+
Marcus von Anhalt hat sich den Adelstitel gekauft.

Adeliger Bordell-Besitzer vor Gericht

München - Er jettete erster Klasse von Los Angeles zum Verfahren nach München, auf eine abgewetzte Anklagebank. Das behagte Prinz Marcus von Anhalt gar nicht.

„9000 Euro hat mich der Flug erster Klasse gekostet“, grantelt der Bordell-König (41) am Montag vor Gericht, um gleich wieder seiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen: „Naja, es trifft ja keinen Armen“, prahlt der Sportwagen-Freak, dessen Porsche im Mai 2008 von der Polizei bei einem illegalen Rennen beschlagnahmt worden war.

Prinz Marcus von Anhalt ist keineswegs von Geburt adelig. Am 20. Dezember 1969 kam er in Pforzheim ganz proletarisch als Marcus Eberhardt zur Welt. 2006 kaufte sich der Bordell-Besitzer in den Hochadel ein, indem er sich für ein paar Millionen Euro von Prinz Frederic von Anhalt (selbst durch Adoption Mitglied des Hochadels) und dessen Frau, Hollywood-Diva Zsa Zsa Gabor, adoptieren ließ.

Fahren ohne Fahrerlaubnis lautete die Anklage diesmal. Am 18. August 2010 war ein auf ihn zugelassener BMW X5 am Ende der A8 in Obermenzing mit 92 Sachen geblitzt worden. Tempo 60 ist dort erlaubt. Das größere Problem: Der Prinz war damals scheinlos. Weil er 2008 in Fellbach bei Stuttgart mit 1,18 Promille am Steuer seines Porsches erwischt worden war, verdonnerte ihn das Gericht zu 200 000 Euro Geldstrafe - was dem Richter angesichts der 210 000 Euro teuren Uhr am Handgelenk des Prinzen angemessen erschien. Zudem musste der PS-vernarrte Lebemann seinen Schweizer Führerschein abgeben. Nicht wenige seiner 18 Vorstrafen betreffen das Fahren ohne Fahrerlaubnis. Aus dem Bundeszentralregister zitiert Richter Thomas Jung noch andere Straftaten: Betrug, Nötigung, Zuhälterei, Menschenhandel . . .

Der Rotlicht-Adelige hört sich das grinsend an, macht selbst keine Angaben. Da sich das Radar-Foto als wenig brauchbar erweist, stellt Richter Jung das Verfahren ein. Umso gesprächiger ist der Adoptiv-Prinz nach Prozessende. „In so einen X5 würde ich mich nie reinsetzen“, höhnt er. „Der Typ am Steuer hat doch eine Glatze, aber das ist wohl den Strafverfolgern nicht aufgefallen. Das ist mein Kumpel Bernie, der mit einer Freundin nach München unterwegs war.“

Und nun? Der Adels-Spross zieht grinsend seine Krokodilleder-Jacke an: „Morgen jette ich wieder übern Teich - erster Klasse natürlich. Ich muss zur Oscar-Verleihung am Sonntag in Los Angeles sein.“

Eberhard Unfried

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Amidou floh aus Todesangst - doch der Schwulenhass holt ihn ein
München - Homosexuelle Flüchtlinge wie Amidou (Name geändert) können der Angst auch in München nicht entkommen. Sie werden von Landsleuten bedroht und angefeindet. Die …
Amidou floh aus Todesangst - doch der Schwulenhass holt ihn ein
Grippe-Alarm: Schon über 520 Fälle in der Stadt
München - Sie beginnt meist mit Halsschmerzen, der ganze Körper tut weh – und dann kommt das hohe Fieber inklusive Schüttelfrost: die Grippe. Und die gefährliche …
Grippe-Alarm: Schon über 520 Fälle in der Stadt
200.000 Euro an Amoklauf-Opfer von München ausbezahlt
München - Vor sechs Monaten erschütterte der Amoklauf am Olympiaeinkaufszentrum München. Nun wurde ein Teil des Hilfsfonds an die Opfer ausbezahlt.
200.000 Euro an Amoklauf-Opfer von München ausbezahlt
Picknick statt Provokation
München - Keine Provokationen mehr. Das versprechen die neuen Chefs des Restaurants an der Augustenstraße 42, das in München 16 Jahre lang als „Schmock“ bekannt war.
Picknick statt Provokation

Kommentare