Lkw fällt auf A8 Richtung München um - Totalsperre - Riesenstau im Berufsverkehr

Lkw fällt auf A8 Richtung München um - Totalsperre - Riesenstau im Berufsverkehr

Adressen im Angebot: So arbeiten die Datenhändler

München - Wie viele Adresshändler in Deutschland operieren, ist nicht erfasst. Der Bundesbeauftragte für Datenschutz sprach 2008 aber von 2000 Adresshändlern, die mit Daten legal Geld verdienten. So arbeiten sie:

Lesen Sie dazu auch:

Daten-Skandal im Münchner Wahlamt: Parteien fordern Aufklärung

Datenleck beim Wahlamt: Tausende Münchner Adressen verkauft

Adresshändler heißen sie landläufig, doch Unternehmen wie die „Global Group“ aus Idstein (Hessen), die Bertelsmann-Tochter „AZ Direct“ aus Gütersloh und die „Schober Information Group“ aus dem schwäbischen Ditzingen bieten ihren Kunden weit mehr: Nicht nur Adressdaten sind verfügbar, sondern nach speziellen Kriterien - etwa „Kinderwunsch“ oder „Interesse an Luxusgütern“ - gefilterte Datensätze.

Wer etwa im Internet-Shop von Schober, einem der größten deutschen Adresshändler, nach Münchnern sucht, die in einem Einfamilienhaus wohnen, über eine sehr hohe Kaufkraft verfügen und sich für Oberklasse-Wagen interessieren, wird sofort fündig. 3292 Adressätze werden angeboten, für 45 Cent pro Stück. Macht zusammen 1481,80 Euro. Die Telefonnummer kann man für 12 Cent pro Datensatz dazu erstehen. Nach eigenen Angaben verwaltet Schober Adressen von 50 Millionen Deutschen, zudem sind „fünf Millionen Konsumenten mit konkreten Interessen und Kaufabsichten“ gespeichert. AZ Direct wirbt mit Adressen von „40 Millionen Haushalten und drei Millionen Firmen“.

Wie viele Adresshändler in Deutschland operieren, ist nicht erfasst. Der Bundesbeauftragte für Datenschutz sprach 2008 aber von 2000 Adresshändlern, die mit Daten legal Geld verdienten.

Zwar floriert auch der Handel mit geklauten Kontonummern und anderen Privatdaten, doch viele personenbezogene Daten sind völlig legal im Umlauf. Das Bundesdatenschutzgesetz erlaubt, dass Angaben über Name, Adresse, Beruf, Titel, akademische Grade und das Geburtsjahr ohne Einwilligung zu Werbezwecken weitergegeben werden dürfen. Die Datenbestände der Adressunternehmen stammen aus verschiedenen Quellen: Öffentlich zugängliche Verzeichnisse, also Telefonbücher, E-Mail-Listen, Handels- und Vereinsregister, Internetseiten und Privatanzeigen in Zeitungen. Aber auch durch Haushaltsbefragungen, Preisausschreiben und Gewinnspiele werden relevante wirtschaftliche Daten gesammelt. Hier muss der Verbraucher einwilligen, dass seine Daten verwendet werden dürfen.

„Den Menschen ist oft nicht bewusst, dass sie sehr viele private Daten weitergeben“, sagt Carmen Sinnokrot, Datenschutzexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Wer etwa eine Rabattkarte im Supermarkt oder die Paybackkarte nutze, gebe seine Einwilligung, dass Daten gesammelt werden. „Dann kauft man bestimmte Waren und es kann ein Profil erstellt werden.“

Der Adresshandel sei „ein relativ dunkler Markt“, sagt Sinnokrot, So gelang es etwa einem Team des TV-Senders NDR im August 2009 innerhalb von wenigen Stunden, Tausende Datensätze mit Bankverbindungen auf dem Schwarzmarkt zu kaufen.

Vor zwei Jahren hatte es Bestrebungen gegeben, den Adresshandel insgesamt zu verbieten. Dann beschränkte sich der Deutsche Bundestag darauf, durch eine Änderung des Bundesdatenschutzgesetzes den Handel ab 1. September 2009 an strengere Voraussetzungen zu binden.

„Seither muss bei Werbeaussendungen, die mit solchen Daten arbeiten, die Herkunft der Daten ausgewiesen werden“, sagt Sinnokrot. „Außerdem muss der Verbraucher zurückverfolgen können, welchen Weg die Daten gegangen sind.“

Caroline Wörmann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wollersheim soll als Zeuge vor Münchner Gericht aussagen - doch dazu kommt es nicht
Bert Wollersheim ist nach München gereist, um im Prozess gegen einen Kumpel auszusagen. Doch letztlich ist der Trip umsonst. Noch in dieser Woche hat er einen anderen …
Wollersheim soll als Zeuge vor Münchner Gericht aussagen - doch dazu kommt es nicht
S-Bahn München: Technische Störung am Ostbahnhof beendet - Stammstrecke war betroffen
Pendler sind in München auf die S-Bahn angewiesen. Doch immer wieder gibt es Störungen, Sperrungen und Ausfälle. Wir informieren Sie in unserem News-Ticker.
S-Bahn München: Technische Störung am Ostbahnhof beendet - Stammstrecke war betroffen
5,5 Milliarden Euro! Stadtrat bewilligt U-Bahn-Ausbau - doch der kann dauern
Schon lange ist es geplant, jetzt ist es auch bewilligt: Der Münchner Stadtrat hat einem Ausbau der U-Bahn zugestimmt. Kosten: 5,5 Milliarden Euro! Bauzeit: Lange!
5,5 Milliarden Euro! Stadtrat bewilligt U-Bahn-Ausbau - doch der kann dauern
Das Motto einer Münchner Managerin: „Vertrau auf Dich, sei mutig und selbstbewusst“
Monika Dech ist nicht nur stellvertretende Geschäftsführerin der Messe München, sondern auch noch Gründerin des Netzwerkes „Frauen verbinden“. Weibliche Führungskräfte …
Das Motto einer Münchner Managerin: „Vertrau auf Dich, sei mutig und selbstbewusst“

Kommentare