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Hallen, größer als ein Fußballplatz: Ein Arbeiter fährt mit einem Hubsteiger zu einem Dachträger der Abfüllhalle empor.

Mega-Umzug von der Au nach Langwied

Paulaner: Grundstein für neue Brauerei gelegt

  • vonPeter T. Schmidt
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München - Es wird ernst mit einem der größten Umzüge, die München seit Flughafen und Messe erlebt hat: Paulaner zieht nach Langwied. Der Abriss in der Au ist in vollem Gang, und am Dienstag wurde im Westen der Stadt der Grundstein für eine völlig neue Brauerei gelegt.

Dass Paulaner die Au verlässt, ist nicht zu übersehen und erst recht nicht zu überhören: Abrissbagger lärmen auf dem geschichtsträchtigen Areal zwischen Ohlmüller-, Falken- und Nockherstraße. Nicht genutzte Gebäude wie die alte Mälzerei sind bereits vom Erdboden verschwunden, jeden Tag wird die klaffende Wunde im Stadtbild größer. Im Sudhaus wird derweil wie eh und je Paulaner und Hacker Pschorr gebraut - den Münchnern soll schließlich nicht das Bier ausgehen. Die Anlagen bleiben in Betrieb, bis die neue Brauerei in Langwied fertig ist.

Dort, im Dreieck zwischen A 8 und A 99, lassen die Stütz-Skelette einer riesigen zweigeteilten Halle ahnen, welche Dimension die neue Paulaner-Brauerei haben wird: Der Westteil, 15 000 Quadratmeter groß, wird die Abfüllanlagen beherbergen. Unter dem 28 000 Quadratmeter großen Dach des Ostteils wird die Voll- und Leergutlogistik abgewickelt. Chefbraumeister Christian Dahncke freut sich schon darauf, der Enge auf dem Nockherberg zu entfliehen. „Wir haben hier die einmalige Chance, die Zukunft von Paulaner zu sichern“, sagt der 45-Jährige.

Das Herz der neuen Brauerei wird nebenan schlagen: Im Sudhaus, dessen Grundstein Paulaner-Chef Andreas Steinfatt gestern mit Alexandra Schörghuber, Leiterin der Schörghuber-Unternehmensgruppe (zu der Paulaner gehört) und Luise Kinseher legte.

Die Kabarettistin, durch ihre Rolle als Nockherberg-Bavaria eng mit Paulaner verbunden, prophezeite - „es sind ja kaum Politiker involviert“ - dem Bau besseres Gelingen als dem Berliner Flughafen und hatte nur eine Sorge: „Was ist, wenn man beim Brunnenbohren einen Dinosaurier findet? Dann zieht sich das Jahre hin“.

Doch auf die 190 Meter tiefen Brunnen kann und will Technik-Chef Stefan Lustig nicht verzichten. Hier, so versprach er, zapfe man die gleichen uralten Grundwasserschichten an wie in der Au. Am Paulaner-Geschmack werde sich also nichts ändern.

Den Beweis muss Braumeister Dahncke in einem Jahr antreten, denn der Zeitplan ist ehrgeizig: Schon im Herbst soll der Einbau der modernen Technik beginnen, im Sommer 2015 der erste Sud gebraut werden. Anfang 2016, so der Zeitplan, nimmt die Brauerei den vollen Betrieb auf - mit zunächst 3,5 Millionen Hektolitern im Jahr.

Paulaners neue Bierwelt

Paulaners neue Bierwelt: Bilder von der Grundsteinlegung

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Am alten Standort an der Ohlmüllerstraße wird dann unwiderruflich ein Stück Stadtgeschichte zu Ende gehen. Seit 1634 haben Mönche hier im Kloster „Neudeck ob der Au“ Bier gebraut. 1806 übernahm der bürgerliche Bierbrauer Franz Xaver Zacherl die Paulaner Brauerei, modernisierte und erweiterte sie. Das „Zacherl-Bräu“, wie die Münchner sagten, fand so viele Kunden, dass der Platz knapp wurde. 1861 wurde das in der Au gebraute Bier erstmals im neu erbauten Zacherl-Keller auf dem Nockherberg ausgeschenkt. Daneben, auf einem ehemaligen Kloster-Grundstück, erweiterte die Brauerei Zug um Zug ihre Abfüll-, Lager- und Logistikflächen. Darunter entstanden Gär- und Lagerkeller, mit dem Sudhaus durch eine Pipeline verbunden. Mehr als 50 000 Quadratmeter belegt Paulaner heute auf diesem Areal, dazu kommen 23 000 Quadratmeter an der Welfenstraße.

Doch was damals noch vor den Toren der Stadt lag, ist inzwischen eingewachsen und beengt. Für moderne Anlagen fehlt der Platz, und 150 bis 190 Lkw, die täglich durch die Stadt hierher fahren, bereiten zunehmend Probleme.

Im November 2011 verkündete der Konzern deshalb: Paulaner zieht an den Stadtrand und gibt die alten Flächen auf. Allerdings nicht ganz: An der Ohlmüllerstraße soll die Verwaltung mit rund 250 Mitarbeitern bleiben. Für sie entsteht ein Neubau, in den Teile der Zacherl-Fassade sowie einige alte Gewölbe integriert werden. Paulaner hofft auf eine Baugenehmigung „bis Mitte des Jahres“.

Auch Bier soll es am alten Stammsitz weiterhin geben: „Die Spezialitätenmanufaktur ,Brauerei im Eiswerk‘ wird als Mikro-Brauerei in der Au bleiben“, verspricht Paulaner-Sprecher Burkhard Rüdiger. Und mit ihr ein Prunkstück deutscher Technik-Geschichte: Eine Eismaschine von Carl Linde, die 1881 das Brauwesen revolutionierte.

2017 wird die Bayerische Hausbau den Rest der alten Brauerei abreißen, 2018 beginnt der Bau von Wohnungen und Geschäften. Gleichzeitig machen auch die Anlagen an der Regerstraße Platz für ein gemischtes Wohnquartier mit zwei Kindertagesstätten und einem Quartierspark. An der Welfenstraße sollen die Bauarbeiten schon 2017 starten. Insgesamt plant die Bayerische Hausbau auf den frei werdenden Paulaner-Flächen 1200 bis 1400 neue Wohnungen.

Von Peter T. Schmidt

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