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Schlagkräftig trotz ihres Alters: Lieselotte Z. wird nach dem Urteil im Rollstuhl aus dem Gerichssaal geschoben. Sie will lieber in den Knast als bezahlen

Brutale Attacke

Frau (83) prügelt Sanitäter krankenhausreif

München - Die Frau eines Wissenschaftlers wollte verhindern, dass Rettungsassistenten ihren Mann ins Krankenhaus bringen. Darum schlug die Seniorin zu.

Lieselotte Z. hat jahrzehntelang ein tadelloses Leben geführt. Mit 83 steht die Rentnerin vor dem Amtsgericht: Sie hat mit einem schnurlosen Telefon einen Sanitäter im Einsatz krankenhausreif geprügelt: Jochbeinfraktur, ein Oberkiefertrauma, Frank A. (42) musste bisher fünf Mal unters Messer, ein Eingriff steht noch bevor.

Dezent blond getönte Haare, die Falten sorgfältig weggepudert - Lieselotte Z. ist eine damenhafte Erscheinung. Sie sitzt im Rollstuhl, vorigen September wurde sie an der Wirbelsäule operiert. Das war vier Monate nach dem Vorfall, den ihr eigentlich keiner zutraut. „Das ist nie und nimmer geschehen“, weist die Rentnerin den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung zurück. „Ich bin gar nicht in der Lage, einem Mann so etwas zuzufügen“.

Ihr - inzwischen verstorbener - Ehemann litt an Leukämie, „konnte jede Minute sterben“, so die Angeklagte. Sie hat „alles“ für ihn gemacht, „es ging weit über meine Kräfte, aber ich habe es gern getan“. Horst Z. (82) wollte nicht in die Klinik. Am 9. Mai 2011 fiel der Wissenschaftler aus dem Bett. Seine Frau brauchte Hilfe. Sie wollte die herbeigerufenen Sanitäter „nur bitten, ihn aufzuheben, mehr könnten sie nicht für ihn tun. Da hat der eine mir schon den Mund verboten“. Die Rettungsassistenten wollten den blutenden Mann mitnehmen, „ich war in Panik“.

Rettungsassistent Frank A. und sein Kollege Thomas L. (36) haben den Einsatz „nach 13 Stunden Dienst“ anders in Erinnerung. „Der junge Mann“ (A. über den Patienten) habe geblutet, er fragte nach der Ursache. „Sie ist sofort dazwischen, das hätte mich nicht zu interessieren“. - „Wir müssen das Verletzungsmuster abklären“, widersprach Thomas L. Die Ehefrau habe zu schimpfen begonnen, „Arschlöcher, Drecksäue war noch das Harmloseste“.

Lieselotte Z. habe Frank A. erst „weggeschoben“, dann sei sie „auf ihn zugeschossen mit dem Telefon“ und habe es ihm „zwei Mal ins Gesicht geknallt, ich war platt“. Inzwischen waren, von L. benachrichtigt, Notarzt und Polizei eingetroffen und sorgten für den Abtransport des Kranken.

Eine Psychiaterin bescheinigt der Angeklagten verminderte Schuldfähigkeit auf Grund eines Belastungssyndroms. „Sie hatte Angst, dass sie ihren Mann nicht wiedersieht“, plädiert Anwalt Michael Pfefferl. „Ich zahle nichts, ich gehe ins Gefängnis“, ruft die Angeklagte. Richterin Aurelia Arend belässt es bei einer Geldstrafe (9000 Euro) auf Bewährung, Lieselotte Z. muss aber 3000 Euro Schmerzensgeld an den Sanitäter zahlen.

Sarah List

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