Wohl keine Belästigung, aber ...

Abtreibungsgegner sprechen Frauen vor Klinik an - Streit um Verbot

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München - Darf die Stadt München Abtreibungsgegnern verbieten, Frauen vor einer Klinik anzusprechen? Diese Frage hat am Donnerstag das Verwaltungsgericht München beschäftigt.

Es ist oft die letzte Lösung für schwangere, verzweifelte Frauen: In spezialisierten Kliniken können sie sich gegen ihr Kind entscheiden und den Embryo abtreiben lassen. Für die Frauen oft eine emotional sehr schwere und belastende Entscheidung, die auch viele Kritiker auf den Plan ruft. Denn Abtreibungsgegner glauben an das Lebensrecht der ungeborenen Kinder. Und versuchen mitunter, die werdenden Mütter noch umzustimmen.

Rita Hainlein und Wolfgang Hering kämpfen gegen das Verbot vom KVR.

Dafür sind aber nicht alle Mittel erlaubt. Zwei Vereinen hatte die Landeshauptstadt vergangenes Jahr die Erlaubnis entzogen, eine sogenannte Gehsteigberatung vor einer Arztpraxis in Laim durchzuführen. Dort hatten sich einige Berater regelmäßig versammelt, um abtreibungswillige Frauen abzufangen und ihnen ins Gewissen zu reden. Laut Kreisverwaltungsreferat geschah dies zu aufdringlich. Weil gegen behördliche Auflagen verstoßen wurde, kam es zum Verbot, gegen das sich die Vereine nun vor dem Verwaltungsgericht zu wehren versuchen.

Im Prozess gestern machte das KVR nochmals seine Position klar: Auf die Frauen sei bei der Gehsteigberatung massiver psychischer Druck ausgeübt worden. Dazu wurden angeblich Bilder von toten Embros gezeigt. Die Vereine bestreiten das. Ihrer Ansicht nach wurden die Frauen in respektvoller Art und Weise angesprochen – und niemals belästigt. Etliche hätten sich danach umentschieden. Dennoch hat die Klinik jährlich rund 3000 Abtreibungen vorgenommen. Wer die Beratung ablehne, so der Verein, werde nicht erneut angesprochen. Genau das sollen Zeugen laut KVR aber mehrfach beobachtet haben.

Die Abtreibungspraxis ist mittlerweile umgezogen. Die Frage aber bleibt: Ist die Gehsteigberatung rechtens? Oder unzumutbar? Richter Hans Haider ließ bereits durchblicken, dass es eher schwierig sei, die Beratung als „dezent“ anzusehen, wie sie ursprünglich mit dem KVR vereinbart war. Sein Urteil, das noch folgt, könnte Signalwirkung haben: Denn daran werden sich auch zukünftige Entscheidungen zur Gehsteigberatung orientieren. 

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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