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Freunde, Verwandte und Weggefährten haben am Dienstag Abschied von Gerd Käfer genommen. Hier sehen Sie die Bilder der Trauerfeier.
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Rosenkränze – auch in Käfer-Form – umgaben den weißen Sarg.
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Ihr schwerster Gang: Gerd Käfers Ehefrau Uschi Ackermann (v.l.), Sohn Michael und seine Frau Clarissa.
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Thomas Käfer.
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Eckart Witzigmann mit Frau Nicole.
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Sabine Käfer.
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Alfons Schuhbeck.
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Siegfried Able.

Jetzt tafelt er im Himmel

Gerd Käfer: So berührend war das Abschiedsfest

München - Am Dienstag fand die Trauerfeier für Gerd Käfer statt. Die Gäste nahmen Abschied vom im Alter von 82 Jahren verstorbenen Gastronom.

Eigentlich waren Tränen und Taschentücher verboten – Gerd Käfer († 82) selbst hatte das für seinen Abschied von dieser Welt verfügt. Doch wie gut, dass auf jedem Stuhl in der Allerheiligen-Hofkirche ein weißes Taschentuch mit einem aufgestickten Käfer lag – am Ende hat die feine Münchner Gesellschaft Rotz und Wasser geheult – so berührend war die Trauerfeier für den Tafeldecker am Dienstagabend.

Was er am Ende bei all seinem Streben nach Perfektion über seine Abschiedsparty selbst gesagt hätte: „Schee war’s, guat war’s! I bin stolz auf Eich!“ Und die Tränen um ihn – ach, die hat der Gerd bestimmt auch gern gesehen, zeigten sie doch, welchen Platz er in den Herzen hat.

Niemand wird je vergessen, als Gerd Käfer im weißen Sarg mit seinem Schriftzug von seinen Mitarbeitern aus der Hofkirche getragen wurde – angeführt von Weißclown Yann Rossi vom Zirkus Roncalli, der die herzzerreißende Titelmelodie von Federico Fellinis Drama La Strada auf seiner Trompete spielte, bis der Sarg auf einem alten Käfer-Lieferwagen seinen Platz fand – zur Überführung auf den Ostfriedhof, wo er am heutigen Mittwoch beigesetzt wird.

So liebevoll wie dieses Ende war schon der Anfang der Abschiedsfeier: ein schwarzer Teppich führte zum Eingang der Allerheiligen-Hofkirche, die über und über mit Käfers Lieblingsrosen in Orange geschmückt war. Der Sarg stand in einem Blumenmeer – dazu die blumengesteckten Herzen und Marienkäfer von der Salzburger Gärtnerei Doll mit den Trauerschleifen von Ehefrau Uschi Ackermann, Sohn Michael Käfer mit Gattin Clarissa und den Söhnen Nikolas und Raphael sowie Hilde Käfer, Gerd Käfers zweite Ehefrau, die wegen ihrer Altersdemenz nicht da sein konnte, deren große Liebe aber Gerd immer war; daneben der uneheliche Sohn Christian Käfer mit Gattin Laetitia und Tochter Colleen sowie Gerds Bruder Helmut, der inzwischen im Rollstuhl sitzt.

Alle waren sie in der Trauer vereint – und alle waren sich gut, was nicht immer so war, wie Michael Käfer in einer überaus berührenden Rede auch thematisierte. Doch in den letzten Lebenswochen haben Michael und sein Vater wieder zueinandergefunden: „Wir haben uns in die Augen gesehen und die Hand gehalten und eine ganz große Verbundenheit gespürt“, schilderte Michael den Abschied. Als Sohn und Unternehmensnachfolger habe er immer Maß genommen an dem außergewöhnlichen Vater – unter nicht immer einfachen Bedingungen – bis zum letzten Tag. Michael an seinen Vater gerichtet: „Dir ist gelungen, immer das zu leben, was du dir als Aufgabe gestellt hast. Deine Leidenschaft und Deine Genialität ist das Wesentliche, was Du uns mitgegeben hast.“ Sein Vater habe aus jedem Fest ein Kunstwerk gemacht und den Menschen gezeigt, was zum Leben gehört – Leichtigkeit und Genuss. Er habe immer gegen den Strich gelebt, aber mit außerordentlicher Disziplin. „Er war ein Menschenfänger, weil er Charme und Charisma hatte“, doch seine Herzenswärme sei auch schwankend gewesen. Und trotzdem konnte Michael Käfer am Ende aus vollem Herzen sagen: „Auf deinem letzten Weg versichere ich dir, dass ich dich immer geliebt und verehrt habe.“

Auch da flossen die Tränen. Die Chirurgin Dr. Ulrike Muschaweck hat das Taschentuch, das auf ihrem Stuhl lag, gut gebrauchen können. „Seit 20 Jahren haben wir jedes Fest mit Gerd Käfer gefeiert – er war unser bester Freund, und er war einmalig.“ Nie wird sie vergessen, wie sie mit ihrem Mann Dr. Leonhard Muschaweck vor 25 Jahren einen Flieger gekauft hatte, der mit einer Party gefeiert werden sollte: Käfer packte dafür das ganze Flugzeug in rotes Lackpapier mit Schleife. „Es hieß Potz-Blitz, und natürlich gab es dann dort auch Potz-Blitz-Burger.“

Jeder der Trauergäste trug seine ganz persönliche Erinnerung im Kopf und im Herzen. Wie der Pfarrer ­Richard Weyringer aus Bad Gastein, der Gerd Käfer versprochen hatte, ihn auf dem Weg von der einen in die andere Welt zu begleiten. Denn als ehemaliger Tischler, Berufssoldat und Gastwirt war Käfer davon überzeugt, dass er der Richtige für den letzten Segen sei.

Oder Zirkusdirektor Bernhard Paul und Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann, die Käfer schon zu Lebzeiten bat, auf seiner letzten Feier zu sprechen, wo auf Großleinwand die Bilder seines Lebens vorüberliefen. Witzigmann: „Wir hatten dasselbe Ziel – das Streben um den perfekten Geschmack. Du warst außergewöhnlich – außergewöhnlicht gut!“ Der Leitsatz, den Witzigmann von Käfer im Herzen trägt: „Das Leben ist bezaubernd, man muss es nur durch die richtige Brille sehen!“

Auch OB Dieter Reiter verabschiedete sich von einem Freund, mit dem es sich vortrefflich diskutieren ließ.

Am Dienstag aber hatte Gerd Käfer mal nicht das letzte Wort: Er saß auf seiner Wolke und hat seine Abschiedsfeier genossen: Alle waren da, und im Comité-Hof wurden neben Rosé-Schampus unter freiem Sommerhimmel alle Köstlichkeiten gereicht, die das Haus Käfer so hergibt. Und die Leute fanden von den Tränen wieder zurück in ein fröhliches Leben. Gibt’s was Schöneres?

Ulrike Schmidt

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