42-jähriger verjubelt Ärzte-Honorare: Erster Verhandlungsbericht

München - Christian L. zog im Auftrag von niedergelassenen Ärzten deren Honorare ein - und schaffte das Geld auf sein eigenes Konto. Fünf Jahre lang ging das gut, jetzt aber steht er vor Gericht.

Erstaunlich, wie lange Ärzte die Veruntreuung beträchtlicher Honorare nicht bemerkten: Fünf Jahre lang hat Christian L. (42), Mitinhaber und Geschäftsführer einer medizinischen Abrechnungsgesellschaft, eingehende Patientengelder für sich behalten – exakt 881 045 Euro und 63 Cent. Als seine Verfehlungen aufflogen, gestand er sofort. Seit Donnerstag steht er wegen Veruntreuung in einem besonders schwerem Fall vor dem Landgericht.

Christian L. zog im Auftrag von niedergelassenen Ärzten deren Honorare ein. Die Patienten überwiesen auf ein Fremdgeldkonto der Gesellschaft, die die Arzt-Honorare nach Abzug von Vewaltungskosten und Bearbeitungsgebühren an die Ärzte weiterleitete. In 274 Fällen unterblieb das aber.

Seit August 2004 leitete L. die Gelder stattdessen auf sein eigenes Konto um oder hob in bar ab. Der geringste Einzelbetrag belief sich auf 500 Euro, der höchste auf 15 000. Mit internen Kontrollen hatte Christian L. nicht zu rechnen, denn er war Alleingesellschafter. Überdies überwies er zur Verschleierung immer wieder Beträge zurück, sobald er die Entdeckung durch stutzig gewordene Ärzte befürchten musste. Insgesamt landeten so 247 600 Euro wieder auf dem Fremdkonto der Abrechnungsgesellschaft.

Von dem veruntreuten Geld ist bisher nicht ein Cent wieder aufgetaucht. Christian L. hat sich nach seinen Worten keinen Luxus gegönnt. Das Geld sei „einfach so“ verschwunden. Der Prozess dauert an.

sl

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Zwei Jahre nach S-Bahn-Drama von Unterföhring: Angeschossene Polizistin Jessica endlich zu Hause
2017 eskalierte eine Routinekontrolle am S-Bahnhof Unterföhring. Der verwirrte Täter schoss um sich - und traf die Polizistin Jessica Lohse in den Kopf.
Zwei Jahre nach S-Bahn-Drama von Unterföhring: Angeschossene Polizistin Jessica endlich zu Hause
Nach Aus für Flughafen-Express: Stadträte erbost - Airport setzt auf Freistaat 
Dass der Flughafen München seine Pläne für eine Expressbahn zum Airport begraben hat, sorgt im Münchner Rathaus auch einen Tag später noch für Unmut.
Nach Aus für Flughafen-Express: Stadträte erbost - Airport setzt auf Freistaat 
Luftballon löst Mega-Störung auf der Stammstrecke aus - Einschränkungen bis in die Abendstunden
Störung am Sonntagnachmittag: Der Verkehr auf der Münchner S-Bahn-Stammstrecke kam zeitweise zum Erliegen.
Luftballon löst Mega-Störung auf der Stammstrecke aus - Einschränkungen bis in die Abendstunden
MVG-Kracher: Kommt das Kombi-Ticket nach München?
Ein Fahrschein, ein Preis, viele Verkehrsmittel - wie Bus, Auto oder E-Scooter? Augsburg hat es vorgemacht. Jetzt soll die MVG nachziehen.
MVG-Kracher: Kommt das Kombi-Ticket nach München?

Kommentare