„Wir wollen einfach ein gutes Spiel abliefern“: Dominik Abé (li.) und Johannes Roth mit ihrem Heißluftballon-Spiel „daWindci“, das als „App“ im Internet erscheint. foto: kurzendörfer

Abheben mit einem Fingerwisch

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München - Zwischen Pizzakartons und Colaflaschen hat das junge Entwickler-Team von „Mimimi“ ein iPad-Spiel entwickelt.

Auf der Fensterbank stehen Bier- und Colaflaschen, daneben liegt die Rechnung vom Pizzadienst. Vier Jungs sitzen vor ihren Rechnern, einer tippt auf dem iPhone herum. Auf den Tischen weitere Bierflaschen, Kabel, Ausdrucke, Wirrwarr. Es ist ein kreatives Chaos, das den Raum beherrscht, denn hier wird unter Hochdruck gearbeitet: Hier entsteht „daWindci“, ein neues Spiel für iPhone, iPod und iPad. „App“ heißt das auf Neudeutsch.

Die vier Burschen sind Teil des Spieleentwickler-Teams „Mimimi Productions“. Ein Dutzend junge Männer gehören dazu, keiner ist älter als 25, alle kennen sich vom Studium an der Mediadesign Hochschule in München. Bei „daWindci“, so erläutern sie, gehe es darum, einen Heißluftballon mit Wind zu steuern, den man per Fingerwisch erzeugen kann. Viel Zeit zum Erklären haben sie nicht: An diesem Tag soll das Spiel fertig werden.

„Mimimi“ kommt, wie viele junge Projekte, ohne starre Hierarchien aus. Aber wenn man von Chefs sprechen will, dann sind das Johannes Roth, 22, und Dominik Abé, 24. Die beiden haben die Firma im Januar gegründet. Johannes kümmert sich um das Management, Dominik um das Spieledesign - er sagt, wie er sich das Spiel vorstellt. „Visionkeeper“ heißt das auf Entwickler-Englisch.

Fast jeden Tag treffen sich die Jungs an der Berg-am-Laim-Straße in den Räumen von „Reality Twist“, einem anderen Entwicklerteam. Das Ganze sieht aus wie eine Wohngemeinschaft. Dann sitzt jeder vor seinem Rechner, es fallen Sätze wie „Hey, ich hab im Waldlevel gerade nur 17 Frames!“ oder „Ein static-Objekt, das sich bewegt? Glaube, das war ein mesh-collider...“. Es ist eine eigene Welt, irgendwie.

Das heißt aber nicht, dass die jungen Entwickler Sonderlinge wären. Dominik macht in seiner Freizeit Wing Tsun, eine Kampfkunst, in der es vor allem auf schnelle Reaktion ankommt. Johannes kocht gerne. In der Entwicklungphase bleibt dafür allerdings wenig Zeit, da gibt es eben Tiefkühlpizza. Überhaupt, die Endphase eines Projekts, so wie jetzt bei „daWindci“, ist besonders stressig. Johannes wohnt mit seiner Freundin zusammen. „Die sehe ich zurzeit öfter schlafend als wach“, sagt er.

Mit sechs Jahren hat Johannes angefangen, Computerspiele zu spielen. Schon immer hat ihn interessiert, wie das alles funktioniert, welche Technik dahinter steckt. Das Gamedesign-Studium war der nächste logische Schritt.

Dominik hat mit 14 begonnen, Spiele zu programmieren. Dann hat er vier Jahre lang seinen Computer stehen lassen und Jazzgitarre gespielt. Aber einen Studienplatz für Jazzgitarre zu bekommen, ist nicht gerade einfach. Spontan ist er auf Gamedesign umgeschwenkt, bereut hat er es bis heute nicht, ganz im Gegenteil.

Die Jungs von „Mimimi“ sind gut. Im vergangenen Jahr haben sie bei einem Entwicklerpreis den zweiten Platz belegt, Preisgeld: 3000 Euro. Beim Deutschen Computerspielpreis 2011 haben sie es in der Nachwuchskategorie von 34 Einsendungen unter die besten drei geschafft.

Am Samstag, 16. April, soll ihr Spiel „daWindci“ erscheinen - ein mit Bedacht gewähltes Datum. An diesem Tag, vor genau 200 Jahren, stieg die erste Ballonfahrerin Deutschlands in die Luft. Bevor das Spiel - voraussichtlich zu einem Preis zwischen zwei und fünf Euro - in den offiziellen AppStore einziehen darf, muss Apple das Spiel prüfen und grünes Licht geben. Reich werden die Entwickler damit vermutlich nicht. Von den Einnahmen müssen sie ein Drittel an Apple abführen, auch die Mehrwertsteuer geht noch ab. Und dann ist da noch die Konkurrenz: Mehr als 65 000 Apps gibt es mittlerweile allein für das iPad. Da braucht es ein richtig gutes Spiel und eine ordentliche Portion Glück, damit „daWindci“ aus dieser Masse hervorsticht. Aber den jungen Entwicklern geht es ja gar nicht in erster Linie darum, einen Riesenerfolg einzufahren. „Wir wollen einfach nur ein gutes Spiel abliefern“, sagt Dominik.

Was sie nach ihrem Studium machen wollen, wissen die Jungentwickler noch nicht so genau. Mit „Mimimi“ soll es aber erstmal weitergehen. „Es sind noch ein paar Ideen da“, sagt Johannes. Er wolle aber auch mal in größere Produktionen hineinschnuppern. Kanada sei interessant.

An der Wand der Spiele-Schmiede hängt eine weiße Tafel. Jemand hat mit Filzstift eine Zeitung darauf gemalt, alle Schlagzeilen haben irgendwie mit „Dom“ zu tun, Dominiks Spitzname. Von der „Adomkalypse“ ist zu lesen. „Je länger man wach ist, umso verrückter wird man“, erklärt Johannes. Ein bisschen verrückt darf man sicherlich sein - als Spieleentwickler allemal.

Moritz Homann

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