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Die Bagger sind an der Steinerstraße in Sendling schon angerollt. 

Vor dem Abriss: Wir waren in Münchens größtem Hochbunker

München - Fast 70 Jahre lang hat der Bunker an der Steinerstraße in Sendling leer gestanden. Jetzt wird er abgerissen, weil ein Klinik-Neubau hier entstehen soll. Ein letzter Blick ins Innere des Schutzgebäudes.

Fast 24 Meter ragt das Gebäude in die Höhe. Mitten im Krieg erbaut, Anfang der Vierziger Jahre, leuchtet die Fassade noch immer in einem hellem Rot. Hier steht Münchens größter Hochbunker, an der Steinerstraße 3 in Mittersendling. Eine Trutzburg des 20. Jahrhunderts, die noch in den 80er Jahren die Münchner Bevölkerung vor sowjetischen Angriffen schützen sollte. Jetzt erlebt der Bunker seine letzten Tage. In den nächsten Monaten entsteht an seiner Stelle ein neuer Trakt der Sana Kliniken.

Ein letzter Blick ins Innere des Schutzbunkers

Die letzten Tage des Sendlinger Hochbunkers

In mühevoller Kleinarbeit wird das Gebäude abgetragen. Die Luftschutzräume des im Zweiten Weltkrieg gebauten Bunkers sollten 800 Menschen Schutz bieten.

Noch aber stehen sie, die 1,50 Meter dicken Außenwände. Über eine große, steinerne Treppe führt der Weg hinein. Die geöffnete Tür gibt den Blick auf die starken Mauern frei. Ein paar Meter weiter folgt eine dicke, gelbe Stahltür, mit der der Bunker gasdicht verschlossen werden kann. Das war es dann auch schon, was der Bunker an Spektakulärem zu bieten hat.

„Innen sieht es eher enttäuschend aus“, warnt auch Elmar Simon, Geschäftsführer der Sana Kliniken in Sendling, die den Bunker im Dezember gekauft haben. Jede der vier Etagen gleicht der anderen: Sechs, etwa gleich große Räume und zwei Treppenaufänge. Weiße Wände, Holzfußboden, die Fensterschlitze wurden irgendwann zugemauert. Imm Erdgeschoss sind ein paar Tische und Stühle zusammengerückt – als Aufenthaltsraum für die Verwalter des Bunkers. Ansonsten nichts.

„Direkt nach dem Krieg wurden hier Lederwaren und später noch Rohfilmaufnahmen gelagert“, sagt Heinz Geissel, verantwortlich bei der Branddirektion für den baulichen Zivilschutz.

Die dicke, gelbe Stahltür konnte ihn gasdicht verschließen.

Anfang der 80er Jahre, als die Bedrohung des Kalten Krieges Schutzräume wieder notwendig machte, wurde der Bunker „nochmal hergerichtet“, berichtet Geissel. Seitdem stand er ausschließlich für den Schutz der Bevölkerung zur Verfügung. Schutz gesucht hat hier in den all den Jahren allderdings niemand. Anfang der 1990er Jahre wurden zwar Feldbetten aufgestellt, als Auffanglager für mögliche Asylbewerber. Doch auch die blieben leer.

Trotz der langen Zeit ist der Bunker im Inneren sehr gut erhalten. Keine Risse in den Wänden, kein Schimmel, kaum Staub oder Dreck. Dennoch: Die Sana Kliniken greifen zur Radikal-Lösung. Der Bunker wird komplett abgerissen – für weitaus mehr Geld als die als die sechsstellige Summe, die der Kauf des Gebäudes gekostet hat.

„Wir wollen einen Gesundheitscampus bauen“, verrät Klinik-Chef Elmar Simon. Neben der orthopädischen Klinik wird es dann auch ein Therapiezentrum geben. Ein Tunnel verbindet bald den Neubau mit dem Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Nur alte Fotos werden erinnern dann daran, dass hier ein Bunker gestanden hat.

Kerstin Lottritz

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