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Trauriger Anblick: Das Feldmochinger "Russenhaus" verfällt zusehends. Seit 2013 steht es leer, Vandalen haben die Fenster zerschlagen, innen macht sich Schummel breit.  

Initiative kämpft für Erhalt

Abriss droht: Kampf ums Feldmochinger Russenhaus

München - Der Zwilling des Murnauer Künstlerhauses in Feldmoching ist vom Abriss bedroht – Eine Initiative wehrt sich dagegen

War das etwa Gabriele Münters Münchner Wohnsitz? Mit Sicherheit nicht. Doch wer die Raheinstraße ganz in der Nähe des Feldmochinger Bahnhofs entlangschlendert, könnte am Grundstück Nummer drei fast meinen, er stehe vor einem Zwilling des berühmten Murnauer Münter-Hauses. Das putzige Mansarddach mit den rundlichen Schindeln erinnert verblüffend an das einstige Heim der Malerin Gabriele Münter und ihres Lebensgefährten Wassily Kandinsky am Staffelsee.

Pendant in Murnau ist heute ein Museum

Das Haus im Oberland wurde wegen Kandinskys Herkunft im Volksmund Russenhaus genannt. Mancher sagt auch zur Münchner Variante so, die allerdings niemals berühmte Künstler beherbergte. Doch unterscheiden sich das Original und der Doppelgänger auch in einem anderen wichtigen Punkt: Während das Gebäude in Murnau erst vor einigen Jahren renoviert und in ein Museum verwandelt wurde, hat der Bau in der Raheinstraße schon bessere Tage gesehen und steht seit 2013 leer. Nun ist er gar vom Abriss bedroht.

Auf dem Areal zwischen Ratold- und Raheinstraße im Osten, der Lerchenstraße im Süden und der Bahnlinie München-Regensburg im Westen will die Immobiliengesellschaft CA Immo in den kommenden Jahren ein Wohnviertel mit Geschäften und Kindertagesstätten errichten. Welche Rolle das alte Haus in diesen Plänen spielt, ist unklar. Ein Abbruch erscheint wahrscheinlich, denn die CA Immo hat einen Zweckentfremdungsantrag für das Grundstück gestellt, dem bereits stattgegeben wurde. Konkrete Pläne, das Haus abzubrechen, gebe es derzeit jedoch nicht, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit.

Erhalten und öffentlich nutzen

Der Bezirksausschuss (BA) Feldmoching-Hasenbergl hat nun einem Bürgerantrag zugestimmt, der sich für den Erhalt des Gebäudes einsetzt und darauf drängt, dieses für öffentliche Zwecke zur Verfügung zu stellen und zu erhalten – zumindest bis zur Aufstellung des Bebauungsplans. Derzeit läuft ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb für das Areal. Dieser ist voraussichtlich im Juli abgeschlossen. Dann will die CA Immo mit dem BA und der Landeshauptstadt über die Zukunft des alten Hauses diskutieren.

Substanz und Statik sind in Ordnung

Das haus sieht dem Münter-Haus in Murnau verblüffend ähnlich. dass es erhaltenswert ist finden viele, ob es so kommt ist noch unklar.

Einem Gutachten zufolge, das der CA Immo vorliegt, ist der Bau komplett durchfeuchtet und verschimmelt. Auch Reinhard Sachsinger von der Aktionsgemeinschaft „Rettet den Münchner Norden“ hat sich das Gebäude kürzlich angesehen. „Die Substanz und die Statik sind nach meiner Beurteilung in Ordnung, allerdings ist es umfassend sanierungsbedürftig“, sagt der Bauingenieur und ehemalige Bausachverständige der Landesgewerbeanstalt Bayern. Fenster sind kaputt, von Vandalen zerschlagen, und teils mit Holzbrettern verbarrikadiert. Das verleiht dem Haus derzeit einen besonders armseligen Anblick. Seit dem Auszug des letzten Mieters wurde zudem nicht mehr geheizt. An einigen Innenwänden hat sich laut Sachsinger leichter Schimmel gebildet. Ihm zufolge ist das „jedoch leicht zu beheben“.

Damit sich die Substanz nicht weiter verschlechtert, wünscht sich der BA-Vorsitzende Markus Auerbach (SPD) zumindest eine Zwischennutzung. „Soziale Einrichtungen allerdings wollen das Gebäude nur fertig saniert“, gibt er zu Bedenken. „Wir sind da stark auf das Wohlwollen des Eigentümers angewiesen.“ Der Münchner Landtagsabgeordnete Joachim Unterländer (CSU) setzte sich bereits in einem Schreiben an das Landesamt für Denkmalpflege und an die CA Immo dafür ein, dass das Gebäude erhalten bleibt und renoviert wird.

Vorbild könnte die Mohr-Villa in Freimann sein

Organisationen, die das Haus wollen, haben sich bisher nicht gefunden. Der Gesamtverein Feldmoching ist derzeit nicht interessiert, wie der Vorsitzende Maximilian Bauer versichert. Reinhard Sachsinger von der Aktionsgemeinschaft Münchner Norden könnte sich den Erhalt des Gebäudes durch eine freie Trägerschaft aber vorstellen und verweist auf die Geschichte der Freimanner Mohr-Villa aus dem 19. Jahrhundert. Diese stand in den 1980er-Jahren ebenfalls vorm Abriss. Damals hatte sich die Aktionsgemeinschaft „Rettet den Münchner Norden“ für den Erhalt eingesetzt. Mit Erfolg. Heute ist die Mohr-Villa ein Kulturzentrum.

Das Haus in der Raheinstraße ist nur wenige Jahrzehnte jünger als die Mohr-Villa und genau wie diese von wertvollen alten Bäumen umgeben. Einst gehörte es der Reichsbahn, die es an Angestellte vermietete. Zuletzt war es Eigentum des Bundeseisenbahnvermögens. 2015 wurde es an die CA Immo verkauft.

Katrin Hildebrand

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