Die Homepage des verstorbenen Abmahnanwalts Günter Freiherr von Gravenreuth

Abmahnanwalt erschießt sich

München - Der Münchner Rechtsanwalt Günter Freiherr von Gravenreuth hat sich in der Nacht zum Montag das Leben genommen. Er hätte in wenigen Tagen eine Haftstrafe antreten sollen. Seinen Selbstmord kündigte er per Email an.

Günter Freiherr von Gravenreuth  erschoss sich, als das Sondereinsatzkommando am Tatort eintraf. Der als Abmahnanwalt bekannt gewordene Gravenreuth hatte nach Informationen des Münchner Merkur in Emails an Bekannte seinen Selbstmord angekündigt. Ein Empfänger alarmierte daraufhin gegen 1.20 Uhr die Polizei.

Günther Freiher von Gravenreuth hat sich das Leben genommen.

Ein Sondereinsatzkommando machte sich auf die Suche nach dem 61-Jährigen. Nachdem die Polizisten ihn sowohl in seiner Privatwohnung, als auch in seiner Kanzlei nicht angetroffen hatten, machten sie sich aufgrund eines Hinweises auf den Weg zum Haus einer Studentenverbindung an der Luisenstraße. Gravenreuth war Mitglied dieser Verbindung. Als das Sondereinsatzkommando gegen 3.45 Uhr gerade das Verbindungshaus betreten wollte, hörten die Beamten einen Schuss. Gravenreuth hatte sich erschossen. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen.

Ein mögliches Motiv für den Suizid könnte eine Haftstrafe sein, die Gravenreuth in wenigen Tagen hätte antreten müssen. Er war in Berlin wegen versuchten Betruges zu 14 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Der Antritt der Strafe war bis Ende Februar aufgeschoben worden. Ob die bevorstehende Haft tatsächlich der Grund für den Selbstmord war, blieb unklar. Neben den Emails mit der Suizidankündigung hinterließ Günter von Gravenreuth einen Abschiedsbrief, der bei der Leiche lag.

Gravenreuth war bereits im September 2007 vom Berliner Amtsgericht verurteilt worden, weil er illegal die Internetdomain der Berliner Tageszeitung, www.taz.de, hatte pfänden lassen. Der Münchner Anwalt hatte die taz zunächst wegen einer automatisch versendeten Email kostenpflichtig abgemahnt. Obwohl die Zeitung den fälligen Betrag überwiesen hatte, erwirkte Gravenreuth einen Pfändungsbeschluss für die Internetadresse, indem er behauptete, keine Zahlung erhalten zu haben. Bei einer Durchsuchung gefundene Dokumente belegten jedoch, dass die Kanzlei sehr wohl Kenntnis von der Zahlung der taz hatte.

Die Strafe wurde nicht zur Bewährung ausgesetzt, weil zum Zeitpunkt des versuchten Betruges bereits eine Bewährung wegen der Unterschlagung von Mandantengeldern gegen den Anwalt lief. Günter von Gravenreuth hatte in der Internetcommunity traurige Berühmtheit erlangt, weil er gezielt Internetseiten nach Urheberrechtsverstößen durchsuchte und teuer abmahnte. In der Vergangenheit soll er sich in Inseraten auch als kleines Mädchen ausgegeben haben, dass nach Softwarekopien sucht. Wer sich meldete, wurde ebenfalls von Gravenreuth abgemahnt.

Philipp Vetter

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