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Katarina Witt spricht in Acapulco während der Präsentation für München 2018.

Acapulco: München punktet mit Olympia-Bewerbung

Acapulco - Mit einem gefühlten Punktsieg haben die Münchner den Bewerbungsmarathon um Olympia 2018 eröffnet. Pyeongchang ging bei der ersten Präsentation vor der olympischen Familie kein Risiko, Annecy enttäuschte. Am 6. Juli 2011 fällt die Entscheidung.

Für die Lebkuchenherzen, brodelnden Arenen und den verschneiten Olympiapark gab's sogar Szenenapplaus. Schon auf dem Weg zum Ausgang nahmen die Macher von München 2018 erste Glückwünsche für ihre vielversprechende 20-Minuten-Präsentation entgegen. Die internationalen Beobachter waren sich einig: Im Dreikampf um die Olympischen Winterspiele 2018 haben die Münchner bei der ersten Bewährungsprobe vor der olympischen Familie den gefühlten Rückstand auf den südkoreanischen Favoriten Pyeongchang verringert.

Der französische Außenseiter Annecy enttäuschte in Acapulco mit einem blassen Auftritt, bleibt aber gefährlich. Bei der Vergabe der Spiele durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) am 6. Juli 2011 im südafrikanischen Durban könnten die Franzosen der deutschen Kandidatur wichtige Stimmen wegnehmen und so Pyeongchang schon im ersten Wahlgang zum Sieger machen.

“Das war ein guter Start, auf dem wir aufbauen können“, sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach nach der stimmungsvollen Vorstellung. “Wir sind in einer guten Position mit klarer Vision und klarer Botschaft, aber das ist ein Marathon. Wir müssen kämpfen bis zur Ziellinie.“ Zufrieden legte er seinen Arm um Münchens sichtlich erleichterte Frontfrau Katarina Witt, die den knapp 40 Mitgliedern des IOC zu Bildern von randvollen Arenen ein wintersportverrücktes Deutschland zu verkaufen versuchte.

Die besten Olympia-Sprüche

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“Die Stadien sind voll, die Menschen kleben an den Bildschirmen. Das werden die Athleten in München erleben“, versprach die zweimalige Eiskunstlauf-Olympiasiegerin. Auf der Leinwand tobten die Massen bei der Vierschanzentournee, beim Biathlon in Ruhpolding oder beim Eröffnungsspiel der Eishockey-WM vor 77 000 Fans. Begeisterung und Wintersport-Tradition sind Eckpunkte der Münchner Pläne und einer der Hauptunterschiede zu Pyeongchangs Konzept.

Die Südkoreaner setzen auch bei ihrem dritten Anlauf, Olympia- Gastgeber zu werden, auf den ungesättigten Wintersportmarkt im bevölkerungsreichsten Kontinent und das angeblich kompakteste Konzept der Geschichte. “In Asien leben 60 Prozent der Weltbevölkerung, das bietet einen neuen Markt“, erklärte Bewerbungschef Yangho Cho den Slogan “neue Horizonte“.

Anders als bei ihren gescheiterten Bewerbungen um die Spiele 2010 und 2014 verzichteten die Asiaten auf jegliche politische Botschaft, wohlwissend, dass die explosive Lage in Nordkorea die größte Bedrohung für ihre Bewerbung darstellt. Kein Wort von Friedensspielen oder einer gemeinsamen koreanischen Mannschaft. Lieber brüstet sich Pyeongchang mit einer Unterstützung von 91 Prozent der Bevölkerung.

Für München garantierte Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Video-Botschaft “die volle Unterstützung und den guten Willen der deutschen Regierung und des deutschen Volkes“. Oberbürgermeister Christian Ude durfte über Münchens Großstadtflair referieren, das weder Annecy noch Pyeongchang bieten können. Hinter ihm flimmerten Oktoberfest-Bilder mit Trachtenmädchen und Bierkrügen.

“Ich bin vom olympischen Virus infiziert“, beteuerte Ude, “ich bin kein sportlicher Mensch, aber ich habe die Erinnerung an Olympia 1972 und weiß um die große Chance für unsere Stadt.“ Idyllische Aufnahmen vom verschneiten Olympiapark unterstrichen, dass München als erste Olympiastadt überhaupt nach Sommer- auch Winterspiele austragen könnte.

Bach prophezeite sogar eine “magische Atmosphäre“, die an die Fußball-WM 2006 erinnert. “Die Welt wird das volle Versprechen der olympischen Bewegung greifen können“, verkündete er. Bernhard Schwank, Geschäftsführer der Münchner Kandidatur, zählte in fließendem Englisch und Französisch ein paar der Verheißungen auf.

Nationale Olympische Komitees aus aller Welt dürften in Ruhpolding, Inzell, Oberstdorf und anderen Leistungszentren im Winter und im Sommer Trainingscamps abhalten - Münchens zaghafte Antwort auf den immensen Vorteil, den Pyeongchang dank Samsung genießt. Der südkoreanische Elektronik-Konzern finanziert viele NOKs und internationale Fachverbände.

Und Annecy? Frankreichs Ski-Legende Jean-Claude Killy schwänzte die Präsentation und grüßte vom Bildschirm. Bewerbungschef Edgar Grospiron und Co. scheinen nicht wirklich an sich zu glauben. Uninspiriert arbeiteten sie ihr Konzept ab. Am Ende hauchte Frankreichs First Lady Carla Bruni in einem Videoclip ihre “olympische Begeisterung“ ins Mikrofon - überzeugend wirkte es nicht.

Sven Busch

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