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25-Jähriger soll Kind misshandelt haben

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Versteckt sein Gesicht: Daniel A. soll den Sohn seiner Ex-Freundin misshandelt haben. Er behauptet, das Kind sei vom Sofa gestürzt.  foto: rk
Versteckt sein Gesicht: Daniel A. soll den Sohn seiner Ex-Freundin misshandelt haben. Er behauptet, das Kind sei vom Sofa gestürzt. foto: rk

München - Daniel A. steht vor Gericht, weil er einen einjährigen Buben geschüttelt hat - und behauptet, das Kind sei zuvor gestürzt.

Weil er ein Kleinkind geschüttelt und dabei schwer verletzt haben soll, muss sich ein 25-jähriger Münchner seit gestern vor dem Landgericht verantworten. Die Anklage wirft dem arbeitslosen Mann gefährliche Körperverletzung und Misshandlung von Schutzbefohlenen vor. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft schlug und schüttelte er den 14 Monate alten Sohn seiner Lebensgefährtin, „vermutlich weil er sich über die alterstypischen Laute ärgerte“. Der Mann leugnet das und ließ gestern von seinem Anwalt erklären, das Kind sei vom Sofa gestürzt. Um es aus seiner Bewusstlosigkeit zu wecken, habe er es in Panik leicht geschlagen und auch geschüttelt.

Von einem möglichen Sturz ist in der Anklage nicht die Rede. Nach Ansicht der Ermittler war der Angeklagte Daniel A. (Name geändert) am 5. Juli 2012 alleine mit dem Kind in der Wohnung der Mutter in Untersendling. Die Frau war zum Einkaufen gegangen. Daniel A. soll den Buben aus dem Bett geholt und „vermutlich mit den Händen gewaltsam auf den Kopf“ eingewirkt haben. Zudem habe er ihn „heftig vor und zurück“ geschüttelt.

Das Kind kam noch am Abend in die Haunersche Kinderklinik, wo Blutungen unter der Hirnhaut, im Augenhintergrund und Einblutungen am rechten Ohr festgestellt wurden. Außerdem erlitt der Bub einen Kratzer an der Oberlippe und eine Hautabschürfung am Kinn. Es bestand zumindest abstrakte Lebensgefahr. Die Staatsanwaltschaft wirft Daniel A. vor, „aus einer gefühllosen, fremdes Leiden missachtenden Gesinnung heraus“ gehandelt zu haben.

Genau das bestreitet der 25-Jährige. In seiner Version des Vorfalls holte er den Buben aus dem Bett, um ihm die Flasche zu geben. Danach habe das Kind auf der Couch gespielt. Vom Telefon kurz abgelenkt will der Angeklagte dann nicht bemerkt haben, wie das Kind aufstand und kopfüber hinter das Sofa stürzte. „Ich vermute, er wollte nach meinem Handy-Ladekabel greifen“, ließ Daniel A. seinen Anwalt vorlesen. Vermutlich sei der Kleine mit dem Kopf auf ein Blechspielzeug am Boden gestürzt. Er sei dann bewusstlos gewesen. „Ich habe ihm zwei leichte Ohrfeigen gegeben, um ihn wachzumachen“, sagte A. Weil das nicht wirkte, will er das Kind in die Wanne gesetzt und kühl abgebraust haben - ebenfalls ohne Erfolg. „Ich wurde immer panischer.“ Als das Kind die Augen verdrehte, habe er ihm noch zwei Ohrfeigen gegeben und ihn leicht geschüttelt. „Danach war er wieder bei Bewusstsein.“ In diesem Moment kehrte die Mutter vom Einkaufen zurück. Als sie hörte, was passiert war, kam das Kind sofort in die Klinik.

Daniel A. ließ zudem erklären, er sei „völlig überfordert“ mit der Situation gewesen - unter anderem, weil er in der Nacht zuvor bis in den frühen Morgen gefeiert „und auch Drogen konsumiert“ habe. „Ich wollte das Kind zu keinem Zeitpunkt verletzen.“ Was passiert ist, tue ihm sehr leid.

Mit der Mutter des Buben hatte Daniel A. ein Verhältnis, er ist eigentlich mit einer anderen Frau verlobt und hat mit ihr einen eigenen Sohn. Als die Verlobte seine Affäre aufdeckte, lebte er vorübergehend mit der Mutter des später verletzten Kindes zusammen. Eigentlich hätte Daniel A. damals schon in Haft sein müssen: Er ist mehrfach vorbestraft, seine Bewährung war nach einem Überfall auf eine Tankstelle widerrufen worden, er befand sich praktisch auf der Flucht. Seit seiner Jugend war er mehrfach durch Diebstahl und Körperverletzungen aufgefallen. Einen Hauptschulabschluss schaffte er erst im Gefängnis.

Nach seinen Schilderungen begann er bereits mit 13 Jahren, Marihuana zu nehmen, später auch Ecstasy und Kokain. Meist habe er schon nach dem Frühstück den ersten Joint geraucht. Dennoch will er sich um seinen eigenen Sohn immer liebevoll gekümmert haben - auch, als der Bub Koliken hatte und nächtelang schrie. „Kinder sind für mich das Wichtigste auf der Welt“, sagte er dem Richter. „Wozu sollte man Kinder schlagen? Die sind noch zu klein, um zu kapieren, wenn sie etwas nicht dürfen.“ Der Prozess dauert an.

vo Ann-Kathrin Gerke

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