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Achteinhalb Jahre Haft für Rachsüchtigen

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München - Es war ein perfider Racheplan des verlassenen Liebhabers Levent C. (34): Die Ex-Freundin sollte durch die Hand ihres Mannes sterben.

Für diese Anstiftung zum versuchten Totschlag ist der Türke vom Schwurgericht zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Von Februar bis August 2009 währte die Beziehung zwischen C. und seiner verheirateten Landsmännin Sibel K. (28). Ihr Mann Erdal (34) saß damals wegen gefährlicher Körperverletzung im Gefängnis. Als er abgeschoben wurde, folgte sie ihm in die Türkei. Aus „Rache und Frust“ hat der gleichfalls verheiratete Angeklagte einen Psychoterror in Gang gesetzt. Er schickte Erdal K. unter falschem Namen 72 E-Mails und Sms-Mitteilungen, in denen er den Ehemann über die Untreue seiner Frau aufklärte und immer wieder hetzte: „Reinige deine Ehre!“ Beigefügt waren mehrmals Nacktaufnahmen der jungen Frau.

Levent C. sei wegen Eheproblemen und dem Verhalten seiner Geliebten in einer „desolaten Verfassung“ gewesen, plädierte Verteidiger Christian Vorländer. Im April 2009 wurde C. in die Psychiatrie zwangseingewiesen, nachdem er sich in seiner Wohnung verbarrikadiert und Suizid versucht hatte. Sibel K. habe als Zeugin von zahlreichen Selbstmorddrohungen des Freundes berichtet.

Dem Anwalt zufolge wollte C. nicht den Tod der Frau, die ihn verlassen hatte, „er wollte die Trennung des Ehepaares“. Staatsanwältin Verena Käbisch sah das anders. Ende August kam es zum entscheidenden Telefonat zwischen dem Angeklagten und Erdal K. Während dieses Gesprächs stritt der Ehemann mit seiner Frau, er ohrfeigte sie, drohte ihr. „Ich steche dich ab!“ C. hörte das und bekam auch mit, dass Sibel tatsächlich angegriffen wurde. Ihr Mann kam damals im letzten Moment zur Besinnung, stach nicht mit voller Wucht zu und ließ sofort wieder von ihr ab.

Der Angeklagte hat auch danach nicht mit seinem Terror aufgehört. Das ließ für das Gericht nur den Schluss zu, dass der Tod der Frau sein Ziel war. Er war während dieser Wochen laut psychiatrischem Gutachten voll schuldfähig, Wut und Rache überwogen seine depressive Stimmung. Zu seinen Gunsten wirkte sich aus, dass Sibel K. nicht lebensgefährlich verletzt wurde. Dies sei aber nicht ihm zu danken. Er sei „extrem nachhaltig“ vorgegangen. Die Ehefrau des Angeklagten war beim Urteilsspruch mit den vier Kindern im Sitzungssaal anwesend.

Sarah List

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