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Der Anwalt Nils Kratzer ist an der Tür des Cafe am Hochhaus gescheitert.

Vor Bar abgewiesen: Anwalt klagt

München - Der Anwalt Nils Kratzer ist an der Tür des Cafe am Hochhaus gescheitert. Ob ein Türsteher einen männlichen Gast abweisen darf, um Frauen den Vorzug zu geben, klärt das Münchner Amtsgericht.

„Ich muss sehen, dass nicht so viele Männer rein kommen“: Dieser Satz eines Türstehers hat den Münchner Anwalt Nils Kratzer auf die Barrikaden gebracht. Er und ein Kollege haben am 17. Juli 2009 in der Disko-Bar „Cafe am Hochhaus“ keinen Einlass gefunden. Der Jurist fühlt sich als Mann diskriminiert. Vor dem Amtsgericht forderte er gestern 1500 Euro Entschädigung für sich – und für alle Männer jederzeit Zutritt zu der Bar an der Papa-Schmid-Straße. Von Wirt Michael Dietzel verlangt Kratzer eine Unterlassungserklärung: Bei bis zu 250 000 Euro Ordnungsgeld im Fall eines Verstoßes soll er zusagen, keinen Gast mehr wegzuschicken, nur weil er männlichen Geschlechts ist. Der Arbeits- und Strafrechtler pocht auf das Antidiskriminierungsgesetz. Demnach darf niemand wegen seiner ethnischen Herkunft, Religion, einer Behinderung oder seines Geschlechts benachteiligt werden.

„Der Kläger ist ersichtlich keine Frau."

Dietzels Anwältin Ama Walton berief sich auf Paragraf 20 des Gesetzes, das Ausnahmen zur „Vermeidung von Gefahren, der Verhütung von Schäden oder anderen Zwecken vergleichbarer Art“ zulässt. Der Wirt, so Walton, wollte „eine angenehme Atmosphäre“. Dazu diene auch „ein Eingreifen in die Struktur der Gäste“, sprich: ein ausgewogenes Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Besuchern. An jenem Freitagabend war laut Anwältin das Lokal „übervoll“, wobei die Zahl der Männer deutlich überwog. „Es gab zwei Fälle, in denen Männern Hausverbot erteilt werden musste“, so Walton.

Sie zitierte eine Studie des Familienministeriums, basierend auf der Befragung von 10 000 Frauen. Nach deren Angaben gingen Belästigungen in 90 Prozent der Fälle von Männern aus. Kratzer sah darin entrüstet eine neue Diskriminierung. „Ich belästige keine Frauen, meine Kollegen belästigen keine Frauen.“ Walton ironisch: „Der Kläger ist ersichtlich keine Frau. Das sind generelle Erfahrungswerte.“

Der Türsteher sei übrigens angewiesen worden, „vorübergehend“ keine Männer einzulassen. Amtsrichterin Julia Stubenrauch hält diese zeitliche Beschränkung anders als Kratzer für durchaus „rechtserheblich“. Der Prozess wurde vertagt, um dazu Zeugen zu laden.

Letzte Konsequenz: Entzug der Konzession

Was Stubenrauch am Sitzungsende zu Protokoll gab, kann dem Kläger wenig Hoffnung auf Erfolg machen. Kratzer sei nicht legitimiert, die Gleichbehandlung für alle Männer einzufordern, er könne nur für sich selbst sprechen. Ob das Antidiskriminierungsgesetz überhaupt anwendbar sei, „kann angezweifelt werden“. Ein Türsteher im Entree weise ganz klar darauf hin, dass unter den Gästen eine Auswahl getroffen werde.

Dieses Recht will auch das Münchner Kreisverwaltungsreferat dem Wirt nicht absprechen. Streit ums Hausrecht müssten die Kontrahenten zivilrechtlich klären, sagte Sprecherin Daniela Schlegel. Nur in Fällen gravierender Diskriminierung, wenn etwa Ausländer oder Behinderte pauschal abgewiesen würden, greife die Behörde ein – zunächst durch ein ernsthaftes Gespräch mit dem Wirt. Die Überzeugungskraft des Referats, dem die Gaststättenaufsicht obliegt, ist groß: In letzter Konsequenz droht der Entzug der Konzession wegen mangelnder Zuverlässigkeit. Doch so weit hat es laut Schlegel noch kein Wirt kommen lassen.

Sarah List und Peter T. Schmidt

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