt dazu: „Wir haben uns konzeptionell mit dieser Lösung beschäftigt, haben aber keinen Auftrag für eine Umplanung.“ 

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