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22-Jähriger tötet Mutter seiner vier Kinder

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München - Ein Mann hat den Tod seiner Freundin verursacht und versucht, die Tat zu vertuschen. Er behauptete, die 21-Jährige sei gestürzt. Inzwischen sind sich die Ermittler sicher: Er hat sie umgebracht.

Wie Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkommission, erst jetzt mitteilte, ereignete sich die Tat bereits am 1. Juni. Die 21-jährige Hausfrau rief früh morgens selbst den Rettungswagen und sagte, sie sei gestürzt. Als der Notarzt gegen 3 Uhr in der Wohnung am Peschelanger ankam, war die 21-Jährige bereits bewusstlos – die junge Frau kam auf die Intensivstation des Klinikums in Bogenhausen.

Zu diesem Zeitpunkt war die Polizei noch nicht informiert. Erst am Nachmittag des gleichen Tages verständigte ein Arzt die Polizei, weil die Verletzungen ungewöhnlich waren und er eine Gewalttat für möglich hielt. Daraufhin übernahm die Mordkommission die Ermittlungen. Kraus beauftragte einen Rechtsmediziner, die Frau zu untersuchen. „Auch er kam zu dem Ergebnis, dass die Verletzungen ungewöhnlich für einen Treppensturz sind.“ Die Beamten vernahmen daraufhin den 22-jährigen Lebensgefährten, der jedoch weiter behauptete, dass seine Freundin im Treppenhaus gestürzt sei und sich dabei schwer verletzt habe.

Am Mittwoch dieser Woche verstarb die junge Frau schließlich im Krankenhaus. „Die Obduktion ergab, dass die 21-Jährige an einer massiven Hirnblutung verstorben ist“, sagt Kraus. In den weiteren Vernehmungen erhärtete sich der Verdacht, dass der Lebensgefährte die Frau verletzt haben könnte. Ein Ermittlungsrichter erließ daraufhin Haftbefehl gegen den 22-Jährigen. Schließlich gestand der Gebäudereiniger, dass er seine Freundin im Streit gegen eine Wand gestoßen habe. Anlass für den Streit sei gewesen, dass er Geld aus der Familienkasse nehmen wollte – zum Zocken an Spielautomaten. Nach der Tat hatte er seine bereits halb bewusstlose Freundin angewiesen, selbst den Rettungsdienst anzurufen, und die Geschichte vom Treppensturz zu erzählen. Nach dem Geständnis erging Haftbefehl wegen Totschlags gegen den jungen Mann.

Die vier gemeinsamen Kinder des Paares wurden kurzfristig bei Angehörigen untergebracht, sollen aber in die Obhut von Pflegeeltern gegeben werden. „Wir werden die Kinder in den nächsten Stunden in Obhut nehmen“, sagte Jugendamtsleiterin Maria Kurz-Adam am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung. Die drei Buben und ihre Schwester im Alter zwischen fünf Monaten und fünf Jahren sollen möglichst zusammenbleiben, weshalb die Suche nach einer geeigneten Bereitschaftspflegefamilie laut Kurz-Adam nicht ganz einfach sei.

Das serbische Paar war den Behörden schon länger bekannt: Die Polizei hatte das Jugendamt im August 2009 nach einem Einsatz darüber informiert, dass der Familienvater seine Frau schlägt. Das Amt reagierte, die – damals getrennt voneinander lebenden – Eltern bekamen bei einem Hausbesuch im September Hilfsangebote unterbreitet. „Aber die Eltern haben das nicht für notwendig erachtet“, berichtet Kurz-Adam.

„Wenn Kinder bei häuslicher Gewalt dabei sind, beeinträchtigt sie das in ihrer Entwicklung“, sagt Kurz-Adam. Das Jugendamt könne jedoch nicht pauschal mit der Herausnahme der Kinder reagieren. „Die Frau, die geschlagen wird, kann ja nichts dafür.“ Nur, wenn eine akute Gefährdung der Kinder vorliege, könnten sie in Obhut genommen werden. Das sei aber im September 2009 nicht der Fall gewesen.

Sven Rieber

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