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Junge Flüchtlinge sollen bald einen Beruf lernen. Doch erst müssen viele neue Plätze in Berufsschulen her.

Riesige Herausforderung

Berufsschulen: Stadt vervierfacht Flüchtlingsklassen

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Was die Integration der Flüchtlinge alles bedeutet, wird immer konkreter: Zum kommenden Schuljahr braucht die Stadt bis zu 200 neue Berufsschulklassen. Eine große Herausforderung – auch, weil Räume und Lehrer fehlen.

Sie kommen aus Syrien oder dem Irak. Manche haben in der Heimat ein Gymnasium besucht, andere können gerade mal lesen. Viele haben Traumatisches erlebt, viele leben ohne Familie hier. Junge Flüchtlinge bringen allerhand Unterschiede mit, doch eins ist wohl allen gemeinsam: Sie wollen zur Schule gehen und einen Beruf lernen. Und das sollen sie auch: Für sie besteht Schulpflicht.

München, wo sehr viele 16- bis 21-Jährige leben, steht vor einer riesigen Herausforderung. 2000 bis 4000 junge Flüchtlinge könnten heuer einen Berufsschulplatz brauchen, schätzt das Bildungsreferat in der Vorlage, über die gestern der Stadtrat vorentschied. Darum sollen schon zum kommenden Schuljahr 100 bis 200 zusätzliche Klassen speziell für Flüchtlinge entstehen. Eine enorme Hausnummer: Noch im Januar hatte das Referat nur mit 60 neuen Klassen geplant.

Aktuell gibt es an den Berufsschulen rund 70 Flüchtlingsklassen. Zuvor müssen die Jugendlichen einen Deutschkurs absolvieren, werden auf Vorbildung getestet und dann der passenden Klasse zugewiesen. Je nach Entwicklungsstand gibt es unterschiedliche Modelle. Die meisten Schüler kommen ins zweijährige „Berufsintegrationsjahr“, wo es um Sprachförderung, Grundlagenunterricht und Berufsvorbereitung geht. Das zweithäufigste Modell ist der „Schulanaloge Unterricht“ etwa der SchlaU-Schule.

Die Klassen sollen an allen 35 Berufsschulen entstehen. Zudem prüft das Kultusministerium, ob auch andere Schulen einbezogen werden können: die zwei Wirtschafts-, acht Berufsfach-, drei Fachober- und zwei Berufsoberschulen. Ein Hauptproblem könnte der Platz werden: Das Bildungsreferat schätzt, dass bis zu 200 zusätzliche Unterrichtsräume nötig werden. Durch Umschichtungen könnten kurzfristig bis zu 80 Räume verfügbar gemacht werden. Wie der übrige Bedarf von 120 Räumen gedeckt werden soll? Dazu will das Referat bald eine eigene Beschlussvorlage liefern.

Da die meisten Flüchtlinge noch keinen Ausbildungsplatz haben, besuchen sie die Berufsschule zur Berufsvorbereitung, die am Bogenhauser Kirchplatz sitzt. Eigens für die Flüchtlingsklassen wurde eine Filiale an der Balanstraße installiert. Doch längst platzen beide Schulteile aus den Nähten. Nun wurde beschlossen, die Schule zu teilen und die Einrichtung an der Balanstraße selbständig weiterzuführen.

Noch schwieriger als Räume könnte es werden, Lehrkäfte zu finden. Für das Maximum – 200 neue Klassen – würden allein heuer bis zu 315 zusätzliche Lehrer gebraucht, so das Referat. Um den Bedarf zu decken, werde auf „vier Ebenen“ gesucht: Nicht nur Berufsschul-, auch Gymnasial- und Realschullehrer mit Deutsch als Zweitsprache sollen zum Zug kommen – und sonstige Uni-Absolventen, die bereits Deutsch als Zweitsprache unterrichtet haben. Für sie will die Stadt Qualifizierungsmaßnahmen vorhalten und ihnen unbefristete Verträge anbieten – was Stadträtin Jutta Koller (Grüne) sehr begrüßte.

Zudem sollen auch Fortbildungen, wie mit traumatisierten Jugendlichen und Interkulturalität umzugehen ist, ausgeweitet werden. Ein entscheidender Punkt, zumal bisher kaum Schulpsychologen eingesetzt sind. Dagegen sei die Sozialarbeit an den Schulen „ausreichend“, so das Referat.

Allein fürs kommende Schuljahr rechnet die Stadt mit bis zu 46 Millionen Euro Kosten für die zusätzlichen Lehrer. Den größten Teil davon dürfte der Freistaat refinanzieren. Wie viel genau, wird geprüft. Denn bislang hängt die Kostenerstattung auch davon ab, welchen asylrechtlichen Status ein junger Flüchtling hat.

Christine Ulrich

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